Marcel Bohnert - Archivbild von 2019, damals noch als Major | Bildquelle: picture alliance / ZB

Neue Vorwürfe gegen Offizier Bohnert referierte bei Rechten

Stand: 24.07.2020 15:44 Uhr

Die Kontakte des ehemaligen Social-Media-Leiters der Bundeswehr ins rechtsradikale Milieu gehen offenbar über Instagram-Likes hinaus: Er war mehrfach Referent bei einschlägigen Institutionen.

Von Katrin Kampling und Caroline Walter, NDR

Panorama hat nach der Berichterstattung über den Bundeswehr-Oberstleutnant Marcel Bohnert, der mit einem Anhänger der rechtsextremen Identitären öffentlich sympathisierte, neue Hinweise zu Bohnerts politischen Kontakten erhalten. Der Oberstleutnant, der im Verteidigungsministerium bislang zuständig war für Social-Media-Auftritte der Bundeswehr, hat 2015 einen Vortrag vor der Burschenschaft "Cimbria München" gehalten.

Ausschnitt aus der Facebook-Seite der Burschenschaft Cimbria | Bildquelle: Panorama
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Die Burschenschaft Cimbria dokumentierte Bohnerts Auftritt auf ihrer Facebook-Seite.

Panorama liegt dazu ein Foto vor, das die Burschenschaft auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte. Darunter steht: "Bei unserem Burschenschaftlichen Abend referierte Hauptmann Marcel Bohnert über sein Buch 'Der einsame Kämpfer'".

Burschenschaft mit völkischen Tendenzen

Die Münchner "Cimbria" zählt zu den "weißen" Burschenschaften. "Das sind diejenigen, die sich für das Völkische, für das deutsche Volkstum ganz besonders einsetzen. Das ist immer auch verknüpft mit der Vorstellung, dass Deutschland viel größer ist als seine nationalen Grenzen", sagt die Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth, die zu Studentenverbindungen forscht.

Die Burschenschaft steht seit vielen Jahren in der Kritik. 2013 hatte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann "Cimbria München" von der offiziellen Gedenkfeier zum Volkstrauertag ausgeladen. Veranstaltungen der "Cimbria München" wurden zum Beispiel 2011 vom rechtsextremen "Institut für Staatspolitik" beworben.

Weiterer Auftritt bei "Cimbria"

Trotz dieser Umstände trat Bundeswehrsoldat Marcel Bohnert bei der Burschenschaft 2015 als Redner auf. "Wenn ich 2015 zur 'Cimbria' gehe, kann ich wissen, dass ich bei einer Organisation referiere, die extrem rechts ist", sagt Politikwissenschaftlerin Kurth. "Das ist kein Geheimwissen, man kann es einfach googeln." Die Münchner "Cimbria" gehöre zu der "äußersten extremen Rechten des ohnehin schon rechten Dachverbands Deutsche Burschenschaft".

Auf Anfrage von Panorama teilt das Verteidigungsministerium mit, dass es sich um "laufende Ermittlungen" handele, die "alle Hinweise sorgfältig erfassen".

Vortrag bei skandalbehafteter Organisation

Auch ein weiterer Auftritt des Offiziers Marcel Bohnert wirft Fragen auf. Panorama liegt das Tagungsprogramm des "Studienzentrums Weikersheim" aus dem Jahr 2014 vor. Dort ist Bohnert, damals noch Hauptmann, mit einem "Vortrag und Aussprache 'Die Bundeswehr in Afghanistan'" im Programm aufgeführt.

Das "Studienzentrum Weikersheim" war seit seiner Gründung immer wieder in Skandale verwickelt. Nach Beurteilung des Simon-Wiesenthal-Zentrums wurden in dem "Studienzentrum" in der Vergangenheit regelmäßig Redner mit extremistischen und zum Teil antisemitischen Ansichten zu öffentlichen Vorträgen eingeladen.

Zum Zeitpunkt des Vortrages von Offizier Bohnert war Karl Albrecht Schachtschneider Vizepräsident des "Studienzentrums Weikersheim", der Verbindungen zum bekannten Rechtsradikalen Jürgen Elsässer vom "Compact-Magazin" und dem "Chefideologen" der Neuen Rechten, Götz Kubitschek, unterhält.

Zentrum der Neuen Rechten

"Das Studienzentrum Weikersheim war vor dem "Institut für Staatspolitik" in Schnellroda ein Zentrum der Neuen Rechten und einschlägig bekannt", sagt Rechtsextremismus-Expertin Natascha Strobl. Es habe 2014 schon lange zum Stamminventar der Neuen Rechten gehört. Dass Bohnert dort als Redner aufgetreten ist, ist für Strobl unverständlich. "Man kann nicht Vorträge halten, ohne sich darüber zu informieren, bei wem man sie hält."

Bohnert gegen Leitbild des "Bürgers in Uniform"

Politisch vertritt Oberstleutnant Bohnert zudem seit vielen Jahren die Ansicht, das Prinzip der Inneren Führung und das Leitbild des "Bürgers in Uniform" seien veraltet. Eine kämpfende Armee könne nicht "in der Mitte der Gesellschaft" stehen: "Entweder ich hab eine Armee, die meinen demokratischen Staat repräsentiert. Und wir sind eine pazifistisch orientierte Gesellschaft. Oder ich hab eine Armee, die kämpfen kann. Dann kann sie aber hier in Deutschland nicht ganz in der Mitte der Gesellschaft stehen", sagte er auf einer Veranstaltung auf der Universität der Bundeswehr in Hamburg.

Keine Stellungnahme von Bohnert

Panorama hat Oberstleutnant Bohnert auch zu diesen neuen Informationen angefragt. Er äußerte sich dazu nicht. Zuvor hatte Panorama berichtet, dass der für Social Media in der Bundeswehr zuständige Offizier auf Instagram mit einem Anhänger der so genannten "Identitären Bewegung" sympathisiert und einschlägige Beiträge mit "Gefällt mir" kommentiert hat. Oberstleutnant Bohnert hat sich auf Panorama-Anfrage nicht gemeldet.

Auch dazu hatte er sich gegenüber Panorama nicht geäußert. In der "Bild"-Zeitung räumte er ein, ihm sei "ein großer Fehler" unterlaufen. Den Identitären habe er persönlich getroffen, aber nicht bemerkt, dass er ins extreme Lager abgedriftet sei. 

Über dieses Thema berichtete das Erste in der Sendung Panorama am 23. Juli 2020 um 21:45 Uhr.

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