Ex-VW-Chef Martin Winterkorn | Bildquelle: REUTERS

Anklage gegen Ex-VW-Boss Vier Kronzeugen gegen Winterkorn

Stand: 02.05.2019 18:08 Uhr

Vier Kronzeugen bietet die Staatsanwaltschaft nach Informationen von NDR, WDR und SZ auf, um Ex-VW-Chef Winterkorn zu überführen. Es handelt sich um langjährige VW-Leute, die selbst auf der Liste der Beschuldigten stehen.

Von Stephan Wels, Christine Adelhardt und Peter Hornung, NDR

Schwerer Betrug, Untreue, und unlauterer Wettbewerb: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt schwere Vorwürfe gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" stützt sich die Anklage dabei im Wesentlichen auf vier Kronzeugen: alle vier hochrangige VW-Mitarbeiter und selbst Beschuldigte im Diesel-Betrugsverfahren.

Anklage gegen Ex-VW-Chef Winterkorn
tagesschau 20:00 Uhr, 15.04.2019, Martina Thorausch, NDR

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Aber viele Widersprüche in den Zeugenaussagen bleiben in der 692 Seiten langen Anklageschrift unaufgelöst. Da ist zum einen die Aussage des Leiters des VW-Ausschusses für Produktsicherheit, Bernd Gottweis. Er hatte den damaligen VW-Chef Winterkorn bereits im Mai 2014  in einem Schreiben darüber informiert, dass die US-Behörden nach einer illegalen Software ("defeat device") suchen könnten.

Mit diesem Schreiben - so die Staatsanwaltschaft - habe Winterkorn Kenntnis von rechtswidrigen Manipulationen gehabt. Dazu passt aber nicht, dass Gottweis behauptet, er selbst habe damals nicht gewusst, dass VW tatsächlich eine Betrugssoftware verbaut. Gottweis will erst 2015 über deren Existenz informiert worden sein. Wie also hätte er den Konzernchef bereits ein Jahr vorher informieren können?

Der zweite Zeuge gegen Winterkorn ist ein führender VW-Ingenieur. Er will im Mai 2015 zusammen mit einem anderen hochrangigen Techniker bei Winterkorn im Büro gewesen sein. Dabei sei ganz offen über den Betrug geredet worden. Der andere Techniker allerdings kann sich an solch einen Termin nicht erinnern.

Zeugen wollen ihre Rolle herunterspielen

Grundsätzlich steht die Staatsanwaltschaft vor dem Problem, dass die Zeugen gegen Winterkorn selbst Beschuldigte sind und ein Interesse daran haben, ihre eigene Rolle nach Kräften herunter zu spielen, während sie gleichzeitig ihre Vorgesetzten belasten.

Bei einem weiteren zentralen Vorwurf der Staatsanwaltschaft sind sich die Zeugen aber einig. Am 27. Juli 2015 fand in Wolfsburg ein sogenannter Schadentisch statt. Zu diesem Zeitpunkt soll Winterkorn explizit über die Betrugssoftware informiert worden sein, so die Zeugen. Gottweis beispielsweise will Winterkorn am Telefon gesagt haben, dass VW in den USA "beschissen" habe.

Laut Staatsanwaltschaft habe der VW-Chef es dennoch unterlassen, den Betrug gegenüber den Behörden offenzulegen. 

Keine Spuren in Dokumenten

Winterkorn beharrt bis heute darauf, von Abgasmanipulationen erst im September erfahren zu haben. Auch im VW-Konzern heißt es bis heute: Der Vorstand habe nichts gewusst.

Ob er - wie die Staatsanwaltschaft behauptet - bereits 2014 Kenntnis von der Betrugssoftware hatte, wird im Prozess Gegenstand einer komplizierten Beweisaufnahme werden. Denn trotz aufwändiger Ermittlungen haben die Staatsanwälte keine bedeutende Papierspur aus früherer Zeit gefunden. Auch die Vorstandsunterlagen enthielten keine Hinweise. Anfangs hatten die Ermittler noch gehofft, dass die Durchsuchungen genau so etwas zu Tage fördern würden.

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Kritik an der Staatsanwaltschaft

Entscheidend also werden die Zeugen sein. Zwei der Belastungszeugen gegen Winterkorn sind zusammen mit ihm angeklagt. Vermutlich ist es die Hoffnung der Staatsanwälte, dass die Aussagen der geständigen Ingenieure erheblichen Druck auf Winterkorn ausüben werden.

Verfahrensbeteiligte kritisieren das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. So hätten die Ermittler Entlastendes  ausgeblendet und Widersprüche nicht berücksichtigt. Das gelte nicht nur für die Vorwürfe gegen Winterkorn, sondern auch für die Beweisführung bei anderen Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wollte sich zu den Inhalten der Anklage nicht äußern.

Über dieses Thema berichtete BR 5 Aktuell am 02. Mai 2019 um 19:05 Uhr.

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