Trading-Plattform  (Screenshot)

Trading-Portale Mutmaßlicher Millionen-Betrüger in U-Haft

Stand: 20.12.2019 06:00 Uhr

Ein 56-Jähriger soll Tausende Anleger mit Hilfe von Trading-Plattformen im Internet betrogen haben. Der Schaden könnte Hunderte Millionen betragen. Nun ist er nach Deutschland ausgeliefert worden.

Von C. Deker, N. Resch, C. Uhl und J. Strozyk

In einem der europaweit wohl größten Onlinebetrugsverfahren ist die Staatsanwaltschaft Saarbrücken offenbar einen entscheidenden Schritt weitergekommen: Der Hauptverdächtige, mutmaßlich der Anführer einer Gruppierung von Trading-Betrügern, sitzt nun in Saarbrücken in Untersuchungshaft. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken auf Anfrage von SR und NDR.

Der Mann war zuvor aus Österreich ausgeliefert worden. Ihm wird vorgeworfen, mit vier Komplizen, darunter ein weiterer Deutscher, mindestens fünf sogenannte Trading-Plattformen im Internet betrieben zu haben.

Transaktionen offenbar nur vorgetäuscht

Auf den Webseiten wurden Anlegern hohe Gewinne bei Wetten auf Aktienkurse oder Währungsschwankungen versprochen. Die Ermittler vermuten allerdings, dass die Plattformen die Transaktionen der Kunden nur vorgaukelten, während die Hintermänner das Geld der Anleger abzweigten. Über die Aktivitäten der Bande hatten Reporterinnen und Reporter von SR und NDR im Sommer berichtet.

Einige Opfer berichteten damals, in sozialen Netzwerken angeworben und dann durch Chats und Anrufe zu immer weiteren Einzahlungen gedrängt worden zu sein. Das Auszahlen von vermeintlich erzielten Gewinnen sei immer wieder mit Hinweis auf angebliche Softwarefehler oder andere Gründe aufgeschoben worden.

Vorwurf: gewerbsmäßiger Bandenbetrug

Der nun in Untersuchungshaft sitzende Deutsche war zuvor in der Glücksspielbranche aktiv und soll unter anderem Seiten für Online-Poker betrieben haben. Vor seiner Verhaftung soll er unter anderem im Küstenort Saint-Tropez an der Côte d'Azur gelebt haben.

Einer der Komplizen sitzt seit August in Albanien in Untersuchungshaft, auch er soll nach Deutschland ausgeliefert werden. Der Vorwurf gegen die Gruppierung lautet gewerbsmäßiger Bandenbetrug. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft äußerte sich der Hauptverdächtige bisher nicht zu den Vorwürfen. Sein Anwalt ließ Anfragen unbeantwortet. Wann es zur Anklageerhebung gegen den 56-Jährigen und die anderen Verdächtigen kommt, ist laut Staatsanwaltschaft derzeit noch nicht absehbar.

35 Razzien in fünf Ländern

Ermittler werten aktuell mehrere Terabyte an Daten aus, die sie bei insgesamt 35 Razzien in fünf verschiedenen Ländern sichergestellt hatten. Es ist das wohl größte Ermittlungsverfahren dieser Art, das es jemals in Europa gab.

Dabei fokussieren sich die Saarbrücker Ermittlungen zumindest vorerst auf fünf Plattformen mit den Namen "Option888", "TradeInvest90", "XMarkets.com", "ZoomTrader" und "TradoVest". In den Kundendateien allein dieser Anbieter finden sich offenbar die Namen von mehr als 200.000 Deutschen. Ob beziehungsweise wie viel Geld diese Kunden verloren haben, ist bislang unklar.

Trading-Plattform "Option888" (Screenshot)
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Mit professionell gestalteten Webseiten wurden Betroffene dazu gebracht, Geld zu überweisen.

Hinweise auf weitere Plattformen

Aus Kreisen der Ermittler hieß es, dass Hinweise auf Hunderte weitere Trading-Plattformen dieser Art vorliegen. Vorwiegend über soziale Netzwerke werben derartige Plattformen immer noch um Anleger.

Nach der Berichterstattung von SR und NDR im Juli meldeten sich zahlreiche weitere Betroffene. Einige gaben an, fünfstellige Summen verloren zu haben. Rechnet man die Verluste der Anleger hoch, könnte der Schaden im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Dezember 2019 um 09:45 Uhr.

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