Migranten aus dem Nahen Osten und anderen Ländern versammeln sich an der belarusisch-polnischen Grenze. | picture alliance/dpa/BelTA/AP
Exklusiv

Rückflug von Belarus in die Heimat Viele Iraker wollen bleiben

Stand: 17.11.2021 17:56 Uhr

Die irakische Regierung bietet heute den ersten Rückflug für Migranten an der belarusisch-polnischen Grenze von Minsk nach Erbil und Bagdad an. Doch die meisten wollen trotz ihrer schwierigen Lage bleiben.

Von Amir Musawy und Lena Gürtler, NDR

Der Rückflug Nummer eins von Iraqi Airways ab Minsk in Richtung Bagdad mit Zwischenstopp in Erbil soll heute starten. An Bord werden dann wohl Menschen sein, die eigentlich in die Europäische Union wollten und an der Grenze zwischen Belarus und Polen gescheitert sind. Bislang haben sich nach NDR-Informationen rund 200 von ihnen für einen Flug von der belarusischen Hauptstadt Minsk zurück in den Irak registriert.

Unter ihnen befindet sich ein junger Vater mit zwei Kindern. Er berichtete einem NDR-Reporter, dass er zwei Mal versucht hat, die Grenze zu überwinden. Jetzt will er mit seinen Kindern zurück in den Irak und ruft seine Landsleute auf, nicht nach Minsk zu kommen: "Hier gibt’s keine Hoffnung", sagte er. Er selbst habe dem Schlepper fast alles gegeben, was er besaß. Wie es weitergehen soll, wenn er mit seiner Familie zurück im Irak ist, wisse er nicht.

Doch trotz der dramatischen Lage an der Grenze zu Polen wollen offenbar die allermeisten ihr Vorhaben, in die EU zu gelangen, nicht aufgeben. Die irakische Botschaft in Warschau geht inzwischen von 8000 Irakerinnen und Irakern aus, die sich in Minsk aufhalten. Im Grenzgebiet sollen sich etwa 3000 befinden. Ungefähr 1200 Iraker sind bis nach Polen gelangt und mehr als doppelt so viele - etwa 2800 - seien derzeit in Litauen registriert, teilte die irakische Botschaft in Warschau dem NDR mit. Ob die Zahl derer, die freiwillig in den Irak zurückkehren, noch steigen wird, ist derzeit schwer vorhersehbar. Die irakische Regierung ruft ihre Bürgerinnen und Bürger dazu auf.

Maas: Rückführung in Herkunftsländer

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hatte sich am Montag im Anschluss an eine Besprechung mit seinen EU-Amtskollegen dagegen ausgesprochen, dass die in Belarus festsitzenden Migranten nach Deutschland kommen. Maas plädierte für "eine Rückführung in ihre Herkunftsländer".

Allerdings lehnte die irakische Ministerin für Migration, Ivan Faeq Jabro, bei Gesprächen mit Vertretern der Europäischen Union eine erzwungene Rückkehr aller Iraker ab und betonte, dass ihre Landsleute einem politischen Konflikt zwischen der EU und Belarus zum Opfer gefallen seien.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. November 2021 um 18:12 Uhr.