Steuerfahnder nehmen an einer Razzia teil. | Bildquelle: dpa

Verdacht auf Steuerbetrug Razzien gegen Banken und Steuerberater

Stand: 15.05.2019 12:03 Uhr

Wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung durchsuchen Ermittler laut NDR-Informationen mehrere Immobilien sowie Banken. Im Zentrum: Eine ehemalige Tochterfirma der Deutschen Bank, die bereits in den "Panama Papers" aufgefallen war.

Von Philipp Eckstein und Jan Lukas Strozyk, NDR

Deutsche Ermittler haben zahlreiche Wohn- und Büroräume im gesamten Bundesgebiet durchsucht. Hintergrund sind Ermittlungen wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung von deutschen Privatpersonen, die im Zusammenhang mit den "Panama Papers" aufgefallen sind. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt dem NDR: "In der Tat ist es so, dass der Auslöser für unsere Ermittlungen Erkenntnisse aus den Panama Papers und den Offshore-Leaks waren."

Die Durchsuchungen führte die Behörde gemeinsam mit dem Hamburger Landeskriminalamt durch. Die Ermittler suchten ausweislich einer Pressemitteilung in elf Banken und Sparkassen, vier Steuerberatungen und sechs Vermögensverwaltungsgesellschaften nach Beweismitteln. Die Razzien fanden unter anderem in Hamburg, München, Aachen, Trier und auf Sylt statt.

Ehemalige Tochtergesellschaft der Deutschen Bank

Den insgesamt acht Beschuldigten werde der Vorwurf der Steuerhinterziehung gemacht. Diese Personen sollen im Bundesgebiet steuerpflichtig sein und sie sollen "mit Hilfe der ehemaligen Tochtergesellschaft einer deutschen Großbank auf den British Virgin Islands selbst Gesellschaften in Steueroasen gegründet haben, um die Kapitalerträge dann vor dem deutschen Fiskus zu verbergen", sagte der Sprecher dem NDR.

Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hatten ergeben, dass es sich bei dieser Firma um die Regula Limited handelt, eine ehemalige Tochtergesellschaft der Deutschen Bank. Von den neuerlichen Durchsuchungen war die Deutsche Bank nach eigenen Angaben nicht betroffen. Die Ermittlungen richteten sich gegen Privatpersonen. Die Bank kooperiere mit der Staatsanwaltschaft.

Geschäftsräume der Deutschen Bank in Frankfurt waren allerdings im November 2018 im Zusammenhang mit der Firma durchsucht worden. Die Bank führte die Regula Limited bis 2017 als 100-prozentige Tochtergesellschaft. Sie soll reichen Kunden dazu gedient haben, Briefkastenfirmen im Ausland zu gründen und mit deren Hilfe Geld vor dem deutschen Fiskus zu verstecken. Allein im Jahr 2016 soll die Tochterfirma mehr als 900 Kunden betreut haben, mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro.

Zweck der Gesellschaft sei "Geschäftsgeheimnis"

Über den Verdacht, dass die Deutsche Bank mit Hilfe der Regula Limited illegalen Geschäften nachging, berichteten Reporter von NDR und SZ schon im April 2013 im Zuge der "Offshore Leaks". In der Folge, das belegten dann die "Panama Papers" im Jahr 2016, wickelte die Bank weitere Kundengeschäfte über die "Regula Limited" ab. Auf eine Anfrage im vergangenen Jahr erklärte ein Sprecher der Bank, zum Zweck der Gesellschaft könne man sich nicht äußern, das sei "Geschäfts- und Betriebsgeheimnis". Die "Regula Limited" habe man Ende März 2018 "komplett verkauft", sagte ein Bank-Sprecher.

Unter dem Schlagwort Offshore Leaks hatten Reporter von NDR und SZ im Jahr 2013 Recherchen zur Steuerhinterziehung mit Hilfe von Briefkastenfirmen im Ausland veröffentlicht. Im April 2016 folgte unter dem Schlagwort "Panama Papers" eine international koordinierte Recherche zu Geldwäsche und Steuerhinterziehung mit Hilfe einer Anwaltskanzlei aus Panama, bei der auch zahlreiche Deutsche Kunden waren.

PanamaPapers: Bundesweit Durchsuchungen wegen Steuerhinterziehung
Philipp Eckstein, NDR
15.05.2019 14:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

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