Polizeiabsperrung vor dem Haus von Walter Lübcke | Bildquelle: dpa

Fall Lübcke Anklage gegen Kollegen von Stephan E.

Stand: 21.09.2020 16:01 Uhr

Nach Ermittlungen im Umfeld des mutmaßlichen Lübcke-Mörders ist nun ein weiterer Mann angeklagt worden. Einem Arbeitskollege von Stephan E. werden mehrere Waffendelikte vorgeworfen.

Von Julian Feldmann und Nino Seidel, NDR

Gegen einen Arbeitskollegen des mutmaßlichen Mörders von Walter Lübcke ist Anklage erhoben worden. Jens L. werden nach NDR-Informationen mehrere Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen: Die Staatsanwaltschaft Kassel erhob Anklage wegen unerlaubten Erwerbs und Besitzes einer halbautomatischen Kurzwaffe in Tateinheit mit unerlaubtem Erwerb und Besitz verbotener Gegenstände sowie einer weiteren Schusswaffe und Munition. Das bestätigte der Sprecher der Anklagebehörde auf NDR-Anfrage.

In der Wohnung des 49-Jährigen in Fuldabrück (Kreis Kassel) waren im vergangenen Jahr unter anderem "eine halbautomatische Selbstladepistole sowie mehrere Einzelladerpistolen und Revolver" sichergestellt worden, so die Staatsanwaltschaft. Auch historische Waffen, Schrot und Pistolenmunition, mehrere Schlagwaffen und Messer fanden die Ermittler damals.

Nazi-Devotionalien und AfD-Sympathien

Im ersten Geständnis im Juni 2019 hatte Stephan E. auch über seine Tätigkeit als Waffenhändler ausgesagt. So kamen die Ermittler Jens L. und einem weiteren Arbeitskollegen von E. auf die Spur. Bei der Durchsuchung von L.s Wohnhaus fand die Polizei neben Waffen auch Nazi-Devotionalien. Nach seiner Festnahme im Juni 2019 beantragte die Staatsanwaltschaft nach NDR-Informationen Untersuchungshaft für Jens L. Der Ermittlungsrichter ließ ihn jedoch auf freiem Fuß.

Gegenüber dem Gericht gab L. damals an, mehrere illegale Waffen zu besitzen. Außerdem sagte L., dass er sich mit Stephan E. auch über das Thema Flüchtlingspolitik unterhalten habe. Beide sprachen über unliebsame politische Gegner, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und Regierungspräsident Lübcke. Das geht aus einem Vernehmungsprotokoll hervor, das der NDR einsehen konnte. E. habe ihm zudem empfohlen, die AfD zu wählen, gab L. an. Er vertrete selbst die Positionen der Partei, sagte L. vor dem Ermittlungsrichter.

Terrorverdacht

In seinem neuen Geständnis behauptet der mutmaßliche Lübcke-Mörder Stephan E. inzwischen, dass Jens L. nach dem Mordanschlag auf Lübcke beim Vergraben der Tatwaffe Schmiere gestanden hätte. Als die Mordermittler L. mit der Aussage von E. konfrontierten, bestritt dieser, beim Verstecken der Tatwaffe dabei gewesen zu sein. Die Polizei schätzt die Aussage von L. als "glaubhaft" ein. Seit dem Waffenfund laufen außerdem Terrorermittlungen gegen Jens L. Wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat führt die Staatsanwaltschaft Frankfurt ein Verfahren.

Konkrete Anschlagspläne sind bisher aber offenbar nicht gefunden worden. In dem "Verfahren dauern die Ermittlungen nach wie vor an", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Am Dienstag soll L. im Prozess gegen Stephan E. und den mitangeklagten Markus H. vor dem Frankfurter Oberlandesgericht aussagen. Der Verteidiger von L. war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Über dieses Thema berichtet die Sendung "Die Story im Ersten" am 30. September 2020 um 22:45 Uhr.

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