Das "Hochzeitsbild" zeigt die drei vollverschleierten Frauen vor der Flagge des IS.

Ermittlungen laufen weiter IS-Rückkehrerin aus U-Haft entlassen

Stand: 08.01.2021 15:58 Uhr

Der Fall sorgte 2015 bundesweit für Schlagzeilen: Ein Mädchen war unbemerkt von ihrer Familie zum Islam konvertiert, hatte sich radikalisiert und dem IS in Syrien angeschlossen. Nun darf sie zurück zu ihrer Familie.

Von Volkmar Kabisch und Britta von der Heide, NDR

Fast sechs Jahre nach ihrer Ausreise zum so genannten Islamischen Staat in Syrien ist Leonora Messing unter Auflagen frei. Der Haftrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob die Untersuchungshaft gegen die inzwischen 21-Jährige auf.

Messing war kurz vor Weihnachten mit zwei weiteren Frauen und insgesamt zwölf Kindern durch eine geheimgehaltene Aktion des Auswärtigen Amtes aus Syrien abgeholt und nach Deutschland gebracht worden. Gegen sie bestand ein Haftbefehl. Der Vorwurf lautete auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Verbrechen nach dem Völkerstrafgesetzbuch.

Glaubhaft vom IS distanziert

"Frau Messing ist sicherlich ein Sonderfall, da sie sich vor längerer Zeit schon glaubhaft abgewendet hat vom sogenannten IS. Außerdem gibt es einen geordneten, familiären Empfangsraum und eine Anbindung an Deradikalisierungsorganisationen", erklärte ihr Rechtsanwalt Dirk Schoenian.

Gegenüber dem NDR sagte Messing direkt nach ihrer Entlassung: "Ich bin froh, wieder hier zu sein und dass ich meine Familie wiedersehe. Jetzt kann ich ein neues Leben beginnen."

Ermittlungen laufen weiter

Die Haftentlassung ist möglicherweise nur vorübergehend, denn die Ermittlungen des Generalbundesanwaltes laufen weiter. Dieser wird schließlich entscheiden, ob Anklage erhoben wird.

Über dieses Thema berichtete MDR Sachsen-Anhalt heute am 08. Januar 2021 um 19:00 Uhr.

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