Ein Zollbeamter hat ein brauner Päckchen, gefüllt mit Kokain geöffnet. | Bildquelle: dpa

Rekordfunde in Häfen Kokain-Schwemme in Deutschland

Stand: 20.11.2019 06:00 Uhr

Deutsche Sicherheitsbehörden haben im laufenden Jahr erstmals mehr als zehn Tonnen Kokain sichergestellt. Polizei und Zoll wollen nun ihre Strategien gegen den Kokainschmuggel anpassen.

Von Volkmar Kabisch, Jan Lukas Strozyk, Benedikt Strunz, NDR

Im Jahr 2019 sind in Deutschland erstmals mehr als zehn Tonnen Kokain durch Ermittler sichergestellt worden. Das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigte eine entsprechende Recherche des NDR. Das Jahr entwickle sich zu einem "absoluten Rekordjahr, was Kokainsicherstellungen angeht", sagte Christian Hoppe, Kriminaldirektor beim BKA, im NDR-Interview.

Die sichergestellten Mengen der Droge sind in den vergangenen Jahren massiv angestiegen: 2014 waren es noch rund 1,5 Tonnen. Die Dunkelziffer des geschmuggelten Kokains dürfte um ein Vielfaches höher sein. Fahnder gehen davon aus, dass der Grund für die Steigerung ein hoher Zufuhrdruck aus Südamerika ist. In den vergangenen Jahren konnten Kokain-Anbauer in Südamerika die Produktion deutlich erhöhen, sie drängen mit ihrer Droge förmlich auf den europäischen Markt.

Eine Hand hebt einen von mehreren Blöcken Kokain aus einer blauen Plastikkiste.
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In einem Keller in Norddeutschland bewahren Fahnder beschlagnahmtes Kokain auf.

BKA: Wachsende Gewaltbereitschaft

Laut BKA ist "auf dem wachsenden Kokainmarkt (…) eine wachsende Gewaltbereitschaft erkennbar, die sich auch in Tötungsdelikten und Mordanschlägen" niederschlage. Auch in Norddeutschland, wo die großen Überseehäfen liegen, befürchten Drogenfahnder, dass mit dem zunehmenden Kokainschmuggel gewalttätige Bandenkriminalität und Revierkämpfe unter Drogendealern einhergehen könnten, auch wenn dies aktuell noch nicht erkennbar sei. "Ein zusätzliches Angebot schafft auch eine Nachfrage. Die Kriminalität wird zunehmen - und wir werden einen deutlich aggressiveren Markt erleben", sagte Kriminaldirektor Hoppe.

Nach Informationen des NDR arbeitet das BKA derzeit an einer verbesserten Strategie, um den internationalen Kokainhandel effektiver bekämpfen zu können. Die Initiative geht offenbar auf die Bitte mehrerer norddeutscher Landeskriminalämter zurück, die sich mit den Kokainschmugglern zunehmend konfrontiert sehen. Vom BKA hieß es, man stimme sich derzeit mit dem Zollkriminalamt und den Landeskriminalämtern "zum weiteren Vorgehen" ab.

Kokainfunde in Deutschland stark gestiegen
tagesschau 11:00 Uhr, 20.11.2019, Volkmar Kabisch, NDR

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Sicherstellungen in großen Häfen

Ein großer Anteil der aktuellen Sicherstellungen geht auf die Containerhäfen in Hamburg und Bremerhaven zurück. Allein in Hamburg konnten in diesem Jahr zwei Großlieferungen abgefangen werden, die zusammen zwei Drittel der gesamten beschlagnahmten Menge ausmachten.

Der Chef der Hamburger Zollfahndung, René Matschke, sagte, er habe sowohl in Hamburg, als auch in Bremerhaven inzwischen "mehr Personal zur Bekämpfung des Kokainhandels eingesetzt". Im Falle des über Bremerhaven geschmuggelten Kokains habe die Zollfahndung Erkenntnisse, dass dieses auch über dort ansässige Clans verteilt werde, so Matschke.

Mitarbeiter deutscher Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass die veränderte Strategie im Kampf gegen die Droge auch zu einem verstärkten Kampf gegen die Kokaingeldwäsche führen wird.

René Matschke.
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Es werde mehr Personal im Kampf gegen Schmuggler eingesetzt, sagt René Matschke vom Hamburger Zoll.

Geldwäsche läuft über den Libanon

Dabei beobachten Ermittler nach NDR-Informationen einen weiteren Trend: Hochspezialisierte Geldwäscherbanden, die sich im Auftrag der Kartelle ausschließlich darum kümmern, die Drogengelder zu waschen und zurück nach Südamerika zu transferieren. Weltweit fallen insbesondere libanesische Netzwerke in der Kokaingeldwäsche auf. Die US-Drogenpolizei Drug Enforcement Administration (DEA) sagte dem NDR, man gehe davon aus, dass libanesische Banden bis zu 50 Prozent des in Europa anfallenden Kokaingeldes waschen.

In einem ersten Schritt kaufen die zumeist aus dem Libanon gesteuerten Gruppen unter anderem Luxusuhren, Schmuck und Autos - und verkaufen diese wiederum im Ausland. Die anschließenden Gewinne werden dann oftmals über libanesische Wechselstuben an die Kartelle in Südamerika zurück transferiert.

Mehrere Luxusuhren in einer Vitrine.
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Das Geld aus den Drogengeschäften wird auch mithilfe von Luxusuhren gewaschen.

Nach NDR-Recherchen waren im Falle einer europaweit agierenden Bande auch ein Geschäftsführer des Flughafens in Beirut sowie ein leitender Mitarbeiter der Flughafensicherheit in die Geldwäsche eingebunden. Beide sind offenbar bis heute im Amt. Das libanesische Innenministerium wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Fall äußern. Zahlreiche Indizien sprechen dafür, dass auch die schiitische Hisbollah von den Geldwäschegeschäften profitiert. So sollen Mittelsmänner der Geldwäscher einen Teil des Gewinns an die Partei gegeben haben. Die Hisbollah lehnte eine Stellungnahme ab.

Die Ergebnisse der einjährigen Recherche zu libanesischen Geldwäschenetzwerken sind ab sofort im ARD-Radiofeature "Die Libanon-Connection" zu hören.

Kokain-Sicherstellungen in Deutschland:
JahrMenge
20091707 Kg
20103031 Kg
20111941 Kg
20121258 Kg
20131314 Kg
20141568 Kg
20153115 Kg
20161871 Kg
20178166 Kg
2018ca. 5000 Kg
2019mehr als 10.000 Kg

Kokaingeldwäschenetzwerke
Benedikt Strunz, NDR
20.11.2019 07:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. November 2019 u.a. um 06:20 Uhr und 07:38 Uhr.

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Volkmar Kabisch, NDR

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Jan Strozyk, NDR | Bildquelle: NDR/Christian Spielmann Logo NDR

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