500 Euro Geldscheine | Bildquelle: dpa

Meldungen von Banken Mehr Verdachtsfälle auf Geldwäsche

Stand: 06.06.2019 18:03 Uhr

Banken in Deutschland melden mehr Verdachtsfälle auf Geldwäsche, betroffen sind zunehmend Onlinebanken. Ein Problem ist offenbar, dass Banken ihren Pflichten nicht ausreichend nachkommen.

Von Lea Busch und Peter Hornung, NDR

Die Zahl der Geldwäsche-Verdachtsmeldungen ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Nach Informationen von NDR und "Süddeutscher Zeitung" erhielt die auf Geldwäsche spezialisierte Zolleinheit Financial Intelligence Unit (FIU) 2018 deutlich mehr als 70.000 solcher Meldungen. 2017 waren es noch 59.000, vor zehn Jahren lediglich 7300.

Recherchen beider Medien zufolge werden für die Geldwäsche vermehrt Konten von Onlinebanken genutzt. Diese Bankkonten werden oft von ahnungslosen Dritten eröffnet, von Kriminellen gekapert und verkauft.

Betreiber sogenannter Fake-Shops wickeln mit diesen Konten dann ihre illegalen Geschäfte im Internet ab und lassen eingenommenes Geld in dunklen Kanälen verschwinden. Alle Banken sind verpflichtet, einen Verdacht auf Geldwäsche zu melden und bei Auffälligkeiten Konten zu schließen.

Verdachtsmeldungen der Banken häufig unzureichend

Aufgrund der Vielzahl der Meldungen und weil die Täter schneller sind als die Banken, kommen Staatsanwaltschaften, Polizei und Zoll meist nicht hinterher. Die von den Banken abgegebenen Geldwäsche-Verdachtsmeldungen sind zudem offenbar häufig unzureichend. 

FIU-Chef Christof Schulte sagt: "Wie gut die FIU ihre Arbeit erfüllen kann, hängt auch wesentlich von der Qualität der Verdachtsmeldungen ab. Diese ist noch nicht bei allen Meldeverpflichteten gleichbleibend hoch, obwohl sie sich erkennbar Mühe geben."

Darüber hinaus gäben einige Banken zu viele Meldungen ab, die "nicht werthaltig" seien: "Oft sind die Verdachtsmeldungen mangelhaft ausgefüllt, weshalb wir nachhaken müssen", so Schulte. Die dafür aufgewendete Zeit fehle der FIU bei der Analyse und Verteilung der Fälle und verschaffe Betrügern tendenziell einen Vorsprung. Die Zolleinheit habe zwar bereits dreimal mehr Stellen als bisher, dennoch sei "die Arbeitsauslastung sehr hoch für all unsere Abteilungen", beklagt der FIU-Chef.

Banken reagieren nicht immer schnell genug

Zum Problem gehört zudem die teilweise ungenügende Kontrolle bei Banken. NDR und SZ hatten Mitte April beispielhaft über eine Liste mit mehr als 400 Konten bei der Berliner Onlinebank N26 berichtet, die mutmaßliche Betrüger zur Geldwäsche nutzten. Die Konten waren in vielen Fällen mehrere Wochen aktiv, bevor die Bank sie einfror und anschließend schloss.

Die Finanzaufsicht Bafin verlangt jedoch von Banken, solche Konten unverzüglich zu schließen, also unter Umständen binnen Stunden oder weniger Tage. N26 teilte mit, man setze nun zusätzliche Systeme ein, um Betrug und Geldwäsche zu verhindern. Darüber hinaus gehe man aktiv gegen Fake-Konten vor. Lediglich bei der Kommunikation mit Kunden sei man in der Vergangenheit zu langsam gewesen.

Kritik auch an Behörde

Die FIU ist die zentrale deutsche Institution, die Meldungen zu Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sammelt und auswertet. Sie war bis Sommer 2017 beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden angesiedelt und wurde dann von der Generalzolldirektion in Köln übernommen. Die Einheit war in der Vergangenheit Ziel heftiger Kritik, nachdem Recherchen unter anderem des NDR und der SZ im vergangenen Jahr aufgedeckt hatten, dass zehntausende Geldwäsche-Verdachtsmeldungen nur teilweise oder gar nicht bearbeitet worden waren.

Mehr Geldwäschefälle: Onlinebanken schuld
Lea Busch/Peter Hornung, NDR
07.06.2019 06:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Juni 2019 um 18:15 Uhr.

Korrespondent

Peter Hornung, NDR | Bildquelle: Klaus Westermann | NDR Logo NDR

Peter Hornung, NDR

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