Ein Pfleger kümmert sich um einen Patienten, der einem Intensivzimmer an einem Beatmungsgerät und einem Dialysegerät hängt.  | Bildquelle: dpa

Corona und medizinisches Personal Mit konsequenten Tests Ausbrüche eindämmen

Stand: 18.06.2020 16:01 Uhr

Nach wie vor testen nur wenige Krankenhäuser ihre Mitarbeiter großflächig auf Corona. Dabei zeigt eine Studie, dass Tests helfen, Ausbrüche schnell einzudämmen - und das Infektionsrisiko des Personals besonders hoch ist.

Von Peter Hornung, NDR

Es war am 3. April dieses Jahres: An diesem Tag wurde der erste Patient im Helios-Amper-Klinikum in Dachau positiv auf Corona getestet - und mit ihm gleich fünf Angehörige des Krankenhauspersonals. Sofort wurde das Krankenhaus geschlossen - und Michael Scherer, Chefarzt der Unfallchirurgie, kam eine Idee:

"Wir waren ja quasi das sicherste Krankenhaus in Deutschland - keiner durfte mehr rein oder raus und alle standen unter Quarantäne. Da habe ich gedacht, dass das eine ideale Laborbedingung sei, um zu sehen, ob tatsächlich funktioniert, was die Politiker fordern: Immer wieder testen und sozial distanzieren."

Es hat funktioniert: In mehreren Wellen, zunächst im engen Abstand von nur fünf Tagen, wurde in den Wochen danach getestet: Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal, Ergo- und Physiotherapeuten und auch Mitarbeiter der Verwaltung. Wer positiv war, musste sofort in Quarantäne, so Scherer: "Es sind immer weniger geworden, und der letzte überhaupt gefundene positive Mitarbeiter war Anfang Mai. Und danach war alles sauber, obwohl in der Bevölkerung weiter ein langsamer Anstieg war."

Krankenpfleger und -schwestern besonders gefährdet

Die Ansteckungsgefahr für medizinisches Personal ist zehn- bis 20 mal höher als in der Normalbevölkerung, besonders gefährdet sind Krankenschwestern und -pfleger.

Dies sei eine wichtige Erkenntnis dieser heute veröffentlichten Studie, sagt Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes, "weil der Faktor zehn bis 20 tatsächlich hoch ist. Und auch höher, als in den anderen Untersuchungen, die wir bisher vorliegen haben."

Solche Zahlen machten deutlich, dass Abwarten die falsche Strategie sei, sagt auch der Tumorchirurg Björn Brücher, einer der Autoren der Studie: "Daran zeigt sich, dass während der Pandemie nicht der normale bürokratische Weg einzuhalten ist und man zwei, drei Tage wartet. Würde man das in einem solchen Fall tun, entstehen Katastrophen."

Wenige Kliniken testen großangelegt

Nicht einfach warten, bis es irgendwo zu einem Ausbruch kommt, sondern frühzeitig testen: Das sei eine Bestätigung dessen, was der Marburger Bund schon seit langem fordere, so Johna vom Marburger Bund: "Mitarbeiter, die keine Symptome haben, einfach einer Routinetestung zu unterziehen, haben nur einige Kliniken gemacht."

Corona sei zunächst eine lautlose Gefahr - und genauso müsse man auch damit im Klinikbereich umgehen, sagt Chefarzt Scherer: "Über das Testen hinaus ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis, dass wir uns im Post-Corona-Zeitalter immer vorsichtiger verhalten werden müssen, weil es immer symptomlose Träger geben wird, die wieder neu anstecken können."

Bis Dienstag dieser Woche hatten sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts mehr als 13.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern und Arztpraxen infiziert.

Hohes Corona-Risiko für Pflegekräfte: neue Studie
Peter Hornung, NDR
18.06.2020 19:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Juni 2020 um 16:38 Uhr.

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