Eine Hand liegt auf einer Tastatur | Bildquelle: AFP

Corona-Soforthilfen Fake-Portal auch in Sachsen

Stand: 17.04.2020 20:03 Uhr

Kriminelle haben nun auch in Sachsen versucht, mit einem gefälschten Antragsportal an Corona-Soforthilfegelder zu kommen. Nach NDR-Informationen wurde die Fakeseite erneut in der Slowakei registriert.

Von Peter Hornung, NDR

Das Ganze sah einigermaßen professionell aus. Die Startseite war ganz ähnlich der des echten Förderportals der Sächsischen Aufbaubank (SAB). Wer sich registrierte, wurde aufgefordert, sein Konto über einen Link zu aktivieren- so wie man es als Internetnutzer kennt. Anschließend wurde man durch ein Menü geführt und aufgefordert, seine Daten einzugeben. Schließlich sollte man noch einen Scan seines Personalausweises hochladen, und nach zwei Minuten erhielt man eine Bestätigungs-E-Mail.

Man werde den Antrag "schnellstmöglich prüfen", hieß es darin, und dem Antragssteller "den Beschluss umgehend per E-Mail" mitteilen. Sie endete mit dem Satz: "Bitte vermeiden Sie es den Antrag erneut abzuschicken." Kein Wunder, denn die Betrüger selbst wollten den Antrag erneut abschicken - am echten SAB-Förderportal, aber mit ausgetauschtem Konto. Sie hofften so offenbar, Soforthilfe-Gelder in eigene Taschen umleiten zu können.

Ermittlungen unter anderem wegen Betruges

Die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen ermittelt nun in dem Fall unter anderem wegen Betruges und des Ausspähens von Daten, unterstützt vom sächsischen Landeskriminalamt. LKA-Sprecher Tom Bernhardt: "Wir haben bereits am gestrigen Nachmittag Kenntnis von dem Umstand erhalten, dass die Seite der SAB entsprechend abgefischt wurde. Wir haben daraufhin sofort erste Maßnahmen eingeleitet, die im konkreten Fall Datensicherung bedeutet."

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Das echte Antragsportal auf Corona-Hilfen des Landes Sachsen. Auf den ersten Blick ist es kaum...

Die Spur führt erneut in die Slowakei

Die Täter haben nach NDR-Informationen am 9. April bei einem Dienstleister im slowakischen Bratislava eine Internetadresse registrieren lassen, die ganz ähnlich klang wie die der SAB. Bei dieser Firma wurden schon Fakeseiten für die Corona-Hilfe in NRW und in Hamburg registriert. Die Anmeldedaten sind im Fall Sachsen scheinbar die eines Mannes aus dem Süden Baden-Württembergs.

Doch wenn man sie versucht zu überprüfen, sieht man, dass sie ganz offensichtlich nicht stimmen. Sie stammen vielmehr aus einer im Internet frei verfügbaren Liste falscher Namen und Adressen, aus der sich Kriminelle schon seit Jahren bedienen. Ihre Identität verschleiern sie mittels allerlei digitaler Tricks. Ein Problem für die Ermittler, denn sie haben in solchen Fällen kaum Ansatzpunkte. Ähnlich ist auch der Fall Hamburg: Auch hier wurden falsche Daten für die Anmeldung verwendet, bezahlt wurde offenbar in anonymer Kryptowährung.

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...vom Fake-Portal der Betrüger zu unterscheiden. Die Buttons zur Registrierung sind jedoch unterschiedlich.

Schadenshöhe noch unklar

Ob ein Schaden durch die mittlerweile bundesweiten Betrugsversuche entstanden ist und wie groß er sein könnte, ist noch unklar. In Sachsen und Hamburg wird das noch untersucht. Für Nordrhein-Westfalen nannte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart am Nachmittag die bisherige Zahl der Betroffenen, deren Daten mutmaßlich abgegriffen wurden. In Zusammenhang mit den Fakeseiten seien demnach 576 Anzeigen eingegangen. Allerdings sei noch "kein Fall bekannt, in dem Soforthilfe tatsächlich an Dritte geflossen ist", so Pinkwart.

Betrugsmasche auch in anderen Bundesländern?

Nach NDR-Recherchen gibt es Hinweise darauf, dass es in den nächsten Tagen weitere Betrugsversuche in anderen Bundesländern geben könnte. Die Ermittlungsbehörden jedenfalls sind alert und haben verdächtige Internetseiten im Auge, deren Name ähnlich derjenigen Seiten ist, auf denen sich die echten Anträge finden und die deshalb für solch einen Betrug besonders geeignet sind.

Anträge auf Soforthilfe können in Sachsen weiterhin gestellt werden, die Auszahlung wurde nach Angaben der Bank jedoch schon Donnerstagabend gestoppt. Die falsche Seite ist seit Freitagmorgen offline. In Hamburg und Nordrhein-Westfalen war wegen der Fakeseiten auch die Auszahlung der Soforthilfe gestoppt worden. Sie läuft jetzt aber wieder an.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 18. April 2020 um 23:10 Uhr.

Korrespondent

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