Online-Formular für Corona-Soforthilfen in NRW | Bildquelle: dpa

Corona-Soforthilfe Betrüger verschicken gefälschte Mails

Stand: 05.05.2020 18:55 Uhr

Nach Fake-Portalen bei der Corona-Soforthilfe haben Betrüger eine neue Masche entwickelt. Sie verschickten bundesweit gefälschte E-Mails. Landesbehörden warnen, Daten nicht leichtfertig herzugeben.

Von Peter Hornung, NDR

Nach einer bundesweiten Phishing-Attacke warnen Landesbehörden Empfänger von Corona-Soforthilfen, bei angeblichen Behörden-Mails genau hinzuschauen und ihre Daten nicht leichtfertig weiterzugeben. Für die Betrugsversuche wurden nach NDR-Informationen in den vergangenen Tagen reihenweise falsche Internetadressen registriert. Die Attacke zeigt, wie Betrüger angesichts der derzeit ausgeschütteten Corona-Milliarden immer neue Ideen entwickeln, um Geld in ihre Taschen umzulenken.

Wer ohnehin schon ein schlechtes Gewissen hatte, der konnte sich angesprochen fühlen: "Sie werden hiermit nochmals belehrt", heißt es in den seit Montag deutschlandweit von scheinbar offiziellen Absendern verschickten E-Mails, "dass entscheidungserhebliche Falschangaben im Rahmen Ihres Antrags auf den Corona-Zuschuss mehrere Straftatbestände erfüllen, die mit Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden können".

Drohkulisse aufgebaut

Die Absender dieser gefälschten Nachrichten machen sich zunutze, dass in den vergangenen Wochen viele Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen im Rahmen der Corona-Soforthilfe schnell viel Geld bekommen haben, manche von ihnen möglicherweise zu viel. "Es wurde aus unserer Sicht eine Art Drohkulisse aufgebaut", sagt Alexander Hahn, Leiter des Cybercrime-Dezernats beim Landeskriminalamt Schleswig-Holstein.

Wer aus welchen Gründen auch immer falsche Angaben gemacht habe, solle dazu gebracht werden, ein Formular auszufüllen und an die gefälschte E-Mail-Adresse zu schicken. Zunächst gehe es den Tätern also offenbar um Daten, nicht um Geld, so Hahn. Die Frage sei: "Was passiert dann, wenn jemand geantwortet hat. Wir vermuten, dass er dann eine E-Mail bekommt, in der steht: 'Sie möchten Geld zurückzahlen? Das können Sie gerne machen. Wir haben hier eine Kontoverbindung für Sie und weil Sie so ehrlich waren, müssen Sie nur 50 Prozent zurückzuzahlen.'" Das Geld könnte so auf die Konten der Täter umgeleitet. Das sei ein denkbares Szenario.

Screenshot Corona Soforthilfe des Bundes | Bildquelle: Screenshot Corona Soforthilfe des Bundes
galerie

Die gefälschten E-Mails erwecken den Eindruck, von einer amtlichen behörde zu kommen.

Internetadressen in den USA und Russland angemeldet

Nach NDR-Recherchen wurden seit vergangener Woche Internetadressen bei Dienstleistern in den Vereinigten Staaten und Russland angemeldet, die denen von Behörden und Banken in 13 Bundesländern ähnlich waren. Die Adressen hatten immer dasselbe Schema. Es wurde ein ".com" an die offiziellen Seitennamen ("Domains") angehängt. So sahen auch die mit diesen Domains verbundenen E-Mail-Adressen amtlich aus, waren es aber nicht.

Seit Montagmorgen meldeten sich dann zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, von denen nicht wenige gar keine Corona-Soforthilfe bezogen hatten. Die wunderten sich natürlich, warum auch sie solche E-Mails bekommen hatten. Die Erklärung: Offenbar hatten die Betrüger ihre Nachrichten relativ wahllos verschickt und hofften, so möglichst viele Betroffene zu erreichen.

Berlin hat frühzeitig reagiert

Bemerkenswert ist, dass Berlin nach bisherigem Stand von den gefälschten Mails verschont geblieben ist. Offenbar hatte man hier besser aufgepasst. Die am 30. April in den USA registrierte Internetadresse "ibb.de.com" ist im Zuge von Sicherheitschecks der für die Auszahlung der Corona-Soforthilfen zuständigen Investitionsbank Berlin (IBB) schnell aufgefallen. "Als klar war, dass dahinter eine schlechte Absicht stecken könnte, haben wir sie abschalten lassen", sagt IBB-Sprecher Jens Holtkamp. Deshalb konnten von dieser Adresse auch keine betrügerischen E-Mails verschickt werden. Die echte Internetadresse der Bank lautet "ibb.de".

Die Masche mit den E-Mails zeigt: Das viele Geld, das in diesen Wochen ausgeschüttet wird, lässt Betrüger auf immer neue Ideen kommen. "Das ist wirklich ganz ärgerlich und erschreckend, in welcher Form hier Betrügerinnen und Betrüger versuchen, die Soforthilfe für sich zu nutzen, zu erbeuten", sagt Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel.

Noch keine nennenswerte Schäden bekannt

Man habe jedoch von Anfang an im Blick gehabt, dass es bei digitalen Verfahren eben solche Betrugsversuche geben könne. "Das hätte man nur umgehen können, wenn man ein vollständig analoges Verfahren gewählt hätte", meint der SPD-Politiker. Das wäre aber keine Soforthilfe gewesen, "sondern dann wären vermutlich Auszahlungen irgendwann im Sommer erfolgt, wenn womöglich schon viele Kleinstunternehmen pleite gegangen wären".

Immerhin: Berichte über nennenswerte Schäden bundesweit durch diese Art von Cyber-Betrug gibt es bislang noch nicht. Lediglich in Nordrhein-Westfalen war es Betrügern nach Behördenangaben gelungen, mittels Fake-Seiten Soforthilfe-Zahlungen in Höhe von 34.000 Euro auf eigene Konten umzuleiten.

Corona-Soforthilfe: Bundesweite Phishing-Attacke
Peter Hornung, NDR
05.05.2020 17:50 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Mai 2020 um 23:36 Uhr.

Autor

Peter Hornung, NDR Logo NDR

Peter Hornung, NDR

@ph_reporterpool bei Twitter
Darstellung: