Kampf um Ras al-Ain | Bildquelle: AP

Kampf gegen Kurden in Syrien Islamisten an der Seite der Türkei

Stand: 01.11.2019 18:00 Uhr

Der Bundesregierung liegen nach Informationen von NDR und WDR Erkenntnisse vor, dass islamistische Milizen an der Seite der Türkei in Syrien kämpfen. Diese werden für massive Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht.

Von Volkmar Kabisch, Reiko Pinkert und Andreas Spinrath, NDR/WDR

Nach Informationen von NDR und WDR hat nun auch die Bundesregierung eigene Erkenntnisse, laut denen islamistische Gruppen an der Seite der Türkei gegen die Kurden in Nordsyrien kämpfen. Bisher hatte es lediglich Berichte von Medien und Beobachtern gegeben. Bei der Operation "Friedensquelle" bilden sie Beobachtern zufolge den Hauptteil der eingesetzten Militärs am Boden und werden für Menschenrechtsverletzungen und mutmaßliche Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht.

Vorgehen der Türkei bisher ohne Konsequenzen

Dass der NATO-Partner und enge Verbündete Türkei nun Islamisten in einem aus deutscher Sicht "völkerrechtswidrigen" Krieg einsetzt, ist politisch heikel. Aus dem Auswärtigen Amt heißt es auf Anfrage, man habe Berichte zu mutmaßlichen Völkerrechtsverletzungen "mit großer Sorge zur Kenntnis genommen". Außerdem verurteile das Auswärtige Amt "solche Taten aufs Schärfste".

Syrischer Kämpfer | Bildquelle: AP
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Syrische Milizen und türkische Soldaten unterstützen sich gegenseitig.

Die Frage, ob sich aus der Kooperation der Türkei mit solchen Kriegsparteien, Konsequenzen für die Zusammenarbeit im Rahmen der NATO oder in den EU-Beitrittsverhandlungen ergebe, ließ die Regierung unbeantwortet.

Unterstützung für salafistische Kämpfer

Aus deutschen Regierungskreisen heißt es, es seien fünf islamistische Milizen an der Offensive beteiligt - darunter Furqat Sultan Murad, Ahrar al Sharqiya und Failaq al Sham. Der Nahostexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Guido Steinberg, nennt diese Gruppen gegenüber NDR und WDR "überwiegend salafistisch-islamistisch". Bis zum Jahr 2016 seien sie im Kampf in Syrien von der türkischen Regierung unterstützt worden und kämpften seither an der Seite des NATO-Staates.

Türkische Medien berichteten in Liveübertragungen von der südlichen Grenze mit Syrien und zeigten eben jene islamistische Gruppen, die schwer bewaffnet über türkisches Territorium zu ihrem Einsatzort fuhren.

Seit dem 9. Oktober führt die Türkei eine Offensive in Nordsyrien gegen die Kurdenmiliz YPG und beabsichtigt eine "Sicherheitszone" einzurichten. Durch den Abzug amerikanischer Truppen aus dem Gebiet hatte US-Präsident Donald Trump den Weg für die Offensive frei gemacht. Seither sind Tausende Zivilisten auf der Flucht. 

Islamistische Milizen kämpfen an der Seite der Türkei
Benedikt Strunz, NDR
01.11.2019 18:16 Uhr

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