Eingang der HSH Nordbank | REUTERS
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Cum-Ex-Skandal Razzia bei früherer HSH Nordbank

Stand: 06.07.2021 16:16 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Köln durchsucht nach Informationen von WDR, NDR und SZ Geschäftsräume der einst staatlichen Landesbank. Damit schalten sich die Kölner Fahnder in die Cum-Ex-Ermittlung ein.

Von Massimo Bognanni, WDR

Wegen ihrer mutmaßlichen Verwicklung in den wohl größten Steuerskandal der deutschen Geschichte ist nun auch die HSH Nordbank ins Visier der Kölner Staatsanwaltschaft geraten. Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) zufolge wurden die Ermittler aus Nordrhein-Westfalen heute Vormittag bei der Rechtsnachfolgerin der früheren staatlichen Landesbank mit einem Durchsuchungsbeschluss vorstellig. Die Razzia in Hamburg dauert an.

Massimo Bognanni

Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte die Durchsuchung der Bank auf Nachfrage von WDR, NDR und SZ ebenso wie das Geldhaus selbst. Während sich die Strafverfolger nicht zu Einzelheiten äußern wollten, betonte eine Sprecherin der inzwischen privatisierten Hamburg Commercial Bank AG: "Die Durchsuchung richtet sich nicht unmittelbar gegen die Bank, sondern diese wird als Dritte durchsucht."

Bei einer solchen Durchsuchung wähnen die Fahnder nicht die Beschuldigten selbst am Ort der Razzia, vermuten aber, dass Beschuldigte Spuren an dem Ort hinterlassen haben. Im Fall der HSH Nordbank geht es offenbar darum, Spuren zu finden, die ehemalige Manager der Bank an ihrem früheren Arbeitsplatz hinterlassen haben. Solche Spuren könnten E-Mails auf Servern, Unterlagen in Aktenordnern sein. Die Bank betont, vollumfänglich mit den Behörden zu kooperieren.

Zur Erinnerung: Die Bank hat den Sachverhalt bereits in 2013/2014 selbst durch eine externe Rechtsanwaltskanzlei aufklären lassen und seinerzeit der Staatsanwaltschaft Hamburg und den Finanzbehörden angezeigt. Die erstattete Steuer ist vollständig zurückgezahlt. Auch der Staatsanwaltschaft Köln wurde der Bericht der externen Kanzlei nach Übernahme der Ermittlungen übermittelt.

HSH Nordbank zahlte 126 Millionen Euro zurück

Tatsächlich hatte die HSH Nordbank im Februar 2014 nach eigener Prüfung des Sachverhalts bereits finanzielle Abbitte geleistet. Das Geldhaus zahlte rund 126 Millionen Euro zurück, die sie womöglich durch Cum-Ex-Geschäfte erlangt hatte: Jene komplexen Finanzgeschäfte, bei denen sich Aktienhändler, Steueranwälte Berater und womöglich auch Landesbanker Steuern erstatten ließen, die zuvor niemand bezahlt hatte.

Besonders pikant: Im Zuge der Finanzkrise musste die HSH Nordbank im Jahr 2009 mit rund drei Milliarden Euro an Steuergeld gerettet werden. Womöglich griffen die Landesbanker trotzdem zur gleichen Zeit mit Cum-Ex-Geschäften in die Staatskasse. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Bank wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Juli 2021 um 17:00 Uhr.