Ein Soldat hält eine Panzerfaust. (Archivbild: 14.10.2016) | picture alliance / Sebastian Gol
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Wegen des Kriegs in der Ukraine Panzerfaustmunition bei Bundeswehr knapp

Stand: 01.04.2022 17:47 Uhr

Die Bundesregierung unterstützt die Ukraine im Krieg gegen Russland mit Panzerabwehrwaffen. Nun werden nach Informationen von NDR und WDR die eigenen Munitionsbestände für Panzerfäuste knapp. Jetzt soll nachgeordert werden.

Reiko Pinkert, NDR, und Martin Kaul, WDR

Weil die Bundesregierung die Ukraine mit Panzerabwehrwaffen unterstützt, sind nach Informationen von NDR und WDR die eigenen Bestände der Bundeswehr nicht hinreichend gefüllt. Nun will die Bundesregierung zügig nachrüsten und für 21 Millionen Euro rund 3.500 neue Patronen für die "Panzerfaust 3" bestellen.

Martin Kaul

Die Regierung befürchtet, aufgrund des Krieges in der Ukraine und der veränderten Sicherheitslage, ansonsten nicht mehr über genügend entsprechende Munition zu verfügen. Auch fürchtet sie mögliche Lieferengpässe im Rüstungsbereich.

"Unterschreiten des Mindestbestandes"

Das geht aus einem vertraulichen Regierungsschreiben hervor, das NDR und WDR einsehen konnten. Demnach soll möglichst zeitnah weitere Munition für die Panzerfäuste geordert werden. "Das Unterschreiten des Mindestbestandes an Patronen und die damit einhergehende Gefährdung einer effektiven Landes- und Bündnisverteidigung im Bereich Panzerabwehr", so heißt es in dem Papier, gefährde "das sicherheitspolitische Interesse bis der Bestand nicht zumindest auf das erforderliche Mindestmaß aufgefüllt ist."

Weiter heißt es in dem Papier, eine "effektive Landes- und Bündnisverteidigung erfordert, dass die Bundeswehr in der Lage ist, gepanzerte feindliche Kräfte, auch in großer Zahl, wirksam bekämpfen zu können, um so das Staatsgebiet und die Bevölkerung zu schützen."

Regierung befürchtet mögliche Lieferengpässe

Dabei muss es laut Bundesregierung zügig gehen: Weil die Munition nicht vorrätig ist und erst nach der Auftragsvergabe hergestellt wird, befürchtet die Bundeswehr mögliche Lieferengpässe. Diese könnten vor dem Hintergrund von Sanktionen und Embargos entstehen, auch weil die Rüstungshersteller selbst auf Zulieferungen angewiesen seien. Auf Anfrage teilte das Bundesverteidigungsministerium mit, Informationen zu Lieferungen an die Ukraine und zu den Beständen in den Depots sind aus Sicherheitsgründen eingestuft. Daher könne sich das Ministerium zu dem Vorgang nicht äußern.

Einfach einsetzbare Panzerfaust

Bei der "Panzerfaust 3" handelt es sich um eine Panzerabwehrwaffe, mit der Soldaten gegen Panzer oder Bunker vorgehen können. Weil für die Waffe keine aufwendige Ausbildung nötig ist und sie etwa auch aus geschlossenen Räumen abgefeuert werden kann, ist sie zur Unterstützung der Ukraine gut geeignet, zum Beispiel zur Abwehr von Panzern, die in Städte vordringen.

Deutschland hatte zur Unterstützung der Ukraine bereits unterschiedliche Waffen in das Land geliefert und bereitet derzeit neue Waffen- und Materiallieferungen vor. Unter anderem handelte es sich dabei etwa um Luftabwehrraketen, Maschinengewehre und auch Panzerfäuste. In dieser Woche war bekannt geworden, dass weitere 2.000 Panzerfäuste aus Deutschland an die Ukraine geliefert werden sollen.