Logo der Pandora Papers | ICIJ
Exklusiv

"Pandora Papers" Wie Politiker ihr Geld verstecken

Stand: 03.10.2021 18:30 Uhr

Ein riesiges Datenleck enthüllt die Geschäfte Hunderter Politiker und Amtsträger mit Briefkastenfirmen weltweit. In den 11,9 Millionen vertraulichen Dokumenten finden sich neben Regierungsvertretern auch Oligarchen, Kriminelle und Prominente.

Von Petra Blum, Andreas Braun, WDR, Lena Gürtler, Nils Naber, Anna Klühspies, Timo Robben, Han Park, Benedikt Strunz, Zita Zengerling, NDR

Zahlreiche Minister sowie Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt verstecken ihr Geld in Steueroasen. Das geht aus einem riesigen Datenleck hervor, das Journalistinnen und Journalisten auf der ganzen Welt über Monate hinweg ausgewertet haben. Die Daten geben Aufschluss über die Offshore-Geschäfte von mehr als 330 Politikern und Amtsträgern aus 91 Ländern, darunter 35 amtierende und ehemalige Staats- und Regierungschefs.

Der Datensatz trägt den Namen "Pandora Papers" und umfasst rund 11,9 Millionen vertrauliche Dokumente. Er wurde dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalistinnen und Journalisten (ICIJ) von einer anonymen Quelle zugespielt und von mehr als 600 Journalistinnen und Journalisten auf der ganzen Welt ausgewertet.

Familie Blair erwarb Millionen-Immobilie

Die Daten zeigen, wie Politiker und Superreiche Offshore-Strukturen nutzen, wohl auch um ihren Besitz vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Darunter ist der amtierende Premierminister Tschechiens, Andrej Babis, der über ein kompliziertes Firmengeflecht ein Herrenhaus in Frankreich erworben hat. Babis wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Auch der König von Jordanien, Abdullah II., soll über Steueroasen 14 Immobilien in Großbritannien und in den USA erworben haben. Auf Nachfrage erklärte ein Anwalt, die meisten der Briefkastenfirmen existierten nicht mehr, zudem gehörten nicht alle Immobilien dem König.

Neben den amtierenden Präsidenten der Ukraine, von Kenia und Ecuador tauchen in den Daten auch der ehemalige britische Premierminister Tony Blair und seine Frau auf. Demnach erwarben die Blairs im Jahr 2017 über den Kauf einer Briefkastenfirma eine Immobilie in London im Wert von 7,5 Millionen Euro. Die Daten legen den Verdacht nahe, dass die Blairs durch die besondere rechtliche Konstruktion des Deals mehr als 300.000 Euro Grunderwerbssteuer sparten. Cherie Blair erklärte auf Nachfrage, dass ihr Mann nicht in den Kauf eingebunden war. Ziel der Transaktion sei es gewesen, die Immobilie durch den Kauf wieder unter britische Steuerverwaltung zu bringen.

Größtes Datenleck zu Schattenfinanzplätzen

Der Datensatz der "Pandora Papers" ist rund 2,94 Terabyte groß. Die Dokumente stammen von insgesamt 14 Offshore-Dienstleistern überwiegend aus den Jahren 1996 bis 2021. Die "Pandora Papers" sind damit das größte Datenleck zu Geschäften an Schattenfinanzplätzen.

In den vertraulichen Dokumenten finden sich neben prominenten Spitzensportlern und Firmenvorständen auch Schwerverbrecher. So zeigen die Daten, wie Mafiosi Briefkastenfirmen nutzen, um ihren Besitz zu verschleiern und anonym zu bleiben. Organisierte Betrugsnetzwerke bauen weit verzweigte Firmennetzwerke auf, um Kunden um ihr Vermögen zu bringen.

Vertraute Putins in den Dokumenten

In den "Pandora Papers" tauchen zudem mehr als 130 Milliardäre auf, darunter mehr als 40 russische Oligarchen. Die Dokumente zeigen auch, wie etliche mutmaßliche Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin ihr Vermögen in Steueroasen angelegt haben und mithilfe undurchsichtiger Firmenkonstruktionen verschleiern. Während Putin das Offshore-System seit 2011 immer wieder als "unpatriotisch" geißelt, haben etliche seiner Vertrauten genau dort investiert.

An den "Pandora Papers"-Recherchen waren Journalistinnen und Journalisten von 150 Medienorganisationen aus 117 Ländern beteiligt. Zu den Partnermedien zählen unter anderem die "Washington Post", der "Guardian", der "Indian Express", "Le Monde" und "Aftenposten". In Deutschland waren Reporterinnen und Reporter von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" beteiligt. Die Ergebnisse der Recherche werden seit Sonntagabend weltweit veröffentlicht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Oktober 2021 um 19:00 Uhr.