Das "City Hostel" auf dem Gelände der nordkoreanischen Botschaft in Berlin | Bildquelle: dpa

Botschaftsgelände Nordkoreas Besuch vom Ordnungsamt

Stand: 23.03.2020 13:08 Uhr

Trotz der Verbote wegen der Corona-Krise war das Cityhostel auf dem Gelände der Botschaft Nordkoreas zunächst noch geöffnet. Ein nordkoreanischer Diplomat hatte offenbar interveniert.

Von Florian Flade, WDR, und Georg Mascolo, WDR/ NDR

Die Webseite des "Cityhostel-Berlin" ist noch online. "Wir bieten unseren Gästen einen perfekten Ausgangspunkt für jede Berlinreise", heißt es dort. "Denn unser Hostel liegt direkt im historischen Stadtkern Berlins."

Tatsächlich liegt die Herberge, die mit besonders "günstigen Preisen" wirbt, nicht nur im historischen Stadtkern Berlins - sie liegt auf dem Gelände der nordkoreanischen Botschaft. Damit verstoßen die Betreiber des Cityhostels nach Ansicht des Berliner Verwaltungsgerichts gegen bestehende UN-Sanktionen gegen Nordkorea, die jegliche Immobiliengeschäfte mit dem Regime in Pjöngjang verbieten. So soll verhindert werden, dass Nordkorea sein Atomwaffen- und Raketenprogramm mit ausländischen Devisen finanziert.

Seit Monaten gibt es nun Streit um das Hostel auf dem Gelände der Nordkorea-Botschaft. Eigentlich hätte die Unterkunft längst geschlossen sein soll. Tatsächlich aber war das Cityhostel nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) in der vergangenen Woche noch in Betrieb - ein nordkoreanischer Diplomat soll zudem die Schließung des Hostels durch die Berliner Behörden kurzfristig verhindert haben.

Das Bezirksamt Berlin-Mitte hatte im Februar eine umgehende Schließung des Cityhostels angeordnet und Bußgelder angedroht. Die Behörden hatten sich allerdings auch deshalb gegen einen sofortigen Vollzug entschieden, weil sich durch die Corona-Krise die Sachlage geändert habe.

Alle touristischen Übernachtungen verboten

Am 18. März erließ der Berliner Senat jedoch eine neue Verordnung zur "Eindämmung des Coronavirus", mit der auch "touristische Übernachtungen" in Hotels oder ähnlichen Beherbergungen der Stadt verboten wurden. Das Ordnungsamt kündigte an, die neue Maßnahmen streng zu kontrollieren.

Und so fuhren in der vergangenen Wochen Mitarbeiter des Ordnungsamtes, unterstützt durch die Polizei, auch beim Cityhostel vorbei. Dabei stellten sie fest, dass das Hostel offensichtlich geöffnet und in Betrieb war. Es wurde entschieden, die Unterkunft umgehend zu schließen.

Angeblicher Botschafter verweigerte Schließung

Dann aber soll ein Mann erschienen sein, der sich als nordkoreanischer Botschafter vorstellte, und die Schließung des Hostels verweigerte. Im Auswärtigen Amt vermutet man, dass es sich bei dem Diplomaten nicht um den Botschafter, sondern vielmehr um den zweiten Mann der Botschaft, den Gesandten, gehandelt haben könnte.

Da sich das Hostel auf einem durch diplomatische Übereinkommen geschütztem Gelände befindet, konnte die Berliner Polizei die Schließung formal nicht durchsetzen. Mittlerweile aber soll das Hostel seinen Betrieb eingestellt haben - die Betreiber hatten sich dazu wohl freiwillig dazu bereiterklärt.

Im Auswärtigen Amt ist man empört über das Vorgehen Nordkoreas. Das Land hatte gegenüber deutschen Diplomaten in der Vergangenheit versichert, man strebe ebenfalls eine Schließung des Hostels an und habe den Betreibern bereits den Mietvertrag gekündigt. Der Betreiber des City-Hostels reagierte nicht auf eine Anfrage. Die Botschaft Nordkoreas war nicht erreichbar.

Autoren

Florian Flade, WDR Logo WDR

Florian Flade, WDR

Autoren

Georg Mascolo | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon Logo NDR/WDR

Georg Mascolo, NDR/WDR

Darstellung: