James Robert Liang | Bildquelle: AP

Rückkehr aus US-Haft Ex-VW-Manager wieder in Deutschland

Stand: 20.11.2019 15:08 Uhr

Er hatte sich im VW-Abgasskandal als Kronzeuge zur Verfügung - der in den USA verurteilte Ex-Manager Liang. Nun ist er nach Deutschland überstellt worden und könnte bald freikommen.

Von Christine Adelhardt, Stefanie Dodt, Peter Hornung und Stephan Wels, NDR

Der in den USA inhaftierte ehemalige VW-Manager James Liang ist nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" nach Deutschland überstellt worden. Er war demnach am Montag in New York von zwei LKA-Beamten abgeholt worden und ist Dienstag früh in Frankfurt gelandet.

Liang war im Juli 2017 in den USA zu 40 Monaten Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 200.000 US-Dollar verurteilt worden. Er hatte sich den US-Ermittlern als Kronzeuge zur Verfügung gestellt und eine Mitschuld am Dieselskandal eingeräumt. Nun soll der Ingenieur seine Reststrafe in der Nähe von Hannover absitzen. Sein Anwalt, Gero von Pelchrzim, sagte, er hoffe, dass das letzte Drittel der Strafe für seinen Mandanten ausgesetzt werde. Damit könnte Liang bereits im Dezember freikommen. Allerdings wird auch in Deutschland gegen ihn wegen der Abgasaffäre ein Betrugsverfahren geführt.

Weitere Ex-Manager vor Anklage

Unterdessen bereitet die Staatsanwaltschaft Braunschweig offenbar Anklagen gegen sechs weitere frühere VW-Manager vor. Es handelt sich um hochrangige Ingenieure und Softwareentwickler, die ebenfalls in den Abgasbetrug verwickelt gewesen sein sollen.

Den Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" zufolge hat das Landeskriminalamt Niedersachsen seine Ermittlungen gegen die Manager abgeschlossen. Die in den Abschlussberichten erhobenen Vorwürfe und die Beweisführung sind demnach nahezu deckungsgleich mit der Argumentation der Strafverfolger in den bereits angeklagten Fällen - unter ihnen auch der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn.

Allerdings deutet derzeit vieles darauf hin, dass sich eine Prozesseröffnung weiter verzögern könnte. Das zuständige Landgericht Braunschweig kritisierte bereits mehrfach die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und zog wichtige Inhalte in den Anklageschriften in Zweifel.

Der Streit um die Zahl

Nun geht es um die Frage, ob die Angeklagten möglicherweise auch persönlich finanziell profitiert haben - in Form von Bonuszahlungen. Den Recherchen zufolge ist das Gericht der Auffassung, dass hierzu die bisherigen Ermittlungsergebnisse "nicht hinreichend aussagekräftig" seien.

Außerdem ist weiterhin unklar, wie viele Autos von dem Betrug insgesamt betroffen waren. Laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen es weltweit mehr als neun Millionen Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Porsche, Seat und Skoda gewesen sein. Doch das Gericht hatte diese Zahl bereits vor einigen Wochen angezweifelt und ein neues Gutachten gefordert.

Ist das KBA parteiisch?

Dieses will nun offenbar das Kraftfahrtbundesamt (KBA) gemeinsam mit einer Universität erstellen. Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" erklärte die Behörde, dass außer ihr niemand dazu in der Lage sei.

Gegen dieses Vorhaben meldeten demnach jedoch mehrere Verteidiger der angeklagten VW-Manager Bedenken an. Ihrer Ansicht nach ist das Amt für ein solches Gutachten weder ausreichend kompetent, noch sei es unparteiisch. Die Anwälte werfen dem KBA vor, sich in der Vergangenheit deutlich gegen VW positioniert zu haben. Deshalb sei klar, dass es einen solchen Auftrag nicht unvoreingenommen erfüllen könne.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. November 2019 um 16:45 Uhr.

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