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Exklusiv

Generalbundesanwalt Verfahren wegen Hackerattacken

Stand: 09.09.2021 16:19 Uhr

Seit Monaten verschicken Hacker gefälschte E-Mails an deutsche Politiker. Für die Cyberangriffe macht die Bundesregierung Russland verantwortlich. Jetzt ermittelt offiziell der Generalbundesanwalt.

Von Florian Flade, WDR, und Hakan Tanriverdi, BR

Einige der E-Mails sehen täuschend echt aus. Als kämen sie von T-Online oder GMX. Mit ihnen wollen die Hacker Passwörter und Zugangsdaten abgreifen und sich so Zugang zu E-Mail-Postfächern ihrer Opfer verschaffen.

Zahlreiche deutsche Politiker, mehrheitlich Abgeordnete aus Landtagen, aber auch Bundestagsabgeordnete, haben solche E-Mails in den vergangenen Monaten bekommen. Deutsche Sicherheitsbehörden sind sich sicher, dass hinter dieser Angriffswelle keine Cyberkriminellen stecken. Sie vermuten, dass es sich um eine Spionageaktion des russischen Militärgeheimdienstes GRU handelt. Die E-Mail-Flut soll Teil einer Cyberangriffskampagne sein, die "Ghostwriter" genannt wird und die bereits in anderen europäischen Ländern wie Polen oder Litauen aufgetaucht ist.

Nach Informationen von WDR und BR hat der Generalbundesanwalt nun in diesem Fall ein Ermittlungsverfahren wegen der "Ghostwriter"-Angriffe eingeleitet. Der Verdacht ist, dass es sich um Hackerangriffe handelt, für die eine "fremde Macht", in diesem Fall Russland, verantwortlich gemacht wird. Zuerst berichtete der "Spiegel" darüber.

"Der Bundesregierung liegen verlässliche Erkenntnisse vor, aufgrund derer die 'Ghostwriter'-Aktivitäten Cyberakteuren des russischen Staates und konkret dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugeordnet werden können", teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes Anfang der Woche mit. Das Vorgehen sei inakzeptabel, erklärte die Sprecherin weiter.

Bei einem Gespräch zwischen Staatssekretär Miguel Berger und einem stellvertretenden russischen Außenminister sei die "Ghostwriter"-Operation besprochen worden. "Die Bundesregierung fordert die russische Regierung mit allem Nachdruck auf, diese unzulässigen Cyberaktivitäten mit sofortiger Wirkung einzustellen", so die Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Die russische Reaktion sei, so berichten es übereinstimmend zwei Personen den Reportern von WDR und BR, aus deutscher Sicht nicht zufriedenstellend ausgefallen. Zuvor, Ende August, habe die "Intensität" der "Ghostwriter"-Kampagne noch einmal stark zugenommen, sprich: Es wurden wohl sehr viele Phishing-Mails verschickt. Einige waren wohl erfolgreich, die E-Mail-Konten wurden also kompromittiert, das heißt: Die Hacker haben Zugriff auf die Inhalte bekommen.

Wiederholt hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) seine Erkenntnisse zu der "Ghostwriter"-Kampagne zusammengetragen und schließlich den Staatsanwälten beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe ein Behördenzeugnis vorgelegt. Daraus solle hervorgehen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit um Angriffe des russischen Militärgeheimdienstes GRU geht, um Informationen über deutsche Politiker zu sammeln und die Opfer möglicherweise zu diskreditieren.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. September 2021 um 18:45 Uhr.

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