Passanten stehen in der Münchener Innenstadt vor einer Corona-Teststation und fotografieren (Archivbild). | dpa
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Kostenpflichtige Schnelltests Behörden fürchten Zunahme von Fälschungen

Stand: 05.10.2021 18:00 Uhr

Von der kommenden Woche an sind Corona-Schnelltests nicht mehr kostenlos. Gesundheitsbehörden rechnen deshalb mit Betrugsversuchen. Denn die Testzertifikate lassen sich sehr einfach fälschen.

Von Linus Freymark, Paula Lechtenbörger und Leonard Scharfenberg, NDR/WDR

Noch immer ist ein Drittel der deutschen Bevölkerung nicht vollständig geimpft. Um Veranstaltungen zu besuchen oder ins Restaurant zu gehen, nutzen sie Corona-Schnelltests. Doch vom 11. Oktober an werden die Kosten dafür nur noch in Ausnahmefällen vom Staat übernommen. Mehrere große Test-Anbieter rechnen dann mit Preisen zwischen 12 und 25 Euro pro Test. Wenn man selber zahlen muss, steigen auch die Anreize, die Testnachweise zu fälschen, vermuten Gesundheitsbehörden.

Testergebnisse bislang kaum fälschungssicher

Viele Testergebnisse werden bisher als PDF-Dateien ausgestellt. Das Format ist nicht sehr fälschungssicher. Denn PDFs lassen sich mit wenig Aufwand so umwandeln, dass man eigenhändig das Ausstelldatum, den Namen oder sogar das Testergebnis verändern kann.

Einigen kommunalen Gesundheitsbehörden ist das Problem bewusst. Aus dem Münchner Gesundheitsreferat ist etwa zu hören, die zahlungspflichtigen Tests könnten in Zukunft "zu vermehrten Betrugsfällen führen". Auch das Bayerische Gesundheitsministerium teilt mit, dass man die Situation genau beobachte und die Problematik gegebenenfalls auch im Bund ansprechen werde. Zuständig für die Regelung der Schnelltests ist das Bundesgesundheitsministerium.

Das von Jens Spahn (CDU) geführte Ressort hält sich auf Anfrage von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) bedeckt. Mittlerweile würden immer mehr Schnelltestergebnisse über die Cov-Pass-App und die Corona-Warn-App ausgegeben, heißt es aus dem Ministerium. Manipulationen seien hier sehr viel schwerer möglich. Mit den Apps existiere "ein wirksames Instrument, die Gültigkeit von digitalen Testzertifikaten zu überprüfen".

Test-Kunden können selbst entscheiden

Bei den meisten Teststellen können sich die Kunden allerdings selbst entscheiden, in welchem Format sie ihren Nachweis erhalten wollen. PDF-Dateien sind fast überall eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit, die auch ausdrücklich in der Schutzmaßnahmen-Ausnahmeverordnung der Bundesregierung vorgesehen ist.

Ein Grund dafür: Nicht jeder hat ein Smartphone und nicht jeder will sich einer der beiden empfohlenen Corona-Apps herunterladen. Mit den PDF-Zertifikaten ermögliche man also gesellschaftliche Teilhabe, erklärt eine Sprecherin des Bayerischen Gesundheitsministeriums. Allerdings würden solche Papier- und PDF-Formulare immer ein "Fälschungspotenzial" bergen.

Grüne wollen Regeländerung

Die Grünen fordern deshalb, die Regelungen zu ändern. Ergebnisse sollen nur noch über die Apps oder mit einem fälschungssicheren QR-Code ausgestellt werden dürfen. "Mit einer bloßen Bescheinigung wird dem Betrug Tür und Tor geöffnet", sagt die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen, Kordula Schulz-Asche. Durch das Ende der Kostenübernahme, drohe hier eine "große Gefahr". Spätestens seit dem Beschluss, die Tests kostenpflichtig zu machen, bestehe Handlungsbedarf. Auch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Erwin Rüddel (CDU), mahnt an, man müsse dem Betrug "zügig einen Riegel vorschieben". Wer fälscht, würde schließlich Menschen gefährden, die sich durch das Zertifikat in Sicherheit wiegen.

Für das Fälschen eines Testnachweises drohen hohe Strafen - in besonders schweren Fällen der Urkundenfälschung sogar Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren. Das könnte potenzielle Täter zwar einerseits abhalten. Andererseits ist die Gefahr, dass der Betrug auffliegt, vergleichsweise gering, da die Manipulationen kaum zu erkennen sind. Die Kontrollen finden in der Gastronomie zudem meist unter enormen Zeitdruck statt.

Viele Testzentren werden schließen

Mit dem Ende der kostenlosen Tests stellen auch einige Teststellen-Betreiber die Arbeit ein, wie eine stichprobenartige Umfrage zeigt. Von denen, die weitermachen, wollen künftig viele mehr als die staatliche Erstattung verlangen, die bisher 11,50 Euro Test betrug. MediTest24 zum Beispiel teilt auf Anfrage mit, künftig mit 24,98 Euro pro Schnelltest zu planen. "Wir betreiben unsere Testzentren so lange weiter, wie diese wirtschaftlich tragbar sind", sagt Geschäftsführer David C. Rüther.