Leute betreten das Gebäude des Europäischen Rates | Bildquelle: dpa

Trotz hoher Infektionszahlen Brüssel wird kein Risikogebiet

Stand: 21.08.2020 19:50 Uhr

Brüssel entwickelt sich zu einem Corona-Hotspot. Dennoch ringt sich das Auswärtige Amt bisher nicht zu einer Reisewarnung durch. Grund könnte das Treffen von EU-Spitzen in der kommenden Woche in Berlin sein.

Von Markus Grill und Georg Mascolo, WDR/NDR

Die belgische Landeshauptstadt Brüssel hat sich in den vergangenen Tagen zu einem der Hotspots für Corona-Neuinfektionen entwickelt. Nach Angaben der belgischen Gesundheitseinrichtung "Sciensano" gab es in den vergangenen sieben Tagen 89 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Üblicherweise erklären das Auswärtige Amt, das Innenministerium und das Gesundheitsministerium Gebiete mit einem so hohen Infektionsgeschehen zu Risikogebieten und sprechen eine Reisewarnung aus. Die Stadt Antwerpen mit einer Sieben-Tages-Rate von 79 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern hat die Bundesregierung bereits zu einem Risikogebiet erklärt. Bei Brüssel geschieht dies bisher nicht. Warum das so ist, erklärt das Auswärtige Amt nicht.

Auf Anfrage teilt es gegenüber WDR und NDR nur mit: "Wir beobachten die Entwicklungen in Belgien intensiv." Maßgeblich für die Entscheidungsfindung seien aber "tatsächliche Trends, nicht Momentaufnahmen". Warum die 89 Neuinfektionen für Brüssel womöglich kein Trend sein sollen, erklärt das Auswärtige Amt nicht.

Ein ganzer Tross reist an

Möglicherweise hängt die Zurückhaltung mit einer Reisewarnung gegenüber Brüssel auch mit einem persönlichen Treffen der EU-Verteidigungsminister und der EU-Außenminister in der kommenden Woche in Berlin zusammen. Zum informellen Rat der Verteidigungsminister am Mittwoch reisen dazu von der EU-Kommission der Hohe Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borell, EU-Vizepräsidentin Margrethe Vestager und Binnenmarktkommissar Thierry Breton an, wie die EU-Vertretung in Deutschland auf Anfrage bestätigt.

Einen Tag später treffen sich zudem im Auswärtigen Amt in Berlin die EU-Außenminister. An diesem Treffen soll neben Borell auch EU-Erweiterungskommissar Oliver Varhelyi teilnehmen. Alle diese Politiker bringen auch noch einen Referenten mit, wie aus der Kommission zu hören ist. Würde die Bundesregierung Brüssel zu einem Risikogebiet erklären, müssten Besucher aus Brüssel entweder einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen oder sich 14 Tage in Berlin in Quarantäne begeben.

Spahn lässt Anfrage unbeantwortet

Wer gegen die Quarantäneregeln in Berlin verstößt, dem droht nach der neuen Bußgeldverordnung eine Strafe von 150 bis 3000 Euro. Ob die EU-Kommissare bei ihrem Besuch in Berlin einen negativen Corona-Test vorlegen oder sich in Quarantäne begeben müssen, beantwortete das Auswärtige Amt nicht. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn ließ eine Anfrage, ob es Überlegungen gebe, Brüssel zum Risikogebiet zu erklären, unbeantwortet.

Das European Center for Disease Control (ECDC) berichtete, dass es in ganz Belgien in den vergangenen 14 Tagen 6242 Neuinfektionen gab, umgerechnet pro 100.000 Einwohner sind das nach Angaben von "Sciensano" 69 neue Fälle innerhalb von zwei Wochen. Bisher gehen die Brüsseler Beamten davon aus, dass die Minister-Treffen in Berlin der kommenden Woche stattfinden. Eingeladen dazu habe Deutschland, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft ausübe.

Hinweis der Redaktion: Noch am Freitag stufte die Bundesregierung Brüssel als Corona-Risikogebiet ein und warnt seitdem vor Reisen in die belgische Hauptstadt.

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