Zwei Männer im Anzug, von denen einer einen Aktenkoffer trägt, werfen lange Schatten. | Bildquelle: dpa

Missbrauch bei Corona-Hilfen Auch schlechter Rat kann teuer werden

Stand: 14.05.2020 18:01 Uhr

Ein Corona-Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums musste vorerst auf Eis gelegt werden: Das Staatsgeld hatte laut WDR, NDR und SZ auch unseriöse Unternehmensberater angelockt.

Von Massimo Bognanni, WDR, und Peter Hornung, NDR

Mit einer solchen Flut von Anträgen hatte beim Bundeswirtschaftsministerium offenbar niemand gerechnet. Das Förderprogramm richtete sich an Kleinunternehmer und Freiberufler. Ihnen stellte der Bund seit April bis zu 4000 Euro Beratungskosten in Aussicht, wenn sie sich in der Corona-Krise externe Hilfe von Unternehmensberatern holen wollten.

Kaum war das Angebot ausgesprochen, prasselten tausende Anträge auf das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) nieder. Berater gingen fast marktschreierisch auf Kundensuche, schalteten verheißungsvolle Werbung:

"Ihr kostenfreies Marketingkonzept im Wert von 4000 Euro, dank der BAFA Unternehmensberatung zu hundert Prozent gefördert!" heißt es zum Beispiel auf der Webseite einer Online-Marketing-Agentur aus Hessen. "Wenn sie also mit uns zusammenarbeiten möchten und sich das komplett vom Staat bezahlen lassen möchten, dann ist das Programm genau für Sie", so Marketingberater aus Berlin.

Mit Anträgen überschwemmt

Nach nur wenigen Wochen waren es 27.534 Anträge - was einer maximalen Fördersumme von mehr als 100 Millionen Euro gleichkäme. Im Bundeshaushalt 2020 waren für das Programm gerade einmal 15,34 Millionen Euro vorgesehen.

Nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) musste das Wirtschaftsministerium inzwischen anweisen, den Beratern keine weiteren Fördergelder mehr in Aussicht zu stellen. Grund ist laut Ministerium "die unerwartet hohe Zahl an Anträgen auf Beratung".

Was gut gedacht war, entpuppt sich nicht nur wegen der sich anbahnenden Kostenexplosion offenbar als problematisch. Erstaunt war man auch, dass sich plötzlich rund 8500 neue Berater beim BAFA akkreditieren lassen wollten. Die Bundesbehörde wurde regelrecht überrollt. Immerhin: Geld wurde bislang noch nicht ausgezahlt.

Offenbar viele unseriöse Angebote

Glaubt man Insidern der Beraterbranche, ist dies auch gut so. Denn die Staatsgelder sollen auch windige Geschäftemacher angelockt haben, die einen schnellen Euro machen wollten. Diese versprechen den Unternehmen dann auf Staatskosten auch mal Hilfe bei Anträgen für das Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld II. Es klingt manches Mal, dass man mit dem Geld machen kann, was man will.

Doch genau das ist nicht so, denn das staatliche Förderprogramm schließt explizit die Unterstützung bei der Beantragung von Förderhilfen aus. Geld soll es, so schreibt es das Wirtschaftsministerium vor, nur für "individuelle, strategische" Beratungen geben, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen.

Kritik an 100-Prozent-Förderung

Ansonsten sind die Regeln für die Corona-Beratungsförderung aber eher lasch. Anders als sonst üblich wird die Corona-Beratung zu 100 Prozent vom Staat getragen. Diese Voll-Förderung sieht sogar der Branchenverband der Unternehmensberater (BDU) kritisch. "Ideal wäre in so einer Krisenzeit eine Förderung von 80 Prozent, damit immer ein Eigenanteil dabei ist. Denn das stellt auch sicher, dass das Unternehmen den Berater kritisch hinterfragt und dadurch sichergestellt wird, dass die Beratungsleistung wirklich einen Mehrwert für ihn hat", sagt BDU-Präsident Ralf Strehlau.

Hinzu kommt: Das Geld soll direkt an die Unternehmensberater überwiesen werden; also nicht erst an die kleinen und mittelgroßen Firmen und Selbständigen, die gute Tipps in der Krise brauchen und sich deshalb von Fachleuten helfen lassen sollen.

Berater sollen unter die Lupe kommen

Bei der Industrie- und Handelskammer hat bereits ein bundesweiter Expertenkreis überlegt, wie man einem Missbrauch vorbeugen könne. Ein Vorschlag: Berater, die negativ aufgefallen sind, werden beim BAFA von der Liste der dort zugelassenen Anbieter gestrichen. 

Auf die zuständige Bundesbehörde kommt derweil eine echte Herkules-Aufgabe zu. Denn bevor die mehr als 27.000 Anträge ausgezahlt werden, muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob tatsächlich die geforderte Beratung auch umgesetzt wurde.

Corona-Förderung: Bundesprogramm läuft aus dem Ruder
Peter Hornung, NDR
15.05.2020 14:09 Uhr

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