Ein Mann übergibt Geldscheine. | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Kriminalität und Corona-Krise Sorge vor neuen Betrugsmaschen

Stand: 24.03.2020 13:17 Uhr

Experten sind überzeugt, dass es in der Corona-Krise weniger Straftaten bestimmter Delikte geben wird. Doch gleichzeitig könnten neue Betrugsmaschen aufblühen. Das BKA soll eine Lageeinschätzung erstellen.

Von Florian Flade, WDR

Sie klingeln an der Haustür, behaupten, sie seien vom Gesundheitsamt. Sie müssten wegen der Corona-Gefahr dringend in die Wohnung. Ihre Opfer sind meist ältere Menschen, voller Sorge und meist hilflos. Vor solchen Betrügereien durch Kriminelle warnt derzeit das Bundeskriminalamt (BKA). "Aktuell nutzen Kriminelle die bestehende Verunsicherung und Angst rund um die Covid-19-Pandemie aus", so die Behörde.

In diesen Tagen treibt die Sicherheitsbehörden eine Frage um: Wie wird sich Corona-Krise auf die Kriminalität in Deutschland auswirken?  Das Bundesinnenministerium hat das BKA nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" inzwischen beauftragt, zeitnah eine Lageeinschätzung abzugeben.

Taschendiebstahl dürfte zurückgehen

"Die Bundesregierung und die Länder befassen sich derzeit auch mit den Auswirkungen der Lage auf verschiedenste Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens", teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums mit. "Dazu gehören auch mögliche Auswirkungen auf die Kriminalitätslage."

Die Corona-Krise wird für einen Rückgang bestimmter Delikte sorgen, da sind sich Experten sicher, aber vermutlich auch neue Formen der Kriminalität hervorbringen. Durch die Ausgangsbeschränkungen ist das öffentliche Leben in weiten Teilen zum Erliegen gekommen. Die Straßenkriminalität, etwa der Taschendiebstahl, dürfte daher zurückgehen, ebenso wie der Wohnungseinbruch, weil sich viele Menschen nun lange Zeit zuhause aufhalten.

Neue Möglichkeiten für Cyberkriminelle

"Bei den Betrugsdelikten kommt es bereits jetzt zu besonders schäbigen und perfiden neuen Tricks", warnt Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Beispielsweise werde der sogenannte "Enkeltrick" umformiert. "Es gibt Fälle, in denen sich Kriminelle als Mitarbeiter von Gesundheitsämtern ausgeben und sich so Zugang zur Wohnung ihrer Opfer verschaffen."

Die Ausgangsbeschränkungen bedeuteten für viele Menschen "einen Rückzug in den privaten und auch digitalen Bereich", sagt Polizeigewerkschaftler Radek. "Der Onlinehandel nimmt vermutlich zu und damit auch die Möglichkeiten von Cyberkriminellen, Straftaten zu begehen." Das BKA warnt bereits vor einer virtuellen "Corona-Karte", auf der angeblich die Infektionsfälle in Echtzeit angezeigt werden. Tatsächlich ist die Webseite jedoch mit einer Schadsoftware präpariert, die Passwörter abgreift.

Polizeihauptkommissar Radek verweist auch auf das Risiko, dass vermehrt Betrug bei stark nachgefragten Produkten wie Medikamenten, Desinfektionsmittel oder Schutzkleidung stattfinden könnte. Es könnten etwa völlig wirkungslose Plagiate verkauft werden.

Supermärkte als Ziele von Überfällen

Auch die Gefahr von Raubüberfällen dürfe nicht unterschätzt werden, heißt es aus Sicherheitskreisen. Die Tagesumsätze in Supermärkten oder Apotheken seien momentan sehr hoch. Das könnte wiederum Kriminelle auf den Plan rufen.

"Die grenzüberschreitende Kriminalität wird aufgrund der polizeilichen Präsenz an den Grenzen mit hoher Wahrscheinlichkeit stark zurückgehen - und zwar in allen Bereichen", vermutet GdP-Vize Radek. Etwa bei Drogen- und Zigarettenschmuggel, der Schleusung von Menschen oder auch beim Auto-Diebstahl.

Sebastian Fiedler, Vorsitzender beim Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), verweist zudem auf die Umtriebe krimineller Netzwerke. "Die Organisierte Kriminalität wird auf die Schließung von Gastronomiebetrieben und anderen Kleinbetrieben sowie dem geringerem Bargeldumlauf reagieren müssen", so Fiedler. "Illegal erworbene Gelder müssen schließlich gewaschen werden und es gibt dort reichlich Liquidität."

Die kriminellen Netzwerke würden außerdem versuchen in vielen Bereichen zu betrügen. "Zum Beispiel Gelder bei den finanziellen Hilfspaketen abzugreifen, die von der Regierung nun bereitgestellt werden", meint Fiedler. Ein wichtiges Thema sei auch der illegale Medikamentenhandel. "Die Menschen sollten bei Online-Apotheken sehr zurückhaltend sein."

Sorge vor häuslicher Gewalt

Die häusliche und sexualisierte Gewalt hingegen, vor allem gegen Frauen und Kinder, könnte allerdings zunehmen, fürchten Experten. Die Kinder seien aufgrund der Schul- und Kitaschließungen nun oft den ganzen Tag mit den Eltern zusammen. Dadurch steige das Konfliktpotenzial enorm.

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