Eine Tüte mit der Droge Chrystal Speed | dpa
Exklusiv

Drogenhandel in Europa Regierung warnt vor mexikanischen Kartellen

Stand: 12.05.2021 18:00 Uhr

Immer größere Mengen der Droge Methamphetamin werden in Westeuropa hergestellt. Besondere Sorge bereitet den Behörden dabei die Präsenz mittel- und südamerikanischer Tatverdächtiger in Europa.

Von Jan Lukas Strozyk und Benedikt Strunz, NDR

Das Bundesinnenministerium warnt davor, dass sich mexikanische Drogenkartelle in Europa etablieren und hier stärker in die Produktion der Droge Methamphetamin einsteigen. Das geht aus der Antwort auf eine schriftliche Frage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Irene Mihalic hervor, die NDR und WDR vorliegt.

Jan Lukas Strozyk
Benedikt Strunz

Demnach beobachtet das Innenministerium seit einigen Jahren, dass sich die Produktion von Methamphetamin, auch "Crystal Meth" oder "Crystal" genannt, von Tschechien in die Niederlande verlagert. Dort würde heute "in einem deutlich größeren Umfang" Methamphetamin unter Beteiligung "niederländischer sowie mittel- und südamerikanischer Tatverdächtiger" produziert.

Immer mehr mittel- und südamerikanische Verdächtige

Dabei werden demnach insbesondere mittel- und südamerikanische Tatverdächtige auffällig, "die unter Beteiligung von beziehungsweise in Zusammenarbeit mit mexikanischen Kartellen in den Niederlanden tätig sein dürfen". In Deutschland sei zuletzt "immer mehr Methamphetamin aus niederländischen beziehungsweise mexikanischen Quellen sichergestellt" worden, so das Innenministerium.

Methamphetamin gilt als ausgesprochen gefährliche Droge, die schnell süchtig macht und bei dauerhaftem Konsum schwere körperliche Schäden verursacht. Reporter von NDR, WDR, "Zeit" und "Süddeutscher Zeitung" hatten bereits im vergangenen Jahr in einem gemeinsamen Rechercheprojekt darüber berichtet, dass mexikanische Kartelle offenbar systematisch auf den europäischen Schwarzmarkt für Methamphetamin drängen. 

Die Recherchen, durchgeführt gemeinsam mit dem Journalisten-Netzwerk "Forbidden Stories", hatten ergeben, dass allein in den vergangenen zwei Jahren mindestens 40 illegale Drogen-Labore in den Niederlanden und Belgien entdeckt und dabei 19 mexikanische Staatsangehörige festgenommen worden waren. Einige der Drogenköche hatten über ihre Arbeit in den Laboren offenbar direkt mit Hintermännern in Mexiko kommuniziert.

Das Innenministerium teilt nun mit, dass im April dieses Jahres in der niederländischen Stadt Arnheim ein weiteres Labor ausgehoben wurde und dabei 622 Kilogramm Methamphetamin sichergestellt und vor Ort zwei kolumbianische Staatsangehörige festgenommen worden sind. 

Drogenlabor in Holland | NDR

Die Drogenlabore in den Niederlanden werden immer professioneller. Bild: NDR

Schmuggel nach Europa geht weiter

Neben der Produktion in Europa scheinen die Kartelle auch den Schmuggel der Droge auszubauen. Aus der Antwort des Bundesinnenministeriums geht außerdem hervor, dass in den vergangenen Jahren in Europa mehrfach Methamphetamin aus Mexiko sichergestellt wurde, unter anderem in Spanien und Frankreich. In der Slowakei konnten demnach 1,5 Tonnen der Droge abgefangen werden, die nachweislich aus Mexiko stammten. Zudem gäbe es auch direkte Lieferungen aus Mexiko nach Deutschland über den Postversand.

Die Grünen-Abgeordnete Irene Mihalic spricht von einem "alarmierenden" Vorstoß südamerikanischer Kartelle nach Europa. Sollte es den Kartellen gelingen, sich in Europa zu etablieren, könnte sich "sowohl die Sicherheitslage in den südamerikanischen Ländern verschlechtern als auch in Europa, wo Spannungen zwischen rivalisierenden Gruppen wahrscheinlicher werden", sagte Mihalic NDR und WDR. Sie fordert die Bundesregierung auf, die Entwicklung als "ernste Gefahr für die Innere Sicherheit" zu begreifen und frühzeitig "gegen die Expansion dieser Gruppen" vorzugehen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell im Hörfunk am 12. Mai 2021 um 18:05 Uhr.