Alice Weidel spricht im Bundestag. | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter

Geheime AfD-Spenden Spur zum Umfeld eines Duisburger Milliardärs

Stand: 05.04.2019 18:12 Uhr

Im Fall der mysteriösen Spende zugunsten von Alice Weidels Wahlkreis am Bodensee führen Recherchen ins Umfeld von Henning Conle, Erbe des LTU-Gründers und Immobilienhändler.

Von Sebastian Pittelkow, Katja Riedel und Georg Wellmann, WDR/NDR

Erst sollte eine Schweizer Pharmafirma namens PWS dem Wahlkreis von AfD-Fraktionschefin Alice Weidel 132.000 Euro für ihren Wahlkampf gespendet haben. Dann tauchte eine angebliche Spenderliste auf mit 14 Namen von angeblichen Geldgebern. Tatsächlich waren es aber Strohleute.

Angeblicher Spender aus Belgien als Bindeglied

Deren Namen weisen nun aber offenbar zum wahren Geldgeber: Nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" sowie dem Schweizer "Tages-Anzeiger" führt die Spur ins Umfeld des aus Duisburg stammenden, in der Schweiz und London lebenden Immobilien-Milliardärs Henning Conle. Ein mit der Angelegenheit Vertrauter bestätigte das Umfeld des verschwiegenen Milliardärs als eigentlichen, bislang geheimen Spender.

Den Recherchen zufolge arbeitet einer der Strohmänner, die die Herkunft der Spende verschleiern sollten, für die Immobiliengesellschaft Conimmo in Antwerpen. Diese wiederum gehört mehrheitlich Henning Conle Senior, und auch sein Sohn gleichen Namens ist dort als Direktor eingetragen.

Die AfD und das Problem mit dem unbekannten Großspender
tagesthemen 22:15 Uhr, 04.04.2019, K. Riedel, S. Pittelkow, WDR

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Geld war explizit für Weidel-Wahlkampf bestimmt

Vater Conle, der mit Frau und Kindern schon in den 1990er-Jahren einen seiner Wohnsitze in die Schweiz verlegte, lebt dort in einer Privatstraße am edlen Zürichberg. Es ist ein Villenviertel, in dem sich auch die Apotheke jenes guten Bekannten befindet, dem laut seinem Anwalt vom geheimen Spender im Frühsommer 2017 150.000 Franken übergeben wurden - verbunden mit der Bitte, das Geld mit der Zweckbindung "Wahlkampf Alice Weidel Social Media" zu überweisen.

Der Spender habe um diesen Gefallen gebeten, weil er einen Schaden für seine Geschäfte gefürchtet habe, wenn sein Name als AfD-Geldgeber publik werde. Der Anwalt des Apothekers schilderte diesen Ablauf, zum Namen Conle wollte er sich aber nicht äußern.

Strohmann gibt zu, dass Spenderliste falsch ist

Die Spenderliste, die der Apotheker unterzeichnet und auf Wunsch der AfD in die Parteizentrale nach Berlin geschickt hatte, bezeichnete er nun im Interview selbst als "Mist". Der Anwalt beschreibt den eigentlichen Spender als arrivierten Geschäftsmann, sehr wohlhabend. Conle ließ mitteilen, er wolle sich zu den Recherchen nicht äußern.

Vergangene Woche hatten WDR, NDR, "SZ" und "Tages-Anzeiger" die vertrauliche Liste angeblicher Spender im Fall Weidel einsehen können. Auf dieser stach der Name des Mannes aus dem belgischen Antwerpen hervor. Dieser soll gleich bei mehreren merkwürdigen Spenden zugunsten der AfD aufscheinen: Recherchen von WDR, NDR, "SZ" und "Tages-Anzeiger" ergaben, dass es sich um einen Mitarbeiter einer Firma handelt, die mehrheitlich dem deutsch-schweizerischen Milliardär Conle gehört und dass der Name dieses belgischen Mitarbeiters sich auch auf mindestens einer weiteren vorgeblichen Spenderliste befindet, nämlich einer der ebenfalls eingereichten angeblichen Spenderlisten der Schweizer Werbeagentur Goal AG.

Immer wieder Goal AG

Die Goal AG spielt in mehreren dieser Fälle eine gewichtige Rolle. Auch Parteichef Jörg Meuthen hatte für seinen persönlichen AfD-Wahlkampf kostenlos Werbehilfe von der Goal AG erhalten, im Sommer letzten Jahres hatte die Goal AG eine Liste mit Namen angeblicher Spender übersandt.

Ähnlich war es im Fall Guido Reil, auch hier gab es eine offenbar fingierte Liste voller angeblicher Spender. Dessen sechs Strohmannspender sollen nach Informationen von WDR, NDR, "SZ" und "Tagesanzeiger" vollständig in der Weidel-Liste enthalten sein.

Zudem war der Name des belgischen Conle-Mitarbeiters bei einer erst in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Serie weiterer auffälliger Überweisungen auf Weidels Wahlkampfkonto am Bodensee aufgetaucht. Eine andere Person, die mit diesem angeblich am gleichen Tag gespendet haben soll, ist übrigens offenbar eine Nachbarin der Firmenzentrale von Conles deutscher Immobilienfirma Westfalia.

Durch öffentliche Gelder reich geworden

Die Conles sollen in der Nachkriegszeit von Mülheim an der Ruhr und Duisburg aus zunächst mit Sozialwohnungen und öffentlichen Bauten zu viel Geld gekommen sein.

Henning Conle ist ein Nachfahre der Gründer der deutschen Fluggesellschaft LTU. Teile der Familiendynastie leben noch im Ruhrgebiet.

Conle selbst und seine Frau leben auch in London an einer noblen Adresse. Inzwischen unterhält der Familienzweig um Hennig Conle Junior und Senior mit seinem verzweigten internationalen Firmennetz ein verstreutes, enorm großes und werthaltiges Immobilienportfolio. Zu diesem gehören zum Beispiel die "Kensington Roof Gardens" im Londoner Nobel-Stadtteil, einem Treffpunkt mit Privatclub, mit lebenden Flamingos und einem künstlichen Bach auf der Dachterrasse.

Wenig über Familie bekannt

Dem gesamten Familienverband hat die Schweizer Zeitschrift "Bilanz" 2017 ein Vermögen von 1,35 Milliarden Schweizer Franken zugeschrieben. Es ist eine überaus verschwiegene Familie, Interviews sind nicht bekannt.

Henning Conle Senior und Familie sind bereits in den 1990er-Jahren in den Großraum Zürich gezogen, zumindest die Eltern besitzen neben der deutschen auch die Schweizer Staatsbürgerschaft. Sie dürfen demnach auch für deutsche Parteien spenden.

Ein Mann namens Henning Conle hat für die rechtspopulistische Schweizer Partei SVP mindestens einmal gespendet, er findet sich auf einer Liste der Finanziers einer Veranstaltung. Menschen aus dem Umfeld der Conles berichten, dass sie freigiebig seien: "Sie spenden viel."

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels wurde der Vater von Henning Conle als Mitbegründer der LTU bezeichnet. Richtig ist, dass der Onkel von Henning Conle LTU-Mitbegründer war.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. April 2019 um 17:00 Uhr.

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