Kokainbeutel auf einem Tisch | Staatsanwaltschaft Hamburg
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Drogenkonsum in der Pandemie Mehr Kokain im Abwasser

Stand: 03.06.2021 16:01 Uhr

Aktuelle Abwasseruntersuchungen in Berlin im Auftrag des ARD-Politikmagazins Kontraste zeigen: Die Kokain-Rückstände haben sich seit 2017 verdoppelt. Das lässt auch Rückschlüsse auf den Konsum während der Corona-Pandemie zu.

Von Sascha Adamek, Simone Brannahl und Pune Jalilevand, rbb

Der Kokainkonsum hat während der Corona-Pandemie offenbar weiter zugenommen. Das ergaben Recherchen des ARD-Politikmagazins Kontraste.

So deuten Analysen des Berliner Abwassers, durchgeführt von den Berliner Wasserbetrieben und der TU Dresden im Auftrag von Kontraste, auf einen signifikanten Anstieg des Kokainkonsums in der Hauptstadt hin. Ließen sich 2017 noch 300 Milligramm Kokain-Abbauprodukte auf 1000 Personen pro Tag im Abwasser nachweisen, waren es im Mai 2021 doppelt so viele.

Steigerung in vielen Städten

Auch in anderen deutschen Städten stieg der Konsum deutlich. Letzte Untersuchungen aus 2020 belegen, dass Städte mit eigentlich geringem Konsum mit die höchsten Steigerungsraten gegenüber den Vorjahren verbuchten. "Dazu zählen Chemnitz, Dresden, Erfurt oder Nürnberg", so Björn Helm, der Projektleiter für Siedlungshydrologie an der TU Dresden.

Hamburg gilt traditionell als Stadt mit Spitzenwerten beim Kokainkonsum. Auch dort nahm, ähnlich wie in Berlin, der Konsum weiter deutlich zu. In den Städten München und Dortmund waren die Rückstände an Kokain im Abwasser 2020 im Vergleich zum Vorjahr hingegen leicht rückläufig.

Berliner LKA registriert deutlich mehr Strafverfahren

Der Leiter des Drogendezernats im Berliner Landeskriminalamt, Olaf Schremm, registriert eine stetige Zunahme an Strafermittlungsverfahren gegen Kokainhändler: "Da haben wir deutschlandweit wie auch in Berlin die größten Zuwachsraten im teilweise zweistelligen Prozentbereich."

Diesen "exorbitanten Anstieg" erklärt Schremm auch mit den vielen Online-Messengerdiensten, die für den Handel genutzt würden. Das habe man "jetzt erst mit der Pandemie festgestellt".

Nie wurde in Europa mehr Kokain beschlagnahmt

Auch der Zoll erregte kürzlich Aufsehen mit einem Rekordfund von 16 Tonnen im Hamburger Hafen. Das entspricht einem Verkaufswert von etwa 3,5 Milliarden Euro. "Trotz des eingeschränkten sozialen Lebens und des eingeschränkten Nachtlebens gab es einen weiteren Anstieg bei den Mengen an Kokain", bemerkt Björn Helm von der TU Dresden.

Ein Grund für die Drogenschwemme könnte "die Mehrfachbelastung durch Homeoffice und Homeschooling sein", so Ute Keller, Leitende Oberärztin an der Alexianer-Suchtklinik Berlin. Wenn diese Drogen "in der Pandemie so sehr in den Alltag geraten" habe das Konsequenzen: Bereits Süchtige würden rückfällig, aber auch die Bereitschaft zum Erstkonsum steige. Frauen seien besonders belastet durch Kinderbetreuung, Homeschooling und paralleles Homeoffice, denn sie glaubten "immer funktionieren zu müssen", so Keller.

Über dieses Thema berichtete das Erste in der Sendung Kontraste am 03. Juni 2021 um 21:45 Uhr.