Zahlreiche Migranten sind an der belarusisch-polnischen Grenze in der Nähe von Grodno zu sehen. | EPA
Exklusiv

Flüchtlinge in Belarus Irak schaltet sich ein

Stand: 12.11.2021 11:32 Uhr

Im Flüchtlingsdrama an der Grenze zwischen Belarus und Polen greift nun die irakische Regierung ein. Sie will Flüchtlinge zurückholen und hat nach Informationen des NDR auch diplomatische Konsequenzen gezogen.

Von Amir Musawy und Lena Gürtler, NDR

Für den belarusischen Honorarkonsul Majid Al-Qaysi in Bagdad könnten die kommenden Tage sehr ruhig werden. Man habe dem Honorarkonsul die Lizenz entzogen, "um die irakischen Bürger vor kriminellen Schleppern zu schützen", teilte der Sprecher des irakischen Außenministeriums, Ahmed al Sahaf, dem NDR mit.

Im Konsulat darf also nicht mehr gearbeitet werden, damit können auch keine Visa-Anträge mehr ausgestellt werden. So will die irakische Regierung wohl verhindern, dass noch mehr Iraker den Weg nach Belarus antreten, um von dort in die Europäische Union zu gelangen. Das belarusische Außenministerium antwortete auf eine Anfrage des NDR dazu nicht.

Irak bietet Rückkehrmöglichkeit an

Derzeit bemühe man sich, Rückflüge aus Minsk und Warschau zu organisieren, sagte der Außenministeriumssprecher weiter, um "Iraker, die freiwillig in die Heimat zurück wollen, zurückzufliegen". Nach Informationen des irakischen Außenministeriums halten sich derzeit 571 irakische Bürgerinnen und Bürger in Polen auf. Sie seien auf acht Unterkünfte in der polnischen Grenzregion zu Belarus verteilt.

Die Menschen seien Opfer von Schleppern geworden, sagte der Ministeriumssprecher. Inzwischen erteilte die türkische Zivil-Flugaufsicht der nationalen belarusischen Airline Belavia ein Flugverbot für Iraker, Syrer und Jemeniten von der Türkei nach Belarus. Ausgenommen davon sind Menschen mit diplomatischen Pässen.

Bagdad geht von fast 8000 Flüchtlingen aus

Bereits im August hatte die irakische Regierung wohl auf Druck der Europäischen Union alle direkten Flugverbindungen zwischen Irak und Belarus eingestellt. Insgesamt gehen irakische Behörden von fast 8000 Flüchtlingen aus, die derzeit zwischen Belarus und Polen festsitzen. Sie stammen vor allem aus den kurdischen Gebieten im Nordirak.

Auch wenn sie nun aufgerufen sind, sich für Rückflüge zu registrieren, würden die meisten wohl nicht zurück wollen. Das räumte ein Sprecher des irakischen Ministeriums für Migration ein. Die Kurdengebiete im Irak besitzen weitgehende Autonomie. Allerdings leiden die Regionen besonders unter der Wirtschaftskrise. Außerdem beklagen Flüchtlinge Vetternwirtschaft, Korruption und mangelnde Zukunftsperspektiven.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 12. November 2021 um 13:35 Uhr.