In dem original erhaltenen Mauerstück der Gedenkstätte an der Bernauer Straße stecken rote und gelbe Rosen. | Bildquelle: AFP

Herzinfarkte bei Kontrollen Weit mehr Tote an der DDR-Grenze?

Stand: 13.08.2019 14:52 Uhr

Angaben des Berliner Mauermuseums zufolge sind mehr als 350 Menschen bei Kontrollen an der innerdeutschen Grenze an Herzinfarkten gestorben. Das berichtet das ARD-Politikmagazin FAKT.

Allein an den Grenzübergängen der Berliner Mauer sind nach Zählung des Mauermuseums "Haus am Checkpoint Charlie" 264 Menschen aus Ost und West während der Kontrolle verstorben. An der innerdeutschen Grenze gab es demnach 97 Tote während der Kontrollen. Todesursache waren den Angaben zufolge Herzinfarkte.

"Die Menschen waren den unmenschlichen Kontrollen ausgeliefert, ganz allein, ohne jeglichen Schutz in stickigen Baracken. Bis hin, dass sie an den Haaren gezupft worden sind, ob da eine Perücke ist und unter der Perücke vielleicht noch etwas liegt und die mussten sich ausziehen." So beschreibt Museumsleiterin Alexandra Hildebrandt die Situation bei den Grenzkontrollen gegenüber FAKT. Gerade ältere oder herzschwache Menschen seien den außergewöhnlich hohen psychischen Belastungen oft nicht gewachsen gewesen.

Hildebrandt vermutet, dass die Dunkelziffer deutlich höher liege, da diese Todesursache an der innerdeutschen Grenze bislang nicht systematisch erforscht worden sei. Auf den Todesscheinen stand häufig "natürlicher Tod durch Herzinfarkt".

Ein Fall erregte besondere Aufmerksamkeit

In der großen Öffentlichkeit ist bislang vor allem ein Fall bekannt geworden. Am 10. April 1983 verstarb Rudolf Burkert während eines Verhörs in der Grenzbaracke Drewitz. Der damals 45-Jährige hatte sich zuvor auf der Transitstrecke mit Verwandten aus der DDR getroffen und ihnen Geschenke wie Sicherheitsgurte, Lautsprecherboxen und Schokolade übergeben.

Der DDR-Staatssicherheit war das nicht entgangen. Am Grenzübergang fischte sie Burkert aus der Schlange und verhörte ihn, bis er mit Herzinfarkt tot zusammenbrach. Anschließend gab es zahlreiche Untersuchungen in Ost und West. Die genauen Todesumstände konnten allerdings nie zweifelsfrei geklärt werden.

Die Zahl der Todesopfer an der innerdeutschen Grenze ist umstritten, da es unterschiedliche Zählweisen gibt, welche Fälle mit einbezogen werden. So berichtete der rbb, bei einer Studie seien auch Täter zu Opfern gemacht worden.

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Die Berliner Mauer

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Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Ralf Wieland, Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, legen an der Gedenkstätte Berliner Mauer einen Kranz nieder, um des Mauerbaus zu gedenken.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Ralf Wieland, Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, legen an der Gedenkstätte Berliner Mauer einen Kranz nieder, um des Mauerbaus vor 58 Jahren zu gedenken. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte, nannte das historische Datum einen schwarzen Tag in der detuschen Geschichte: "Wir schulden all denen Dank, die beigetragen haben, diese Mauer zum Einsturz zu bringen", sagte er. | Bildquelle: dpa

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 13. August 2019 um 17:30 Uhr.

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