Wieler bei der RKI-Pressekonferenz | Bildquelle: dpa

Corona-Tests RKI muss Zahl deutlich korrigieren

Stand: 06.05.2020 10:07 Uhr

Das Robert Koch-Institut hatte eine starke Zunahme von Corona-Testungen in Deutschland vermeldet. Doch mittlerweile musste das RKI die Zahl korrigieren. Demnach gab es 120.000 Tests weniger.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de, und Markus Grill, NDR/WDR

Die Zahl der Corona-Tests ist weit weniger stark gestiegen als angenommen. tagesschau.de hatte vergangene Woche exklusiv über die jüngsten Angaben des Robert Koch-Instituts für die 17. Kalenderwoche berichtet. Demnach wurden vom 20. bis 27. April 467.137 Tests durchgeführt. Dies wäre eine Steigerung zur Vorwoche um mehr als 40 Prozent gewesen. Jedoch waren diese Zahlen falsch. Das geht aus einer Anmerkung des RKI im Epidemiologisches Bulletin vom 30. April hervor. Dort ergänzte das Institut am 4. Mai:

Korrektur: Bei der Erhebung der Testzahlen für KW 17 wurden versehentlich mehr durchgeführte Tests (467.137) und positive Tests (25.222; 5,4%) gezählt. Die korrekte Anzahl der durchgeführten Tests beträgt 347.578, davon positive Tests 17.367 (5,0%). Die korrekte Summe ist 2.427.493

Die Zahl der Tests war gegenüber der Vorwoche also nur leicht gestiegen, verglichen mit den Wochen davor lag sie sogar niedriger. Zudem lag der Anteil der positiven Tests bei 5,0 Prozent (17.367) statt wie zunächst gemeldet 5,4 Prozent (25.222).

Corona-Testungen in Deutschland
WocheAnzahlPositiv getestet
11127.4577583 (5,9%)
12348.61923.820 (6,8%)
13361.51531.414 (8,7%)
14408.34836.885 (9,0%)
15379.23330.728 (8,1%)
16330.02721.993 (6,7%)
17. (falsche RKI-Angabe)467.13725.222 (5,4%)
17. (korrigierte Angabe)347.57817.367 (5,0%)

"Hinweis geplant"

Wie es zu diesen massiven Fehlern gekommen ist, erläutert das RKI in der Anmerkung nicht weiter. Auf Anfrage von tagesschau.de erklärte eine Sprecherin, das Institut habe "die Korrektur transparent und deutlich gekennzeichnet, so dass es für jeden Nutzer sichtbar war, mit Begründung". Zudem sei in dem nächsten Situationsbericht ein entsprechender Hinweis geplant.

Auf der Pressekonferenz am Dienstag hatte RKI-Präsident Lothar Wieler gesagt, es habe bislang rund 2,4 Millionen Larbortests auf das Coronavirus gegeben. Dieser Wert ergibt sich aus dem korrigierten Wert für die Kalenderwoche 17, zunächst war noch von mehr als 2,5 Millionen Testungen die Rede. Die falschen Angaben für diese Woche erwähnte Wieler allerdings nicht.

Größere Kapazitäten

Wieler sagte zudem, es gebe aktuell die Möglichkeit für rund 142.000 Tests pro Tag. Es liefen derzeit weitere Anstrengungen, die Kapazitäten weiter zu erhöhen. Allerdings werden diese bei weitem nicht ausgenutzt.

Das Bundesinnenministerium hatte Ende März in einem Strategiepapier vorgeschlagen, viel mehr zu testen. Die Methode nach dem Motto "Wir testen, um die Lage zu bestätigen" müsse abgelöst werden durch den Ansatz "Wir testen, um vor die Lage zu kommen". Die größtmögliche Erhöhung der Testkapazitäten in Deutschland sei "überfällig", hieß es nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" in dem vertraulichen Papier.

RKI hält an "strategischem Testen" fest

Das Robert Koch-Institut teilte vergangene Woche auf Anfrage mit, nicht unmittelbar in die Testungen involviert zu sein. Es lege lediglich die Kriterien fest, bei denen Ärzte einen Corona-Test vornehmen sollen. Bisher war die Linie, dass nur Personen getestet werden sollen, die grippeähnliche Symptome haben und gleichzeitig Kontakt zu einem Infizierten hatten. Von dieser Linie ist das RKI inzwischen abgewichen. Jetzt sollen auch Patienten "bei kleinsten Symptomen" getestet werden, wie Wieler auf einer Pressekonferenz mitteilte.

Gleichzeitig hält das RKI aber an einem "strategischen Testen" fest, da ein wahlloses Testen wenig bringe. Zu einem strategischen Testen gehöre es aber auch, gezielt in Alten- und Pflegeheimen und in Krankenhäusern zu testen, so Wieler.

Am Abend werden neue RKI-Angaben zur Zahl der Testungen in Deutschland erwartet.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. April 2020 um 11:00 Uhr.

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