Auspuff Porsche-Cayenne | Bildquelle: dpa

KBA-Strafe wegen Cayenne Zwangsgeld gegen Porsche

Stand: 16.11.2019 06:00 Uhr

Weil Porsche ein Software-Update für manipulierte Dieselautos nicht fristgerecht vorgelegt hat, muss der Autobauer Strafe zahlen. Nach BR-Informationen wurden zudem Audi-Modelle zurückgerufen.

Von Arne Meyer-Fünffinger und Josef Streule, BR

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) schlägt im Dieselskandal eine härtere Gangart ein. Nach Informationen von BR-Recherche hat die Flensburger Behörde ein Zwangsgeld gegen Porsche festgesetzt, weil der Autobauer ein Software-Update nicht fristgerecht zur Verfügung gestellt hat. Dabei geht es um den Porsche Cayenne mit 4.2-Liter-Motor der Schadstoffklasse Euro 5.

Nun muss Porsche 25.000 Euro zahlen. Falls die nötigen Unterlagen zur Genehmigung des Updates nicht bis zum 22. November 2019 vorliegen, droht dem Autobauer ein weiteres Zwangsgeld in Höhe von 25.000 Euro. Dies teilte das Bundesverkehrsministerium dem BR auf Anfrage mit.

Porsche erklärt die Verzögerung auf Nachfrage mit dem erforderlichen technischen Aufwand: "Die Erarbeitung der technischen Lösungen bedingte, dass Porsche dem KBA die entsprechenden Updates erst jetzt vorstellen kann."

Mit sofortigem Vollzug

Ende Oktober hatte der BR berichtet, dass das KBA das betroffene Porsche Cayenne-Modell schon im August 2018 zurückgerufen hat. In einer Anordnung mit Datum vom 20. August 2018 verlangte die Behörde, "alle unzulässigen Abschalteinrichtungen" zu entfernen. Weiter hieß es: "Alle betroffenen produzierten Fahrzeuge sind umzurüsten." Angeordnet wurde der sofortige Vollzug.

Von dem Rückruf betroffen sind bundesweit rund 5000 Fahrzeuge. Da bislang kein Update vorliegt, hat das KBA darüber bisher weder die Fahrzeughalter noch die Öffentlichkeit informiert. Porsche schreibt auf Anfrage: "Nach Freigabe der technischen Lösungen durch das KBA werden die Fahrzeughalter von dem zuständigen Porsche-Partner kontaktiert."

Porsche Cayenne gilt als dreckigster Diesel

Das betroffene Porsche Cayenne Diesel-Modell gilt als dreckigster je gemessener Diesel. Die Deutsche Umwelthilfe hat kürzlich bei sogenannten RDE-Fahrten einen durchschnittlichen Stickoxid-Ausstoß von 2146 Milligramm pro Kilometer festgestellt. Das ist zwölf Mal höher als der zulässige Grenzwert für Euro-5-Diesel. Dieser liegt bei 180 Milligramm pro Kilometer.

Der Motor und die Abgasanlange des Porsche Cayenne stammen von der VW-Schwesterfirma Audi. Der Ingolstädter Autobauer hat selbst ein Problem mit Dieselautos der Schadstoffnorm Euro 5.

Weiterer Rückruf auch bei Audi

Nach BR-Informationen hat das Kraftfahrt-Bundesamt am 11. Oktober 2019 den Rückruf der Modelle A6 und A7 mit 3-Liter-Biturbo-TDI-Motor der Schadstoffklasse Euro 5 angeordnet. Laut Auskunft von Audi liegt für beide Modelle das Software-Update dem KBA bereits zur Prüfung vor. Sobald das Update genehmigt ist, sollen die Fahrzeughalter angeschrieben und bundesweit rund 22.000 Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen werden.

Auch in diesem Fall haben Kraftfahrt-Bundesamt und Bundesverkehrsministerium die Öffentlichkeit nicht über den Rückruf informiert. Das Ministerium erklärt dazu, in der Rückrufdatenbank des KBA und einer Übersicht "Marktüberwachung" würden Modelle aufgelistet, "für die das Softwareupdate auch freigegeben worden ist. Denn nur dann können die Halter ihre Fahrzeuge auch tatsächlich in die Werkstatt bringen".

Laut Martin Führ, einem Juristen aus Darmstadt, liegt es im Ermessen der Flensburger Behörde, ob sie bereits über die ergangene Anordnung zum Rückruf informiert. Das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit sei in diesen Fällen sehr groß, so Führ. Daher sollte diese seiner Einschätzung nach sofort informiert werden - und nicht erst, wenn das Software-Update vorliegt.

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