Finger tippen auf einer Laptop-Tastatur | Bildquelle: dpa

Fahndung im Darknet Anklage gegen Handelsplatzbetreiber

Stand: 04.07.2019 05:00 Uhr

Im Juni 2017 schlossen Ermittler die illegale Downloadseite "Lul.to". Nach Informationen des BR wurde jetzt Anklage erhoben. Zwei der Angeklagten sollen zudem einen der weltweit größten Darknet-Handelsplätze betrieben haben.

Von Hakan Tanriverdi, BR

Nach Informationen von BR-Recherche wird den Angeklagten vorgeworfen, von 2013 bis 2017 die illegale Plattform "Lesen und Lauschen" (LuL.to) betrieben zu haben. Auf dieser Plattform sollen sie E-Books und Hörbücher für Centbeträge verkauft haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geht es um 35.569 Fälle des gewerbs- und bandenmäßigen Computerbetrugs sowie 144.871 Fälle der gewerbsmäßigen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke. Zwei der Männer haben nach Überzeugung der Bamberger Staatsanwälte das Portal aufgebaut und administriert. Die dritte angeklagte Person soll bei der Verschleierung von Zahlungsströmen geholfen haben.

Größte Plattform im deutschsprachigen Raum

"LuL.to war im deutschsprachigen Raum zum damaligen Zeitpunkt die größte Plattform im Internet", sagt Thomas Goger, Oberstaatsanwalt bei der Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg (ZCB). Das Material habe man sich vorher bei legalen Handelsplattformen für E-Books verschafft, den Kopierschutz umgangen und dann auf "LuL.to" zum Kauf angeboten "und letztlich über die sehr große Zahl an Kunden und Käufen ganz ordentlichen Reibach gemacht", wie Goger es formuliert.

Die Ermittler schlossen "LuL.to" bereits im Juni 2017. Dass die Anklage knapp zwei Jahre später erhoben wird, erklärt Goger mit der Vielzahl von Delikten: "Bei so vielen Fällen ist es relativ aufwendig, jeden einzelnen davon so genau zu fassen zu kriegen, dass man ihn in eine Anklage schreiben kann."

Screenshot der Seite "Lul.to"
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Screenshot der Seite "Lul.to"

Duo soll auch Darknet-Plattform betrieben haben

Bei Hausdurchsuchungen bei den Angeklagten stellten die Ermittler Vermögen von mehr als zwölf Millionen Euro sicher, das meiste davon in Form von Kryptowährungen wie Bitcoin. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die hohen Einnahmen auch daher kommen, dass die beiden Hauptangeklagten eine weitere Plattform betrieben: "Hansa Market", den damals zweitgrößten illegalen Handelsplatz im Darknet. In diesem Fall ermittelt die in Frankfurt ansässige Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT). Auch dort wird derzeit an einer Anklage gearbeitet. Auf "Hansa Market" wurden Drogen, gefälschte Pässe und ausgespähte Daten angeboten.

Weltweit haben Fahnder daran gearbeitet, das Duo festzunehmen. "Bei erfolgreichen Ermittlungsverfahren im Bereich der Internetkriminalität ist eine internationale Zusammenarbeit unerlässlich", sagt ZIT-Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk dem BR. An den Ermittlungen rund um "Hansa Market" beteiligt waren Europol, das FBI, Ermittler aus den Niederlanden, Litauen und aus Deutschland. Die beiden Tatverdächtigen aus Köln und dem Landkreis Siegen-Wittgenstein waren zum Zeitpunkt der Festnahme 30 und 31 Jahre alt.

Grober Fehler entlarvt Angeklagte

Die Ermittler kamen den Angeklagten auf die Spur, als diese durch eine Unachtsamkeit den Standort eines ihrer Internetserver preisgaben. Ermittler forderten beim Betreiber des Servers eine Kopie der Daten an - und stießen auf zahlreiche private Chats.

"Die entscheidenden Spuren ergaben sich aus der sichergestellten Chat-Kommunikation", sagt Ungefuk von ZIT. Es sei möglich gewesen, aus den Chats auf die Identität der Betreiber zu schließen. Konkreter will sich Ungefuk nicht öffentlich äußern. Nach Informationen des BR fanden die Ermittler mehr als 17.000 Zeilen Chat-Kommunikation, in der die Beschuldigten unter anderem ihre echten Namen verrieten.

Screenshot der Darknet-Plattform Hansa Market
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Screenshot der Plattform "Hansa Market"

Verdeckte Ermittlungen

Die Angeklagten zeigten sich in beiden Fällen weitgehend geständig. Sie übergaben Zugänge zu Accounts - und schulten einige Ermittler sogar im Nutzersupport. Um an Kunden und Dealer zu kommen, betrieben die Ermittler aus den Niederlanden den Darknet-Marktplatz "Hansa Market" einen Monat lang verdeckt weiter. Deutschen Ermittlern ist ein solches Vorgehen nicht erlaubt.

Sinn des verdeckten Betreibens von "Hansa Market" sei es gewesen, so berichtet es einer der Ermittler, der nicht namentlich genannt werden will, dass sich Nutzer nicht mehr sicher fühlen können, wenn sie im Darknet unterwegs sind. Dennoch geht der Frankfurter Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk davon aus, dass Handel im Darknet weiterhin stattfinden wird. Die Nachfrage sei einfach zu groß. 

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Juli 2019 um 07:11 Uhr.

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