Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn.

Video vom 10.05.2010 Bärbel Höhn, Vizechefin der Grünen-Bundestagsfraktion

Stand: 10.05.2010 16:25 Uhr

Bärbel Höhn stellte sich im tagesschau-Videochat den Fragen der User und der Redaktion von tagesschau.de.

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, hat den Erfolg ihrer Partei mit der Themensetzung im Wahlkampf begründet. So habe die Schul- und Energiepolitik eine große Rolle gespielt, so Höhn im Videochat bei tagesschau.de. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sei in der Schulpolitik ein "klarer Ideologie", der an dem starren dreigliedrigen Schulkonzept festhalte.

Zudem sei es wichtig, dass nun die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundesrat gebrochen worden sei, damit werde in der Atompolitik der "Ausstieg aus dem Ausstieg" schwieriger. Höhn warf den Energiekonzernen in diesem Zusammenhang Vertragsbruch vor. "Diese fordern Verlässlichkeit von der Politik, sind selbst aber nicht zuverlässig", betonte die Grünen-Politikerin. Rot-Grün sei wieder eine realistische Option - und die Unzuverlässigkeit der Konzerne sei auch für die künftige Energiepolitik wichtig.

"Rot-Grün-Rot" als Option

Höhn betonte, die Grünen streben keine rot-grüne Koalition mit Tolerierung der Linkspartei an. Wenn müsse es eine "rot-grün-rote" Koalition geben. Die Linkspartei müssen auch Verantwortung übernehmen. Es sei "total verrückt, nicht mit der Linkspartei zu sprechen". Die Grünen wollen sich laut Höhn inhaltlich mit der Linkspartei auseinandersetzen. Diese werde nur gestärkt, wenn man sie total isoliert.

Höhn betonte, Rot-Grün sei wieder eine realistische Option. Die Grünen seien erfolgreich, da sie als "Zukunftspartei langfristig denken". Damit stoße die Partei besonders bei der jüngeren Generation oder auch Familien mit kleinen Kindern auf Zuspruch. Die erste Generation der Grünen werde älter - aber es kämen immer wieder jüngere Leute nach. Die Grünen seien auch keine Partei der Besserverdiener, sondern die der Gutausgebildeten, so Höhn. Denn gute Ausbildung bedeute nicht automatisch hohes Einkommen. "Wir haben beispielsweise viele alleinerziehende Frauen oder Studenten."

"Der Turbo-Kapitalismus ist eines der größten Übel"

Die Grünen-Politikerin zog eine Parallele zur Abwahl von Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen und abschließend im Bund im Jahr 2005. Ein Grund für die niedrige Wahlbeteiligung war ihrer Ansicht nach, dass viele CDU und FDP-Wähler zu Hause geblieben sind. Grund dafür ist laut Höhn auch die Eurokrise, da sich die Bundesregierung viel zu spät auf die Griechenlandhilfe eingelassen und damit den Spekulanten den Weg geebnet habe.

"Der Kapitalismus ist in einer Krise", sagte Höhn. Der Turbo-Kapitalismus sei "eines der größten Übel, für das wir wirklich hart zahlen". Man müsse nun einen neuen "eigenen Weg finden - zwischen alles verstaatlichen und alles privatisieren".

Beim tagesschau-Videochat können die User die Antworten des Gastes per Ton und Bild im Livestream mitverfolgen und jederzeit Fragen per Internet live in den Chat schicken. Der tagesschau-Videochat wird veranstaltet von tagesschau.de in Zusammenarbeit mit politik-digital.de.

Im Video sehen Sie den kompletten Mitschnitt des Chats, der am Montag, den 10. Mai 2010 von 13.00 bis 13.45 Uhr live auf tagesschau.de und in Ausschnitten bei EinsExtra gesendet wurde. Er wurde moderiert von Nicole Diekmann.

Zur Person

Bärbel Höhn, geboren 1952 in Flensburg. Höhn studierte in Kiel Mathematik und Volkswirtschaft und schloss ihr Studium als Diplom-Mathematikerin ab. Die Anti-AKW-, Friedens- und Frauenbewegung der 1970er Jahre markierte den Beginn ihres politischen Engagements, das sich zunächst auf die Kommunalpolitik in Oberhausen konzentrierte. 1985 trat Bärbel Höhn den Grünen bei, für die sie 1990 als Spitzenkandidatin in den Landtag von Nordrhein-Westfalen einzog. Dort war sie bis 1995 Fraktionssprecherin. Zwischen 1995 und 2000 war sie in Nordrhein-Westfalen Ministerin für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft, von 2000 bis 2005 Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Im Jahr 2005 zog Bärbel Höhn für die Grünen in den Bundestag ein. Seit Mai 2006 ist sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende und zuständig für die Bereiche Umwelt, Energie, Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Tierschutz, Bauen und Verkehr.