Überwachung der Maschinen mit einem Smartphone | Bildquelle: picture alliance / ZB

Milliarden für "Zukunftszentren" Den Mittelstand digitalisieren

Stand: 13.03.2019 09:23 Uhr

Mittelständische Firmen gehen Veränderungen gern hemdsärmelig an. Doch bei der Digitalisierung wissen sich viele nicht zu helfen. "Zukunftszentren" sollen sie fit für den Wandel machen.

Von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtstudio

Das Warenlager organisieren, die Abrechnung machen und Kundenanfragen speichern - wofür es früher eine Menge Papier brauchte, das können heute Computerprogramme erledigen. Aber die muss auch jemand bedienen. Und die Umstellung ist vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen nicht leicht.

Ein neues Förderprogramm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales soll helfen. "Wir machen jetzt eine Ausschreibung, und dann bewerben sich Unternehmen gemeinsam mit Institutionen wie Universitäten, die dann Beratung anbieten für kleine und mittlere Betriebe, die nicht selbst eine riesige Personalabteilung haben", erklärt der zuständige Staatssekretär Björn Böhning.

 Beschäftigte auf den neuesten Stand bringen

"Zukunftszentren" sollen diese Verbünde heißen. Sie sind erst einmal nur in Ostdeutschland geplant, eines pro Bundesland. Im Herbst soll feststehen, wer gefördert wird. 36 Millionen Euro gibt es dann für die folgenden zwei Jahre vom Bund und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, dazu kommen regionale Mittel.

Die Zukunftszentren können davon Weiterbildung anbieten und Unternehmen je nach Bedarf beraten, sagt Böhning: "Welche Qualifikation brauche ich in der Digitalisierung? Was kann ich tun dafür, dass meine Beschäftigten auf den neuesten Stand kommen?"

Im Mittelstand fehlt die digitale Eigenexpertise

Es ist nicht das erste Programm dieser Art: Das Bundeswirtschaftsministerium fördert deutschlandweit 25 Kompetenzzentren, die dem Mittelstand bei der Digitalisierung helfen. So zum Beispiel das "Kompetenzzentrum Berlin": In drei Jahren haben Fachleute 40.000 Unternehmen in Berlin und Brandenburg beraten.

Das hilft, ist die Leiterin Alexandra Horn überzeugt: "Weil wir es bisher im Mittelstand so kennen, dass die Mittelständler sich selbst helfen können. Da ist man sehr pragmatisch und hemdsärmelig. Aber bei diesem Thema fehlt die interne Expertise." Darin liege vielleicht der eigentliche Hemmschuh für die Digitalisierung, meint Horn.

Die Fachleute der Zentren schauen sich die Abläufe in den Unternehmen an und überlegen gemeinsam, was sich wie digital besser machen lässt.

Bundesweites Zentrum geplant

Das neue Förderprogramm soll beim nächsten Schritt helfen, nämlich die Mitarbeiter dafür auszubilden. Das findet Alexandra Horn sinnvoll. Aber das nur auf den Osten zu beschränken? Entscheidend für den Bedarf sei eher, ob eine Region strukturschwach oder an eine Metropolregion angeschlossen sei. "Die Praxis zeigt, Ost und West ist nicht das unterscheidende Kriterium."

Doch bei den EU-Mitteln gibt es Vorgaben, weshalb das Förderprogramm erst einmal nur in den ostdeutschen Bundesländern startet. Hier sei es besonders dringlich, erklärt der Staatssekretär für Arbeit und Soziales, Böhning, und verweist auf den demografischen Wandel und den Kohleausstieg.

Für den bundesweiten Austausch soll es ein übergeordnetes "Zentrum für digitale Arbeit" geben - und später auch "Zukunftszentren" in Westdeutschland. Die Digitalisierung sorgt schließlich überall für Veränderung.

Zukunftszentren: Digitalisierung im Mittelstand fördern
Vera Wolfskämpf, ARD Berlin
13.03.2019 08:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. März 2019 um 06:29 Uhr.

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