Zuckerwürfel | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Zucker-Reduktion Diabetes-Experten gegen Klöckners Plan

Stand: 12.02.2019 18:07 Uhr

Fertigprodukte sollen weniger Zucker enthalten. Freiwillig soll die Industrie das umsetzen, so der Plan von Ernährungsministerin Klöckner. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft will dabei nicht mitmachen.

Die Strategie von Ernährungsministerin Julia Klöckner für gesündere Fertigprodukte kommt in Gang - doch gleich zum Start hat die CDU-Politikerin eine Absage kassiert. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) will kein Teil des Begleitgremiums sein, das den Prozess im Auge behalten soll.

"In seiner jetzigen Form hat die Wissenschaft in dem Gremium praktisch keinen Einfluss auf die Formulierung konkreter Reduktionsziele", teilte Präsident Dirk Müller-Wieland mit. "Bisher bleiben diese weit hinter dem zurück, was aus wissenschaftlicher Sicht notwendig wäre, um den Anstieg von Übergewicht und Diabetes in Deutschland zu stoppen." Der deutsche Sonderweg, eine Reduzierung von Zucker, Salz und Fett in Fertiglebensmitteln nur freiwillig und im Konsens mit der Industrie zu erreichen, müsse bereits jetzt als gescheitert angesehen werden.

Bedauern über Absage

Klöckner bedauerte die Absage der Diabetesexperten: Wer nicht mitmache, nehme sich die Möglichkeit, sich konstruktiv zu beteiligen. Sie betonte, es sei wichtig, dass die Beteiligten an einem Tisch säßen, um machbare und überprüfbare Ziele zu finden.

Allerdings ist die DDG nach eigenen Angaben weiter zum Dialog mit dem Ernährungsministerium bereit, beispielsweise über eine für alle verständliche Lebensmittelkennzeichnung oder den Schutz von Kindern vor Werbung für ungesunde Produkte. "Wir erwarten, dass hier der Schutz der Gesundheit Vorrang hat vor den wirtschaftlichen Interessen der Lebensmittelindustrie", erklärte DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer.

Frau vor Kühlregal mit Milchprodukten
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Fertigprodukte aus Milch enthalten oft zu viel Zucker.

Verpflichtung ohne Verbindlichkeiten

Klöckner will, dass die Nahrungsmittelbranche schrittweise weniger Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukte wie Tiefkühlpizza oder Müsli packt. Dabei soll sich die Branche freiwillig auf Reduktionsziele verpflichten. Unter anderem verpflichtete sich die Getränkeindustrie dazu, bis 2025 in ihren nicht-alkoholischen Produkten den Zuckergehalt um 15 Prozent zu reduzieren. Frühstücks-Cerealien für Kinder sollen bis dahin 20 Prozent weniger Zucker enthalten, Joghurts für Kinder zehn Prozent weniger. Allerdings sind die Vereinbarungen nicht verbindlich.

Kritiker fordern dagegen verbindliche Vorgaben für die Branche. Heute sollte sich das Gremium erstmals treffen.

In Deutschland gelten laut Ministerium 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder als übergewichtig. Zu viel Zucker, Fett und Salz erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Expertenrunde: Weniger Zucker, Salz und Fett!
C. Plaß, ARD Berlin
12.02.2019 18:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 12. Februar 2019 um 17:22 Uhr.

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