Deniz Yücel | Bildquelle: dpa

Journalist im Gefängnis Abgeordnete fordern Freiheit für Yücel

Stand: 24.02.2017 20:26 Uhr

Seit 10 Tagen sitzt er in der Türkei im Gefängnis - nun fordern mehr als 150 Bundestagsabgeordnete die Freilassung des deutsch-türkischen Journalisten Yücel. Auch das Auswärtige Amt macht Druck. Yücel wird unter anderem Terrorpropaganda vorgeworfen.

Mehr als 150 Bundestagsabgeordnete haben die türkische Regierung aufgerufen, sich für eine schnelle Freilassung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel einzusetzen. "Wir wenden uns an Sie aus Sorge um die deutsch-türkische Freundschaft", heißt es in einem Schreiben an den türkischen Botschafter in Deutschland, Kemal Aydin. Der "Welt"-Korrespondent Yücel befindet sich seit Dienstag vergangener Woche in türkischem Polizeigewahrsam.

"Wie es bei jedem freien Journalisten und kritischen Geist der Fall ist, erregt seine Arbeit teilweise Anstoß. Es ist der Anstoß des freien Denkens und der offenen politischen Debatte", heißt es über Yücel in dem Schreiben, aus dem die "Neue Osnabrücker Zeitung" zitierte. Diese Debatte sei "das beste Mittel gegen den Terrorismus, der ihm jetzt anscheinend vorgeworfen wird". Und weiter: "Wir plädieren daher dringend an Sie, sich für die schnelle Freilassung von Deniz Yücel einzusetzen und ihm und seinen KollegInnen die freie Arbeit zu ermöglichen."

Das Schreiben an den türkischen Botschafter wurde von zahlreichen Abgeordneten von SPD, Grünen und Linkspartei unterzeichnet, darunter auch die Fraktionsspitzen von Grünen und Linken, außerdem von etwa 15 Parlamentariern der CDU/CSU. Die Initiative zu dem Schreiben kam von den Parlamentariern Niels Annen (SPD) und Omid Nouripour (Grüne).

Auswärtiges Amt mahnt zur Eile

Das Auswärtige Amt mahnte im Fall Yücel Eile an. "Wir haben nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür, dass Herr Yücel seine Tätigkeit als Journalist in irgendeiner Weise missbraucht hätte, sondern er ist engagiert seiner Arbeit nachgegangen", sagte Ministeriumssprecher Martin Schäfer in Berlin. "Und wir hoffen und erwarten, dass eine Entscheidung durch die zuständigen türkischen Justizbehörden gefällt wird, die dem Rechnung trägt, und zwar so schnell wie irgend möglich."

Petition für Meinungsfreiheit in der Türkei

Schriftsteller, Buchhändler und Journalisten riefen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem entschlossenen Einsatz für die Meinungsfreiheit in der Türkei auf. "Die Freiheit des Wortes ist in der Türkei akut bedroht", heißt es in einer Petition, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Autorenverband PEN-Zentrum Deutschland sowie Reporter ohne Grenzen an Regierungssprecher Steffen Seibert übergaben. Der regierungskritische türkische Journalist Can Dündar sagte bei der Übergabe: "Die Türkei ist das größte Journalisten-Gefängnis der Welt geworden."

Ausnahmezustand

Yücel ist sowohl türkischer als auch deutscher Staatsbürger. Dem Journalisten werden Datenmissbrauch, Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Während des geltenden Ausnahmezustands können Verdächtige in der Türkei auf Beschluss des Staatsanwaltes bis zu 14 Tage in Polizeigewahrsam gehalten werden. Diese Frist läuft bei Yücel am Dienstag ab. Spätestens dann muss der 43-Jährige entweder freigelassen oder einem Haftrichter vorgeführt werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Februar 2017 um 20:00 Uhr.

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