Video mit dem Täter | Bildquelle: dpa

Anschlag in Würzburg Freundlicher Junge, islamistischer Terrorist

Stand: 20.07.2016 04:40 Uhr

Die Ermittler stehen nach dem Anschlag von Würzburg vor einem Rätsel: Wie konnte aus einem als freundlich beschriebenen Jungen quasi über Nacht ein islamistischer Terrorist werden? Auslöser könnte der Tod eines Freundes in Afghanistan gewesen sein, vermutet das LKA.

Der Terrorakt in einem Regionalzug am Montag hat nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler einen islamistischen Hintergrund. Der 17-Jährige aus Afghanistan habe sich an Nicht-Muslimen rächen wollen, die seinen Glaubensbrüdern Leid angetan hätten, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager. Auslöser könnte die Nachricht vom Tod eines Freundes in Afghanistan gewesen sein, sagte Lothar Köhler vom bayerischen LKA. Danach habe er viel telefoniert. Wer dieser Freund war, und wie er zu Tode kam, ist noch nicht klar.

Der Tat bei Würzburg ging also möglicherweise eine schnelle Radikalisierung voraus - offenbar im Umfeld unbemerkt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte unter Berufung auf Zeugen, der junge Mann habe als "eher ruhiger, ausgeglichener Mensch" gegolten.

Auch Bekannte des Täters bezeichneten ihn als ganz normalen Mann. Er sei "sympathisch, freundlich, entspannt" gewesen, sagte die Flüchtlingsbeauftragte der AWO Ochsenfurt, Simone Barrientos, im ARD-Brennpunkt. Nichts an ihm habe stutzig gemacht - "im Gegenteil".

Hintergründe der Zugattacke bei Würzburg
tagesthemen 22:30 Uhr, 19.07.2016, Vera Cornette und Anna Tilllack, BR

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Drohvideo offenbar echt

Ob der junge Mann bei der Radikalisierung in Verbindung zum "Islamischen Staat" stand, ist derzeit unklar. Es gibt eine Reihe von Indizien, die darauf hindeuten. So gehen die deutschen Sicherheitsbehörden davon aus, dass das vom IS-Sprachrohr Amaq veröffentlichte Drohvideo echt ist. Innenminister Hermann bestätigte, der Mann auf dem Video sei der Täter von Würzburg. Dies habe ein Gesichtsvergleich ergeben. Außerdem hätten Zeugen auf dem Video klar erkannt, dass dieses in Würzburg aufgenommen worden sei. In dem Video erklärt der mutmaßliche Täter, die Soldaten von "Ungläubigen" würden in ihren Häusern, Dörfern oder auf Flughäfen zu Zielscheiben.

Die Tat von Würzburg
Brennpunkt, 19.07.2016

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"Bete für mich, dass ich in den Himmel komme"

Für authentisch halten die Ermittler auch einen Abschiedsbrief des 17-Jährigen. Darin schreibt er offenbar an seinen Vater, so das LKA. Unter anderem heißt es: "Jetzt bete für mich, dass ich mich an diesen Ungläubigen rächen kann und bete für mich, dass ich in den Himmel komme." In dem Zimmer des mutmaßlichen Täters sei ein Schreibblock gefunden worden, in dem sich eine handgemalte Flagge des IS befand.

"Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass er zumindest Wert darauf gelegt hat, seine Tat in den Zusammenhang zum IS zu stellen", sagte Kanzleramtsminister Peter Altmaier. Inwieweit die Terrormiliz "Islamischer Staat" selbst involviert gewesen sei, müsse überprüft werden. "Wir werden jedem Hinweis nachgehen."

Gute Aussichten auf eine Lehrstelle

Der junge Mann war nach offiziellen Angaben vor einem Jahr als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in der Region Passau registriert und zunächst in eine Aufnahmeeinrichtung gebracht worden. Dort habe er im Dezember einen Asylantrag gestellt; im vergangenen März sei ihm die Aufenthaltsgenehmigung erteilt worden.

Vor zwei Wochen sei er dann in eine Pflegefamilie gekommen. Dort sei er weder als aggressiv noch als reizbar aufgefallen. Die Perspektive für eine gelungene Integration erschien gut. Er absolvierte ein Praktikum in einem mittelständischen Betrieb. Nach Angaben der bayerischen Sozialministerin Emilia Müller gab es bereits die Aussicht auf eine Lehre - "gute Voraussetzungen", wie sie betonte.

Innenministerium: Täter kommt aus Afghanistan

Das bayerische Innenministerium geht weiter davon aus, dass der Attentäter von Würzburg aus Afghanistan stammt. "Nach unseren Erkenntnissen hat er beim Grenzübergang in Passau, beim Landratsamt in Würzburg und beim Ausländerzentralregister immer den gleichen Namen und Geburtsort in Afghanistan angegeben", sagte ein Ministeriumssprecher der dpa.

Zuvor hatte das ZDF unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, inzwischen gebe es Zweifel an der Herkunft des 17-Jährigen. In seinem Zimmer habe die Polizei auch ein pakistanisches Dokument gefunden. Es gebe Anhaltspunkte, wonach sich der Täter bei seiner Registrierung in Deutschland als Afghane ausgab, um seine Chancen zur Anerkennung als Flüchtling zu erhöhen, berichtete das heute-journal.

Polizisten stehen in Würzburg (Bayern) neben einem Regionalzug. | Bildquelle: dpa
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Auf freier Strecke stoppte der Zug per Nothalt, dann flüchtete der Täter.

Der junge Mann hatte am Montagabend in einem Regionalzug bei Würzburg mit einem Messer und einer Axt andere Fahrgäste angegriffen. Danach floh er aus dem Zug und wurde später von Polizisten erschossen. Insgesamt verletzte er fünf Menschen schwer, darunter vier Mitglieder einer chinesischen Familie. Zwei der Verletzten schweben weiter in Lebensgefahr.

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