Zwei Polizeibeamte stehen am Tatort vor dem abgesperrten Kaufhaus in Würzburg.

Messerattacke in Würzburg Motive des Täters weiterhin unklar

Stand: 28.06.2021 10:25 Uhr

Laut Bayerns Innenminister Herrmann sind die genauen Motive des mutmaßlichen Täters von Würzburg weiterhin unklar. Von den schwerverletzten Opfern schwebe mittlerweile keines mehr in Lebensgefahr.

Nach dem Messerangriff von Würzburg sind die genaueren Hintergründe und Motive des mutmaßlichen Täters nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann weiterhin unklar. Die Frage, ob der Verdächtige zusätzlich zu einer psychischen Erkrankung auch als Terrorist einzustufen sei, lasse sich "zum gegenwärtigen Zeitpunkt so noch nicht beantworten", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Auch ob typische islamistische Ausrufe des Täters während der Tat "von Bedeutung" seien, sei derzeit noch unklar, fügte der Minister an. "Wir können dazu heute noch kein abschließendes Urteil abgeben."

Von zentraler Bedeutung für die Rekonstruktion sei nun die Auswertung zweier Handys, die in der Unterkunft des mutmaßlichen Täters beschlagnahmt wurden. Zu wem der Mann genau Kontakt hatte, könne er aktuell jedoch noch nicht sagen.

Dem Radiosender "Bayern 2" vom BR sagte Herrmann, dass es einige Hinweise auf ein islamistisches Motiv beim mutmaßlichen Täter gebe. "Es gibt Zeugen, die sagen, der Täter habe im Kaufhaus 'Allahu Akhbar' ausgerufen, als er die ersten Stiche auf Personen verübt hat." Zudem gebe es weitere Aussagen vom Laufe des Abends, als der Täter davon gesprochen haben soll, es sei sein persönlicher Beitrag zum Dschihad. In seiner Unterkunft sei außerdem "einiges an Material gefunden worden, was auf islamistisches Propagandamaterial hindeutet", so Herrmann.

Fünf Opfer außer Lebensgefahr

Von den fünf schwerverletzten Opfern schwebt nach Angaben von Herrmann keines mehr in Lebensgefahr. Es sei aber zu befürchten, dass bei einigen "langanhaltende Schäden" blieben. Die Tat sei "unglaublich brutal" gewesen.

Laut Ermittlern war der in einer Obdachlosenunterkunft lebende Verdächtige bereits vor der Bluttat mehrmals wegen verwirrten und aggressiven Verhaltens auffällig geworden und daher zweimal vorübergehend in einer psychiatrischen Klinik. Er hatte aber niemanden verletzt. Auch diese krankheitsbedingte Vorgeschichte werde derzeit eingehender beleuchtet, sagte Herrmann.

Herrmann warnte davor, "jetzt eine Schublade zu suchen, in die man dann so einen Täter verpacken kann". Das Verbrechen sei insgesamt "furchtbar sinnlos", für die Verletzten und Hinterbliebenen mache dies zunächst wohl auch keinen Unterschied. Allerdings sei es wichtig, den Motiven und Hintergründen für die künftige Präventionsarbeit nachzugehen.

Herrmann verwies darauf, dass Fachleuten zufolge häufiger eine "Kombination" aus psychischen Problemen und Anfälligkeiten für "radikale Hirngespinste" bei Attentätern vorliege. Derartige Konstellationen habe es auch bei Tätern im rechtsextremistischen Bereich gegeben, sagte er. Das müsse deshalb analysiert werden.

Experten werten gefundene Gegenstände aus

Die in der Obdachlosenunterkunft des Verdächtigen gefundenen Gegenstände werden derzeit von Islamwissenschaftlern bewertet. "Aber wir sind bei Weitem noch nicht so weit, dass wir sagen können, wir haben es ausgewertet", sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA). Zu den Funden zählen auch zwei Handys. "Wir gehen davon aus, dass sie dem mutmaßlichen Täter gehören", sagte der Sprecher.

Welche weiteren Gegenstände nun untersucht und bewertet werden, sagte der Sprecher nicht. Damit ist unklar, ob unter anderem auch Schriftstücke entdeckt wurden, die auf ein politisches Motiv hindeuten könnten.

Der Angreifer hatte in der Würzburger Innenstadt drei Frauen getötet und zahlreiche weitere Menschen mit einem Messer attackiert, bevor er von Polizisten mit einem gezielten Schuss ins Bein gestoppt und überwältigt wurde. Passanten hatten zuvor bereits versucht, den Mann in Schach zu halten. Der mutmaßliche Täter sitzt wegen mehrfachen Mordes und Mordversuchs in Untersuchungshaft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juni 2021 um 09:00 Uhr.