Absperrung vor dem Tatort in Würzburg | pa/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Messerattacke in Würzburg Suche nach Motiv dauert an

Stand: 29.06.2021 12:37 Uhr

Nach der Messerattacke in Würzburg haben die Ermittler bisher keine Beweise für ein islamistisches Motiv entdeckt. Ein solcher Hintergrund sei aber naheliegend. Ein Gutachten soll die Schuldfähigkeit des Tatverdächtigen klären.

Die Ermittler sehen nach der Messerattacke in Würzburg einen islamistischen Hintergrund für die Tat als "naheliegend" an. Fraglich sei aber, ob der mutmaßliche Täter in eine Terrororganisation eingebunden gewesen sei, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA).

In der Würzburger Unterkunft des aus Somalia stammenden Mannes seien jedoch keine Hinweise für ein islamistisches oder extremistisches Motiv entdeckt worden. Allerdings hatte er bei seinem Angriff auf mehrere Menschen am Freitag Augenzeugen zufolge "Allahu Akbar" ausgerufen. Später im Krankenhaus soll er von seinen Taten als seinen "Dschihad", also als seinen "Heiligen Krieg", gesprochen haben.

Gutachten über Psyche

Auch Bayerns Innenministers Joachim Herrmann hatte von einigen Hinweisen auf ein islamistisches Motiv gesprochen, noch seien die Hintergründe aber zu unklar. Ihm zufolge erhoffen sich die Ermittler Erkenntnisse aus der Auswertung zweier Handys, die in der Unterkunft des Verdächtigen beschlagnahmt worden seien.

Ein gerichtspsychiatrisches Gutachten soll im Zuge dessen die Schuldfähigkeit des in der Vergangenheit psychisch auffälligen Mannes klären. Je nach Ergebnis könnte er zur Behandlung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden.

Mutmaßlicher Täter lebte in Obdachlosenheim

Der 24-Jährige hatte zuletzt in der städtischen Obdachlosenunterkunft in Würzburg gelebt. In der Stadt war er laut Landeskriminalamt bereits seit Anfang September 2019 ansässig, nachdem er im Mai 2015 nach Deutschland eingereist war. Der Somalier hatte demnach in der Bundesrepublik subsidiären Schutz zugesprochen bekommen, da er in seinem Asylantrag angegeben hatte, vor der Terrororganisation Al-Shabaab geflohen zu sein.

Schwerverletzte Opfer außer Lebensgefahr

Der 24-Jährige hatte bei seiner Attacke in der Würzburger Innenstadt offenbar wahllos auf Menschen eingestochen. Drei Frauen starben infolge des Angriffs, sieben Menschen wurden teils schwer und ein Mann leicht verletzt. Auch ein elf Jahre altes Mädchen wurde Ziel des Angriffs. Mittlerweile schwebt keines der schwerverletzten Opfer mehr in Lebensgefahr.

Die Polizei stoppte den Verdächtigen durch einen Schuss ins Bein. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Ihm werden dreifacher Mord, versuchter Mord, gefährliche sowie vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen.

Etwa 130 Polizisten an Ermittlungen beteiligt

Rund 130 Polizeikräfte sind an den Ermittlungen zu dem Angriff beteiligt. Bereits am Samstag hatte die Zentralstelle für Extremismus und Terrorismus der Generalstaatsanwaltschaft München das Ermittlungsverfahren übernommen. Das Landeskriminalamt richtete die Sonderkommission "Main" ein und wird vom Polizeipräsidium Unterfranken unterstützt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juni 2021 um 12:00 Uhr.