Blumen und Kerzen liegen am Tatort vor dem abgesperrten Kaufhaus in Würzburg. | dpa

Messerattacke in Würzburg Ermittler treiben Spurensuche voran

Stand: 27.06.2021 12:27 Uhr

Noch immer sind viele Fragen nach der tödlichen Attacke in Würzburg offen. Ermittler versuchen, die Hintergründe und Motiv des mutmaßlichen Täters aufzuklären. Heute soll bei einer Trauerfeier der Opfer gedacht werden.

Nach der Gewalttat in Würzburg mit drei Toten und sieben Verletzten sind die Ermittler weiterhin mit Spurenauswertung und Zeugenbefragungen beschäftigt. Ziel sei es, den genauen Tatablauf zu rekonstruieren und das Motiv des Angreifers herauszufinden, sagte ein Polizeisprecher.

Die Ermittler gehen zum einen dem Verdacht nach, der 24 Jahre alte Somalier könnte psychisch krank sein. Zum anderen könnte eine extremistische Einstellung für den Messerangriff des Mannes in der Innenstadt mitverantwortlich gewesen sein.

Das bayerische Landeskriminalamt leitet in Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft München die Ermittlungen. So untersuchen die Beamten ein Handy, das in jener Würzburger Obdachlosenunterkunft entdeckt worden war, wo der Angreifer wohnt. "Die Auswertungen dauern erfahrungsgemäß mehrere Tage", sagte ein Beamter. "Das muss jetzt alles übersetzt und bewertet werden."

Haftbefehl lautet auf dreifachen Mord

Bei der Einordnung der Gewalttat hatte Landesinnenminister Joachim Herrmann eine islamistische Motivation nicht ausgeschlossen: "Es gibt jedenfalls Indizien dafür, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handeln könnte", sagte er.

Ein Zeuge gab ihm zufolge an, der Verdächtige habe bei der Tat "Allahu Akbar" (deutsch: Gott ist groß) gerufen. Dschihadisten und Salafisten benutzen diesen Ausdruck oft wie einen Schlachtruf.

Die Polizei konnte den 24-Jährigen nach den Angriffen mit einem Schuss in den Oberschenkel stoppen und festnehmen. Er sitzt nun in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl laute auf dreifachen Mord und sechsfachen versuchten Mord, sagte der Pflichtverteidiger Hanjo Schrepfer.

"Mandant womöglich suizidgefährdet"

Er hält es für möglich, dass sich sein Mandant in der Untersuchungshaft etwas antun könnte. "Was ich feststelle, ist, dass er psychisch auffällig ist", sagte Schrepfer der Nachrichtenagentur dpa. Auch die Ermittler sehen offensichtlich diese Gefahr. Die zuständige Justizvollzugsanstalt sei über eine mögliche Selbstgefährdung informiert, teilten sie mit.

Der mutmaßliche Täter ist nach Angaben der Polizei somalischer Staatsangehöriger. Er hält sich laut Staatsanwaltschaft im Zuge eines Asylverfahrens legal in Deutschland auf. Der Mann befand sich wegen Gewalttaten bereits in psychiatrischer Behandlung.

Kundinnen starben im Kaufhaus

Die Polizei konnte zudem genauere Angaben zu den Opfern machen. Demnach starben in einem Kaufhaus drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren. Der Verdächtige hatte die Opfer, die dort einkaufen wollten, unvermittelt mit einem Messer angegriffen, das er sich zuvor in der Haushaltswarenabteilung besorgt hatte.

Zudem verletzte der Somalier in dem Geschäft einen 57 Jahre alten Mann leicht. Der 24-Jährige griff in dem Laden den Ermittlungen zufolge auch eine 52-jährige Frau an. Sie wurde schwer verletzt, ist aber außer Lebensgefahr. Auf der Straße vor dem Kaufhaus fanden Polizisten ein elfjähriges Mädchen sowie einen 16 Jahre alten Jugendlichen - beide mit schweren Verletzungen. Lebensgefahr bestünde bei beiden nicht mehr.

Der Täter verletzte darüber hinaus eine 26 Jahre alte Frau leicht - sie wurde ebenfalls auf der Straße gefunden. In einer nahen Bank soll der Mann eine weitere Frau angegriffen haben. Die 73-Jährige kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, ist aber laut Polizei nun außer Lebensgefahr.

Eine 39-Jährige, die der Somalier ebenfalls attackierte, ist laut Polizei nicht mehr in einem lebensbedrohlichen Zustand. Wo der Mann diese Frau angriff, war zunächst unbekannt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Juni 2021 um 10:00 Uhr und um 12:00 Uhr.

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Moderation 27.06.2021 • 16:51 Uhr

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