Gesetzentwurf

Der Wolf im Kabinett

Stand: 22.05.2019 11:37 Uhr

Wann darf ein Wolf in Deutschland abgeschossen werden? Darüber wurde lange gestritten. Nun gibt es eine Einigung - auf einen leichteren Abschuss. Der Gesetzentwurf ist heute vom Kabinett gebilligt worden.

Nach mehr als einjährigem Ringen gibt es in der Bundesregierung eine Einigung über einen leichteren Abschuss von Wölfen. Aber der Wolf bleibe eine streng geschützte Tierart, erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Die Vorlage wurde nun vom Kabinett beschlossen.

Der Entwurf sieht unter anderem vor, dass künftig nach Wolfsrissen auch dann Wölfe geschossen werden dürfen, wenn nicht klar ist, welches Tier genau zugebissen hat. Und zwar so lange, bis es keine weiteren Risse gibt. Das kann auch bedeuten, dass ein ganzes Rudel geschossen wird. Allerdings muss jeder Abschuss vorher von den Landesbehörden genehmigt werden.

Künftig sollen "ernste Schäden" für Nutztierhalter als Grundlage für eine Genehmigung ausreichen. Bisher musste der betroffene Tierhalter in seiner Existenz bedroht sein.

Der Gesetzentwurf helfe, das Nebeneinander von Wolf und Weidetierhaltung in Deutschland zu ermöglichen, sagte Schulze. "Wir haben auf die Sorgen vor Ort reagiert. Da, wo es ein Problem gibt, lösen wir es. Und da wo es keines gibt, gilt der Artenschutz uneingeschränkt."

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) konnte sich nicht mit der Forderung nach wolfsfreien Zonen durchsetzen. In diesen wäre auch ohne Anlass ein Abschuss von Wölfen möglich. Schulze hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass dies weder mit deutschen noch mit europäischen und internationalen Artenschutzregeln vereinbar wäre.

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Bundeskabinett beschließt Kompromiss zum Abschuss von Wölfen

nachtmagazin 00:20 Uhr, 23.05.2019, Fabienne von der Eltz, ARD Berlin

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sagte, die auch mit den Ländern abgestimmte Neuregelung solle den Abschuss von Wölfen "vereinfachen und rechtssicher gestalten". Von einem "guten ersten Schritt" sprach Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD), er drängte aber auf weitere Konkretisierungen.

Sowohl Umweltverbände als auch Jäger und der Bauernverband haben den Entwurf kritisiert. Der Umweltverband BUND sprach von einem "Angriff auf das Artenschutzrecht". Der BUND-Experte Olaf Bandt fürchtet, dass es künftig möglich sei, "nach Rissen einfach auf Verdacht das ganze ortsansässige Rudel abzuschießen". Zudem könne sich dies auch auf andere seltene Tierarten wie Eisvogel, Kranich und Fischotter auswirken. Um Probleme mit Wölfen zu vermeiden, drängte der BUND vorrangig auf besseren Herdenschutz.

Das in Deutschland ehemals ausgerottete Raubtier breitet sich seit Jahren vor allem in Ost- und Norddeutschland wieder aus. Während der Deutsche Jagdverband von mehr als 1000 Tieren spricht, geht das Bundesumweltministerium von rund 400 Wölfen aus.