Freiluftanzeige in Berlin | Bildquelle: picture alliance / dpa

Steigende Mieten Wohnungsmangel erreicht Mittelschicht

Stand: 05.07.2017 15:20 Uhr

Die Zahl der Neubauten wächst - aber sie wächst lange nicht schnell genug. In Ballungsräumen können sich mittlerweile viele Durchschnittsverdiener die Mieten für Neubauwohnungen nicht mehr leisten, warnt der Wohnungswirtschaftsverband.

Von Wolfgang Landmesser, ARD-Hauptstadtstudio

Für Mieter, die schon lange in ihrer Wohnung leben, ist die Situation gar nicht so schlecht: Um knapp eineinhalb Prozent sind die Mieten seit 2012 pro Jahr gestiegen. Und damit nicht stärker als die Einkommen und Renten. Für Wohnungssuchende kann es dagegen dramatisch sein, sagt Bundesbauministerin Barbara Hendricks: "Wer umziehen muss und eine Wohnung sucht, erlebt oft die ganze Härte des jetzt herrschenden Mietmarktes."

Denn gerade in Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg, Düsseldorf oder München ist der Wohnraum knapp - und das sorgt immer mehr für soziale Probleme. Wenn in den Städten neuer Wohnraum entsteht, können sich Menschen mit mittleren Einkommen die Mieten dafür oft nicht leisten, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Wohnungswirtschaftsverbandes GdW. "Wir haben mittlerweile eine Situation in Deutschland erreicht, wo der Durchschnittsverdiener nicht mehr in der Lage ist, eine Neubauwohnung zu beziehen."

Immenser Nachholbedarf

Dabei wächst die Zahl der neu gebauten Wohnungen seit Jahren deutlich: So werden in diesem Jahr voraussichtlich knapp 280.000 Wohnungen fertiggestellt, 30.000 mehr als 2016, heißt es im Bericht der Bundesregierung über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.

Die Zunahme des Angebots reicht aber nicht aus, um die aktuell hohe Nachfrage nach Wohnraum zu decken. Dafür müssten nach Berechnungen der Bundesregierung bis 2020 pro Jahr 350.000 Wohnungen neu auf den Markt kommen. Auch Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes, sieht immensen Nachholbedarf. In insgesamt 138 Städten und Kreisen liege die Nachfrage drastisch über dem bestehenden Angebot - "und das hat immer die Folge: steigende Mieten".

Wohnungsbau | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Die Zahl der neu gebauten Wohnungen wächst seit Jahren deutlich.

Einen großen Mangel gibt es vor allem an Sozialwohnungen. Nach einer Statistik der Wohnungswirtschaft sind im vergangenen Jahr knapp 25.000 Sozialwohnungen fertig geworden. Das ist aber nicht mal ein Drittel des Bedarfs. Damit mehr Sozialwohnungen gebaut werden, hat die Bundesregierung die Zuschüsse für Sozialwohnungen deutlich erhöht - jeweils eineinhalb Milliarden Euro überweist der Bund in diesem und im nächsten Jahr an die Länder.

Hendricks hält Reform des Wohngeldes für nötig

Ab 2020 werden die Bundesländer im Zuge der Föderalismusreform alleine für den sozialen Wohnungsbau zuständig sein. Die Bundesbauministerin sieht das als großes Problem."Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Länder diese große gesellschaftliche Aufgabe stemmen werden", sagt Hendricks. "Ohne Bundesgeld müssten die Länder ihre Investitionen in den sozialen Wohnungsbau vervierfachen - um nur das zu behalten, was wir gerade haben und was ja nicht genug ist."

Auch eine Reform des Wohngeldes hält die SPD-Politikerin für erforderlich. Während die Mieten ständig steigen, würden die Wohnzuschüsse für Sozialhilfe- und Hartz-IV-Empfänger derzeit nur mit großer zeitlicher Verzögerung angehoben. Man brauche eine "regelmäßige und bedarfsgerechte" Anpassung des Wohngeldes, so die Ministerin. "Ich stelle mir einen Turnus von zwei Jahren vor und eine Art Automatismus. Denn die Mieterinnen und Mieter müssen sich auf ihr Wohngeld verlassen können."

Ein Plan, der auch der Gebäudewirtschaft gefällt. So müsse sichergestellt sein, dass Bedürftige mehr Wohngeld bekommen, wenn die Miete aufgrund von Gebäudesanierungen für mehr Klimaschutz steigt.

Knapper Wohnraum sorgt für soziale Probleme
W. Landmesser, ARD Berlin
05.07.2017 14:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 05. Juli 2017 die tagesschau um 12:00 Uhr und Inforadio um 12:42 Uhr.

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