Ein Obdachloser aus der Slowakei bezieht in der Nachtunterkunft auf dem Gelände der Bayernkaserne in München sein Bett mit einer Einmaldecke. | Bildquelle: picture alliance / Matthias Balk

Bundesweite Schätzung 650.000 Menschen ohne Wohnung

Stand: 30.07.2019 08:22 Uhr

Etwa 650.000 Menschen in Deutschland sind laut einem Medienbericht ohne eigene Wohnung: Der Bedarf an Sozialwohnungen sei groß, das Angebot zu gering, kritisiert eine Sozialorganisation.

Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) steht etwa 650.000 Menschen bundesweit keine Wohnung zur Verfügung, wie die Funke Mediengruppe berichtet. Die Zahl beruht auf Schätzungen für das Jahr 2017, die heute in Berlin vorgestellt werden.

Die meisten Wohnungslosen in Deutschland leben demnach in Notunterkünften, etwa 48.000 von ihnen leben obdachlos auf der Straße. Bei mehr als der Hälfte handelt es sich der Arbeitsgemeinschaft zufolge um Asylsuchende, die in Flüchtlingsunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen leben. Nimmt man sie aus der Zählung, waren 2017 etwa 275.000 Menschen ohne Wohnung.

Neue Berechnungsmethode, kein Rückgang

Die BAGW macht auch Angaben zur Demographie der Wohnungslosen: Drei Viertel von ihnen sind demnach Männer, die meisten von ihnen alleinstehend. Unter den Obdachlosen, die auf der Straße leben, seien demnach viele Zuwanderer aus anderen EU-Staaten, insbesondere aus Osteuropa.

Die neue Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft fällt deutlich niedriger aus als die vorausgegangene - dahinter steckt nach Angaben von Geschäftsführerin Werena Rosenke allerdings eine Änderung der Berechnungsmethode, deren Datengrundlage nun die Wohnungsnotfallberichterstattung des bevölkerungsreichsten Bundeslands Nordrhein-Westfalen bildet. Von einem Rückgang der Wohnungslosenzahl in Deutschland könne nicht die Rede sein - vielmehr sei von einem Anstieg um 15 bis 20 Prozent auszugehen.

Mehr sozialer Wohnungsbau gefordert

Als Hauptgründe benennt Rosenke neben einer "Verfestigung von Armut" das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum und Sozialwohnungen. "Benötigt werden pro Jahr 80.000 bis 100.000 neue Sozialwohnungen und weitere 100.000 bezahlbare Wohnungen", schreibt der Verein in einer Stellungnahme.

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) wies kürzlich darauf hin, dass nur die Hälfte des Neubaubedarfs an preiswerten Mietwohnungen gedeckt sei, bei Sozialwohnungen werde nicht einmal dieses Maß erreicht. Nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) gibt es vor allem in großen Städten einen Wohnungsmangel, in kleineren Städten und auf dem Land hingegen Leerstände.

Wohnungslosenhilfe sieht kein Grund für Entwarnung
Moritz Kluthe, ARD Berlin
30.07.2019 07:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2019 um 08:00 Uhr.

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