Eine leere Wohnung  | Bildquelle: dpa

Starker Anstieg 860.000 Menschen haben keine Wohnung

Stand: 14.11.2017 12:36 Uhr

Etwa 860.000 Menschen in Deutschland hatten im vergangenen Jahr keine feste Wohnung. Das berichtet die Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Im Vergleich zu 2014 ist dies ein Anstieg um rund 150 Prozent. Eine wichtige - aber nicht die einzige - Ursache ist die hohe Zahl an Flüchtlingen.

In Deutschland waren im vergangenen Jahr etwa 860.000 Menschen ohne Wohnung. Darunter sind laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG) auch gut 440.000 wohnungslose Flüchtlinge - die zumeist in Sammelunterkünften leben. Dies entspreche einem Anstieg um rund 150 Prozent seit 2014.

Flüchtlinge nicht alleiniger Grund

Grund für den enormen Zuwachs ist vor allem die hohe Zahl der anerkannten Flüchtlinge. Die Zuwanderung habe die Gesamtsituation dramatisch verschärft, sei aber keineswegs alleinige Ursache der neuen Wohnungsnot, sagte der Geschäftsführer der BAG, Thomas Specht. Zu den Ursachen zähle vor allem auch die erhöhte Zahl der Einpersonenhaushalte. Die meisten Wohnungslosen, 70 Prozent, sind alleinstehend. Zudem seien besonders in den Großstädten die Mieten enorm gestiegen.

Obdachlose haben in Berlin unter der Oberbaumbrücke bei eisiger Kälte ihr Zeltlager errichtet. | Bildquelle: dpa
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Viele Obdachlose leben in den Ballungszentren wie hier in Berlin. Im Winter sind sie besonders gefährdet, etwa zu erkranken.

Die Zahl der Obdachlosen ohne Unterkunft schätzt der Verband bundesweit auf 52.000 Menschen. Das sei etwa ein Drittel mehr als 2014. Sie leben vor allem in den Großstädten. Die Straßenobdachlosigkeit sei stark durch die EU-Binnenzuwanderung geprägt. "Die Straßen-Obdachlosigkeit, so sagen wir, ist immer nur die Spitze des Eisbergs, der sichtbare Teil dieses Problems", sagt Specht.

Weiterer Anstieg erwartet

Bis 2018 prognostiziert die Organisation einen weiteren Anstieg auf dann 1,2 Millionen wohnungslose Menschen. Auszugehen sei von einem Zuwachs um 350.000 oder 40 Prozent im Vergleich zu 2016.

Die Politik habe den sozialen Wohnungsbau in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt, sagte Specht: "Die wesentlichen Ursachen für Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit liegen in einer seit Jahrzehnten verfehlten Wohnungspolitik in Deutschland - in Verbindung mit der unzureichenden Armutsbekämpfung." Seit 1990 sei der Sozialwohnungsbestand um etwa 60 Prozent zurückgegangen auf 1,2 Millionen. Die Organisation forderte einen Wohnungsgipfel und mehr Geld von Bund und Ländern für den sozialen Wohnungsbau.

Forderungen an die Politik

Der Paritätische Wohlfahrtsverband sprach sich für eine grundlegende Reform des Wohnungsmarktes aus. Auch die beiden kirchlichen Hilfswerke Diakonie und Caritas forderten ein koordiniertes Vorgehen der politisch Verantwortlichen im Bund, in den Ländern und Kommunen, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der Deutsche Mieterbund bekräftigte seine Forderung an die Politik, jedes Jahr rund 400.000 Wohnungen neu zu bauen. Davon sollten mindestens 200.000 Mietwohnungen sein und davon 80.000 Sozialwohnungen.

BAGW schlägt Alarm: Zahl der Wohnungslosen drastisch gestiegen
Torsten Huhn, ARD Berlin
14.11.2017 16:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. November 2017 um 12:43 Uhr.

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