Apartment Front in Berlin Mitte | REUTERS

Wohnungsmarkt Weniger Platz in Städten

Stand: 04.12.2019 12:05 Uhr

Junge Menschen ziehen gern in die Städte - auch, wenn der Wohnraum dort immer knapper wird. Das teilen die deutschen Statistikämter mit. Auf dem Land hingegen stehen Hunderttausende Wohnungen leer.

Der Druck auf den deutschen Wohnungsmarkt steigt weiter: Vor allem Großstädte stellt der anhaltende Zuzug vor Herausforderungen, wie aus der gemeinsamen Pressekonferenz des Bundesamts für Statistik und der Statistikämter der Länder hervorgeht.

Den Bevölkerungszuwachs von 2,5 Millionen Menschen zwischen 2012 und 2018 bekamen demnach vor allem Städte zu spüren: In Leipzig stieg die Einwohnerzahl in diesem Zeitraum um 12,9 Prozent, in Frankfurt am Main um 9,5 Prozent und in Berlin um 8 Prozent. Als Ursache sehen die Statistiker neben dem leichten Geburtenüberschuss vor allem den Zuzug aus dem Ausland an.

Insbesondere jüngere Generationen drängen in die Städte: "Junge Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren zieht es in die Metropolen. In den Jahren 2013 bis 2018 zogen im Saldo 1,2 Millionen Menschen in die kreisfreien Großstädte", sagte Georg Thiel, der Präsident des Statistischen Bundesamtes. "Bei den Menschen ab 40 Jahren sieht die Entwicklung anders aus: Unter dem Strich zogen im Saldo 120.000 Menschen dieser Altersgruppe aus den Großstädten weg."

Nicht mal 40 Quadratmeter pro Person

In den sieben größten Städten Deutschlands Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf schrumpft der Wohnraum: Pro Person nahm die Fläche, die einem Menschen im Durchschnitt zur Verfügung steht, auf 39,2 Quadratmeter ab.

Inzwischen wohnt weniger die Hälfte der Stadtbewohner allein, immer mehr teilen ihren Wohnraum sogar mit drei oder mehr Personen. In der Folge gewinnen Mehrfamilienhäuser mit zehn oder mehr Parteien an Bedeutung: Inzwischen liegt ihr Anteil an Mietwohnungen bei 72 Prozent.

Entscheidend für den Wohnungsmangel in Städten ist den Statistiken zufolge der Bauüberhang: 2018 standen fast doppelt so viele genehmigte Wohnungen vor der Fertigstellung wie ein Jahrzehnt zuvor. Derzeit warten die künftigen Bewohner demnach auf 693.000 im Bau begriffene Wohnungen - das entspricht Aufträgen im Wert von 9,1 Milliarden Euro.

Baukräne stehen an einer Baustelle, auf der Häuser gebaut werden | dpa

Baukräne vor einem fertigzustellenden Wohnblock. Der Bauüberhang in Deutschland hat einen Höchststand erreicht. Bild: dpa

Leerstehende Wohnungen auf dem Land

Auf dem Land sieht die Lage anders aus: Bemessen an der gesamten Bundesrepublik liegt die Wohnfläche, die einer Person durchschnittlich zur Verfügung steht, seit fast zehn Jahren konstant bei 45 Quadratmetern. Die Zahl der leerstehenden Wohnungen hat abgenommen, wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Recherchen mit Analytikern und Immobilienberatern berichtet: Bundesweit sind demnach momentan 600.000 Wohnungen in Eigenheimen und 1,1 Millionen Etagenwohnungen ungenutzt.

Wohnungen in den ostdeutschen Bundesländern seien fast drei Mal so häufig von Leerstand betroffen wie Flächen im Westen Deutschlands. Den Negativrekord hält den Recherchen zufolge die Stadt Pirmasens: Dort stehen 9,1 Prozent aller Wohnungen leer, gefolgt von Schwerin, Chemnitz, Frankfurt an der Oder und Salzgitter.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Dezember 2019 um 11:15 Uhr.