Ein Mann bittet auf dem Kurfürstendamm in Berlin um Geld (2012) | Bildquelle: dpa

Einkommen in Deutschland Wohlstand sehr unterschiedlich verteilt

Stand: 19.07.2018 15:31 Uhr

Auch wenn in Deutschland das Wirtschaftswachstum steigt, stagniert das Wohlstandsniveau - so das Ergebnis einer Studie der Böckler-Stiftung. Hauptgrund sei, dass sich die Einkommen immer weiter auseinander entwickelten.

In Deutschland ist der Wohlstand weiterhin ungleich verteilt. Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung stieg zwar das Bruttoinlandsprodukt zwischen 1991 und 2016 real um 40 Prozent. Der gesamtgesellschaftliche Wohlstand in Deutschland sei allerdings im gleichen Zeitraum lediglich um 6,4 Prozent gewachsen. Das entspreche einer durchschnittlichen Zunahme des Wohlstandes um 1,5 Prozent seit 2013, während das BIP im Mittel um 1,9 Prozent zugelegt habe.

Damit habe das gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsniveau Ende 2016 noch auf dem gleichen Stand wie Mitte der 1990er-Jahre gelegen, hieß es. Hauptgrund für das relativ schwache Abschneiden bei der langfristigen Entwicklung war nach Angaben der beauftragen Wissenschaftler des Instituts für Interdisziplinäre Forschung Heidelberg der "deutliche Anstieg" der Einkommensungleichheit vor allem in den 2000er-Jahren. Damals stagnierten die Reallöhne vieler Beschäftigter, während Kapital- und Unternehmenseinkommen stark zunahmen. Der Gini-Koeffizient, der die Ungleichheit der Einkommen misst, habe sich in dieser Zeit signifikant erhöht.

Nationaler Wohlfahrtsindex

Im Auftrage der Böckler-Stiftung legen die Wissenschaftler jährlich einen Nationalen Wohlfahrtsindex vor. Diesen sehen die Autoren als alternativen Indikator zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Er nimmt vor allem die Entwicklung des nationalen Wohlstands anhand privater Konsumausgaben in den Blick. Stärker als beim BIP werden dabei neben den ökonomischen auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt.

In den vergangenen Jahren stiegen dann zwar den Angaben zufolge die Löhne im Durchschnitt stärker als die Inflation. Weil allerdings auch die Kapital- und Vermögenseinkommen kräftig zulegten, ging die Einkommensungleichheit kaum zurück. Nach Einschätzung von IMK-Direktor Gustav A. Horn hat Deutschland trotz leichter Verbesserungen bei der Verteilung des Wohlstandes deshalb noch eine "Menge Potenzial und Spielraum".

Unterste Einkommensgruppen profitieren nicht

"Die Ungleichheit in Deutschland hat insofern zugenommen, als dass die Einkommensungleichheiten zugenommen haben", erläutert Prof. Stefan Liebig, Vorstandsmitglied beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Leiter des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Forscher präsentieren Wohlstandsstudie: Wie ungleich ist das Leben in Deutschland?
tagesschau 12:00 Uhr, 19.07.2018, Mona Ruzicka, RBB

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Das DIW hatte bereits Ende Mai auf Basis von SOEP-Daten eine Studie vorgelegt, wonach der anhaltende Wirtschaftsaufschwung in Deutschland bei weitem nicht bei allen Bürgern ankommt. Demnach sind zwischen 1991 und 2015 die realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte im Schnitt um 15 Prozent gestiegen. Davon haben laut Untersuchung die meisten Einkommensgruppen profitiert - aber nicht die untersten.

Einkommensungleichheit bedeute aber nicht notwendigerweise Einkommensungerechtigkeit, sagte Liebig. "Wenn wir die Menschen fragen, welche Einkommen sie haben wollen und welche Einkommen sie als gerecht ansehen, dann sprechen sie sich in keinster Weise für eine gleiche Verteilung von Einkommen aus. Einkommen sollen durchaus unterschiedlich und nach Leistung differenziert sein."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juli 2018 um 12:00 Uhr.

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