Kardinal Rainer Maria Woelki | dpa

Nach Missbrauchsgutachten Schuldeingeständnis, aber kein Rücktritt

Stand: 23.03.2021 11:37 Uhr

Fünf Tage nach der Vorstellung des Gutachtens zum Umgang mit sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln hat Kardinal Woelki zwar persönliche Fehler eingeräumt. Einen Rücktritt lehnte er jedoch ab. Stattdessen bot er den Opfern ein Gespräch an.

Nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens für das Erzbistum Köln hat Kardinal Rainer Maria Woelki persönliche Fehler eingestanden. Konkret nannte er den Fall des Düsseldorfer Priesters Johannes O., dem Missbrauch vorgeworfen wurde. Bei einer Pressekonferenz sagte Woelki, er habe zwar laut dem Gutachten "pflichtgemäß und rechtssicher gehandelt". Jedoch "hätte ich den Fall nach Rom melden können und sollen. Ich habe es aber nicht getan - anders wäre es besser gewesen."

Auch in einem weiteren schweren Missbrauchsfall hätte er einen beschuldigten Geistlichen schon viel früher suspendieren sollen, als es tatsächlich geschah.

Rücktritt abgelehnt

Nicht nur die Düsseldorfer Gemeinde erhebt in dem Fall schwere Vertuschungsvorwürfe gegen den Erzbischof. Auch Kirchenrechtler forderten ihn auf, dem Papst deswegen seinen Rücktritt anzubieten.

Das lehnt Woelki jedoch strikt ab: "Die moralische Verantwortung einfach mitnehmen und gehen zum Schutz des Ansehens von Bischofsamt und Kirche - das ist mir zu einfach. Und in meinen Augen ist es auch falsch." Weiter meinte er: "So ein Rücktritt wäre nur ein Symbol, das nur für eine kurze Zeit hält." Er könne es nur aus seinem Amt heraus besser machen. "Ich werde in Zukunft alles dafür tun, dass möglichst keine Fehler mehr passieren können."

"Chaos in der Verwaltung"

Zu den mehr als 300 Fälle von Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche, die im Gutachten des Strafrechtlers Björn Gercke benannt werden, sagte Woelki, es habe "systembedingte Vertuschung" im Erzbistum Köln gegeben. Als Gründe nannte er "Chaos in der Verwaltung" sowie ein "System aus Schweigen, Geheimhaltung und mangelnder Kontrolle". "Generell fehlte es an Mitgefühl, generell fehlte es an Empathie", konstatierte der Erzbischof. "Das hätte so nie passieren dürfen."

Woelki bot jedem der Opfer ein persönliches Gespräch an. "Kommen Sie, wenn Sie möchten und ich will versuchen, ihnen zuzuhören." Er könne aber auch jeden verstehen, der nach seinen schlimmen Erfahrungen nicht mit einem Vertreter der Kirche reden wolle.

75 Pflichtverletzungen nachgewiesen

Das in der vergangenen Woche vorgestellte Gutachten zeigt auf, wie Bistumsverantwortliche mit Fällen sexualisierter Gewalt durch Priester umgingen. Die Untersuchung hält in 24 von 236 ausgewerteten Aktenvorgängen insgesamt 75 Pflichtverletzungen durch acht Amtsträger fest, darunter Erzbischöfe, Generalvikare und Personalchefs.

Zu den Beschuldigten zählen unter anderem der Hamburger Erzbischof Stefan Heße sowie der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, die dem Papst bereits ihren Rücktritt angeboten haben, sowie der verstorbene Kölner Erzbischof Joachim Meisner. Woelki selbst wurde kein Fehlverhalten nachgewiesen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. März 2021 um 12:00 Uhr.