Rainer Maria Kardinal Woelki | Sebastian Gollnow/dpa

Papst-Entscheidung Kardinal Woelki bleibt im Amt

Stand: 24.09.2021 15:03 Uhr

Der umstrittene Kölner Kardinal Woelki bleibt im Amt. Diese Entscheidung des Papstes gab der Vatikan bekannt. Franziskus gewährte Woelki aber eine Auszeit, um die der Kardinal ihn gebeten hatte.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki darf als Erzbischof der größten deutschen Diözese im Amt bleiben. Papst Franziskus habe Woelki auf dessen eigenen Wunsch aber eine "geistliche Auszeit" von Mitte Oktober bis Anfang März gewährt, heißt es in einer Erklärung des Vatikans. In seiner Abwesenheit werde Weihbischof Rolf Steinhäuser als Apostolischer Administrator eingesetzt.

In der Mitteilung hieß es weiter, es habe sich kein Hinweis ergeben, dass Woelki im Umgang mit Missbrauchsfällen rechtswidrig gehandelt habe. Er habe jedoch "auch große Fehler gemacht". "Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass es im Erzbistum zu einer Vertrauenskrise gekommen ist, die viele Gläubige verstört."

Neben Woelki bleiben auch die Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff im Amt. Papst Franziskus entschied, die Amtsverzichte der beiden nicht anzunehmen. Sie waren wegen Pflichtverletzungen beurlaubt. Puff werde seinen Dienst sofort wieder antreten, Schwaderlapp auf eigene Bitte zunächst für ein Jahr als Seelsorger nach Kenia gehen, teilte der Heilige Stuhl mit.

Nach Bekanntwerden der Entscheidung kündigten beide Veränderungen an. Puff erklärte, für ihn sei die Rückkehr kein "Weiter so". "Die letzten Monate, in denen ich in einem Altenzentrum und in der Obdachlosenseelsorge arbeiten durfte, haben mich innerlich verändert." Schwaderlapp erklärte, von der Zeit in Kenia erhoffe er sich "innere Reifung und Erneuerung".

Woelki: "Die Fehler tun mir leid"

In einer ersten Reaktion dankte Kardinal Woelki dem Papst. Dieser habe seiner Bitte nach einer Auszeit entsprochen. Dies gebe ihm Gelegenheit, die vergangenen Monate aufzuarbeiten und einen Weg in die Zukunft zu finden. "Natürlich habe ich Fehler gemacht bei der Aufarbeitung", sagte Woelki und verwies dabei auf Mängel in der Kommunikation. "Das tut mir leid." Dies gelte besonders mit Blick auf die Betroffenen, die dadurch retraumatisiert worden seien. Zudem seien viele Menschen in ihrem Inneren verletzt und in ihrem Glauben erschüttert worden.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, reagierte verhalten auf die Entscheidung des Vatikans: "Ich nehme die Entscheidungen des Heiligen Vaters entgegen und hoffe, dass der Prozess einer Aussöhnung im Erzbistum Köln anlaufen wird. Ob dies innerhalb weniger Monate zu einer grundlegend veränderten Situation führen kann, vermag ich nicht zu beurteilen."

Rom sei sichtlich darum bemüht, "Bewegung in die schwere Krisensituation im Hinblick auf das Vertrauen in die Führung des bischöflichen Amtes zu bringen, die das Erzbistum Köln schwer belastet und weit darüber hinaus auf die Kirche in unserem Land ausstrahlt", so Bätzing weiter.

Zentralkomitee der Katholiken kritisiert Entscheidung

Kritik kam vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Präsident Thomas Sternberg erklärte, er könne "die vatikanische Entscheidung zum Verbleib von Kardinal Woelki im Amt nicht verstehen". Das Instrument einer Auszeit sei nicht genug. "Es ist völlig unklar, was am Ende einer solchen Auszeit stehen kann, und sie ist nicht geeignet, um verlorengegangenes Vertrauen wiederherzustellen." In der Politik und in demokratischen Strukturen könne ein Amtsverzicht dazu beitragen, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen einzuleiten, erklärte Sternberg weiter. "Mit der römischen Entscheidung wird ein solcher Erneuerungsprozess, der bitter nötig ist, verhindert."

Vertrauenskrise in Köln

Die Diözese am Rhein wird seit gut einem Jahr von einer Vertrauenskrise erschüttert. Der Unmut über den Erzbischof war gewachsen, nachdem er ein Gutachten über den Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt mit Verweis auf rechtliche Gründe stornierte. Es wuchs der Eindruck, Woelki wolle etwas vertuschen.

Ein zweites Gutachten, das kirchlichen Führungskräften 75 Pflichtverletzungen im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt nachweist, brachte keine Befriedung. Woelki selbst wurde juristisch entlastet. Doch diese Freisprechung stieß nicht auf Akzeptanz. Vielmehr appellierten Kritiker an ihn, gerade auch als langjähriger Vertrauter des früheren Kölner Kardinals Joachim Meisner moralische Verantwortung für das System zu übernehmen. Einen Rücktritt lehnte Woelki mehrfach ab.

Mitte Juni schickte Papst Franziskus zwei Gesandte nach Köln, um die Situation vor Ort zu überprüfen. Dabei ging es auch um die Rolle weiterer Verantwortungsträger, etwa des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße, der seinen Rücktritt angeboten hatte. Vergangene Woche lehnte der Papst dieses Gesuch ab.

Millionenschweres Defizit für 2020

Heute teilte das Erzbistum Köln mit, dass sein Finanzbericht für 2020 ein millionenschweres Defizit aufweist. Der Fehlbetrag belaufe sich demnach auf 4,1 Millionen Euro. 2019 hatte das mitgliederstärkste Bistum in Deutschland noch einen Jahresüberschuss von 31,4 Millionen Euro verzeichnet. Laut dem Erzbistum gingen die Kirchensteuererträge für 2020 gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent auf rund 653,6 Millionen Euro zurück. Ursache sei vor allem die Corona-Krise gewesen, hieß es. Zugleich sank die Zahl der Kirchenmitglieder im Erzbistum: Ende 2019 hatte sie noch bei 1,91 Millionen gelegen, ein Jahr später betrug sie 1,87 Millionen.

"Der Jahresabschluss spiegelt die Belastungen durch Corona, zeigt aber auch die Widerstandsfähigkeit des Erzbistums gegenüber kurzfristigen Verwerfungen", sagte der Ökonom des Erzbistums, Gordon Sobbeck.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. September 2021 um 11:00 Uhr und um 12:00 Uhr.

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Moderation 24.09.2021 • 20:41 Uhr

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