Zwei Wölfe im Wald | dpa

Bundesamt für Naturschutz Mehr Wolfsrudel in Deutschland

Stand: 28.11.2022 11:09 Uhr

Die Zahl der Wolfsrudel in Deutschland ist leicht gestiegen. Mit 161 nachgewiesenen Rudeln sind es drei mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig gibt es mehr Attacken auf Nutztiere. Das sorgt erneut für Abschussforderungen.

Die Zahl der Wolfsrudel in Deutschland ist leicht gestiegen. Wie das Bundesamt für Naturschutz sowie die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf in Bonn mitteilten, wurden im sogenannten Monitoringjahr 2021/2022 in Deutschland 161 Wolfsrudel registriert. Das waren drei Rudel mehr als im vorangegangenen Berichtszeitraum. Die Zahl der gesichteten Einzelwölfe blieb mit 21 nahezu konstant.

Angriffe auf Nutztiere steigen

"Das ist ein natürliches Wachstum und ein etwas geringerer Anstieg als in den Vorjahren", sagte die Leiterin des Fachgebietes zoologischer Artenschutz beim BfN, Sandra Balzer. Grundlage der Zahlen sind Erhebungen der Länder mit wissenschaftlich abgesicherten Nachweisen etwa durch Genspuren und Kamerafallenbilder, wie BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm betonte.

Für öffentliche Diskussionen über den streng gegen Abschuss geschützten Wolf sorgen immer wieder Attacken auf Nutztiere, vor allem auf Schafe und Ziegen. Im Jahr 2021 wurden insgesamt 975 Angriffe von Wölfen mit 3374 verletzten, vermissten oder getöteten Nutztieren gemeldet. Im Vorjahr waren es 942 Attacken.

Am meisten Wölfe in Brandenburg

Insgesamt wurden in den Wolfsterritorien 1175 Tiere sicher bestätigt. Die tatsächliche Gesamtzahl kann aber davon abweichen, weil nicht die Einzeltiere primär erfasst werden und die Rudelgrößen stark variieren. Die meisten Wolfsrudel lebten im Beobachtungszeitraum zwischen Mai 2021 und April 2022 in Brandenburg (47), gefolgt von Niedersachsen (34) und Sachsen (31). Die Periode deckt sich mit einem biologischen Wolfsjahr von der Geburt der Welpen bis zum Ende des ersten Lebensjahres. 

Insgesamt 148 Wölfe wurden in dem Untersuchungszeitraum tot aufgefunden. Davon verendeten 102 durch Verkehrsunfälle. Bei 18 Wölfen war die Todesursache natürlichen Ursprungs, 13 Wölfe wurden illegal getötet. Bei acht Wölfen war die Todesursache unklar, und zwei Wölfe wurden im Rahmen von Managementmaßnahmen gezielt getötet. In fünf Fällen wurde die Todesursache noch untersucht.

Die Frage der Bejagung

Das BfN veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht zu den Wolfsvorkommen in Deutschland, der auf den von den zuständigen Behörden der Länder gemeldeten Zahlen beruht. Dafür wurden mehr als 30.000 Hin- und Nachweise ausgewertet. Der in Deutschland einst ausgerottete Wolf breitet sich seit Ende der 1990er-Jahre wieder aus, was zu Konflikten vor allem mit Nutztierhaltern führt.

Wölfe stehen in Deutschland als streng geschützte Art unter Naturschutz. Ein Abschuss ist verboten, es sei denn, die eigentlich Menschen gegenüber scheuen Wölfe verhalten sich in der Begegnung mit Menschen aggressiv. Dann erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz einen Abschuss - offiziell "Entnahme" genannt. Ein solcher Fall unprovoziert aggressiven Wolfsverhaltens ist seit 1998 laut dem Bericht aber noch nicht aufgetreten. Seit langem gibt es politischen Streit über die Frage, ob der Schutz der Raubtiere abgeschwächt und die Bejagung erleichtert werden sollte.

Über dieses Thema berichtete rbb24 am 28. November 2022 um 09:15 Uhr.