Wolf | Bildquelle: dpa

Beschluss im Bundestag Wölfe dürfen leichter geschossen werden

Stand: 19.12.2019 18:41 Uhr

Eigentlich steht der Wolf in Deutschland unter Schutz. Doch nun hat der Bundestag eine Neuregelung beschlossen, die seinen Abschuss erleichtert. Denn in vielen Regionen gibt es Sorgen vor Attacken auf Nutztiere.

Zum Schutz von Schafen und anderen Nutztieren dürfen Wölfe künftig leichter geschossen werden. Das sieht ein Gesetzesentwurf der Großen Koalition vor, den der Bundestag nach langem Streit verabschiedet hat.

Nach dem Plan von Umweltministerin Svenja Schulze soll ein Abschuss künftig auch dann möglich sein, wenn unklar ist, welcher Wolf genau zum Beispiel eine Schafherde angegriffen hat. Es sollen so lange Wölfe in der Gegend geschossen werden können, bis es keine Attacken mehr gibt - auch wenn dafür ein ganzes Rudel getötet wird. Die Länderbehörden müssen aber jeden Abschuss einzeln genehmigen. Zudem sollen Jäger regelmäßig vorab einbezogen werden.

Künftig soll zudem schon eine Abwendung "ernster wirtschaftlicher Schäden" reichen, bisher ist im Gesetz von "erheblichen Schäden" die Rede. Das soll es auch Hobbyschäfern ermöglichen, Entschädigungen zu bekommen, wenn Wölfe zuschlagen. Damit sich die Tiere nicht an Menschen gewöhnen, soll das Füttern und Anlocken verboten werden.

"Kein Verständnis für Wolfsromantik"

Nachdem der Wolf in Deutschland als ausgerottet galt, breitet er sich in den letzten Jahren wieder stärker aus. Nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz leben in Deutschland derzeit zwischen 275 und 300 erwachsene Tiere. Die vermehrten Angriffe der unter Schutz stehenden Wölfe auf Schafe und andere Nutztiere sorgen seit längerem für hitzige Diskussionen zwischen Landwirten und Naturschützern.

Durch 639 Wolfs-Übergriffe seien im vergangenen Jahr bundesweit 2067 Tiere gerissen worden, erklärte der CDU-Abgeordnete Hermann Färber. Die allermeisten davon sind Schafe oder Ziegen. Insgesamt werden in Deutschland rund 1,6 Millionen Schafe und gehalten.

"Der Schutz des Wolfes ist uns auch wichtig. Aber dieser muss Grenzen haben", sagte Unionsfraktionsvize Gitta Connemann der Nachrichtenagentur dpa. "In dicht besiedelten und wirtschaftlich genutzten Arealen ist kein konfliktfreies Zusammenleben mit dem Wolf möglich. Für Wolfsromantik hat dort aus gutem Grund niemand Verständnis." Risse bedrohten inzwischen Existenzen, Schäfereien müssten aufgeben.

WWF begrüßt Pläne

Die Umweltschutzorganisation WWF begrüßte die Pläne der Bundesregierung. Sie machten deutlich, dass Ausnahmen vom strengen Schutzstatus des Wolfes und anderer geschützter Tierarten enge Grenzen gesetzt seien. Die Tötung eines Wolfes müsse auch bei der neuen Gesetzeslage Ultima Ratio sein. Um ein langfristiges Miteinander von Menschen, Weide- und Wildtieren zu ermöglichen, seien flächendeckende Maßnahmen zum Herdenschutz in allen Bundesländern mit Wolfsvorkommen das A und O.

Der Wolf lässt die Wogen im Bundestag nochmal hochschlagen - Gesetz beschlossen
Angela Ulrich, ARD Berlin
20.12.2019 06:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Dezember 2019 um 06.21 Uhr.

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