Janine Wissler | dpa

"NSU 2.0"-Drohschreiben Wissler glaubt nicht an Einzeltäter

Stand: 05.05.2021 09:20 Uhr

Im Fall der "NSU 2.0"-Drohschreiben geht Linken-Chefin Wissler nicht von einem Einzeltäter aus. Sie selbst gehört zu den Empfängern der Mails. Heute will sich die Staatsanwaltschaft zur Festnahme eines Verdächtigen äußern.

Linken-Chefin Janine Wissler glaubt im Fall der anonymen "NSU 2.0"-Drohschreiben nicht an einen Einzeltäter. "In den allermeisten Fällen gibt es ein Netzwerk, eine Unterstützerstruktur, zumindest einen Austausch oder eine Vernetzung übers Internet", sagte sie im nachtmagazin.

"Und gerade in diesem Fall frage ich mich, wie kommt ein 53-jähriger Mann aus Berlin an Daten, die, kurz bevor diese Drohbriefe geschrieben wurden, nachweislich abgefragt wurden an mehreren Polizeicomputern, an mehreren Revieren, in verschiedenen Bundesländern?" Das gelte es jetzt aufzuklären.

"Dieses reflexhafte Reden von Einzeltätern kennen wir aus ganz vielen Bereichen der rechten Gewalt, und dass dahinter liegenden Netzwerke überhaupt nicht aufgeklärt werden", so Wissler. "Insgesamt gibt es leider keinen Grund zur Beruhigung. Das ist jetzt ein Täter, der verhaftet wurde. Jetzt gilt es eben, sich das Umfeld genauer anzuschauen."

Arbeitsloser Mann aus Berlin unter Verdacht

Am Montagabend war in Berlin ein 53 Jahre alter Mann festgenommen worden. Der arbeitslose Deutsche steht im dringenden Verdacht, seit August 2018 bundesweit eine Serie von Drohschreiben mit volksverhetzenden und beleidigenden Inhalten verschickt zu haben.

Unterzeichnet waren die Schreiben mit "NSU 2.0" in Anspielung an die Mordserie der rechtsextremen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Empfänger waren überwiegend Personen des öffentlichen Lebens - neben Wissler zählten dazu etwa die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz, die im Münchner Prozess um die NSU-Morde Opferfamilien vertreten hatte, und die Kabarettistin Idil Baydar.

Staatsanwaltschaft will über Erkenntnisse informieren

Heute wird sich die Frankfurter Staatsanwaltschaft erneut zu dem Fall äußern. Laut Ermittlern erscheint es naheliegend, dass sich der Verdächtige am Telefon als Behördenmitarbeiter ausgab, um bei verschiedenen Polizeirevieren nicht öffentlich zugängliche Personendaten für die Drohschreiben zu erfragen. Wegen der Abfragen an den Polizeicomputern in Frankfurt, Wiesbaden und Berlin war die Polizei unter großen Druck geraten.

Hessens Innenminister Beuth sieht nach bisherigen Erkenntnissen die Polizei entlastet. "Die Drohschreiben hatten einen sehr schwerwiegenden Verdacht auf die Polizei gelenkt", erklärte er. "Nach allem, was wir heute wissen, war nie ein hessischer Polizist für die 'NSU 2.0'-Drohmailserie verantwortlich."

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 05. Mai 2021 um 00:20 Uhr.